Offener Brief an den Vermittlungsausschu├č

von Fritz Eckenga
Offener Brief an den
Vermittlungsausschuß

Sehr geehrter Vermittlungsausschuß,

ich möchte mich jetzt mal in aller Form
bedanken für diese - Wie heißt das? - Reform.
Enorm, Wirklich toll, nochmal danke, genau,
von mir sowieso, aber auch meiner Frau.

Bedanken bei denen, die saßen zum Schluß
im Morgengraun im Vermittlungsausschuß,
war´s fünf, war´s sechs, war´s Viertel vor Vier?
Danke von meiner Frau und von mir,

dafür, daß Sie, wie wir hörten, an sich
vermittelten für meine Frau und für mich,
damit, wie es dann zu lesen war,
was blieb, und zwar übrig, für uns, auch als Paar.

Wir hörten und lasen, und jetzt wird´s privat,
daß Sie sozusagen als Obrigkeitsstaat
sich mischten, und da ging´ Sie deutlich zu weit,
in Sachen, die machen wir lieber zu zweit.

Es gibt nunmal Dinge, die gehn Sie nichts an,
dazu gehören - jawohl! - Frau und Mann.
Reden wir nicht mehr länger drumrum:
Jeglichen Eingriff ins Untenrum

verbitten wir uns, das ist nicht Ihr Tisch!
Sie sind doch wohl obenrum nicht mehr ganz frisch!
Für „Wachstumsimpulse“ jeglicher Form
brauchen wir keine - wie heißt das? - Reform.

Die setzen wir selber, aus eigener Kraft,
und zwar wenn´s uns paßt, als Körperschaft
intimer Natur, verstehen Sie das?
Finger Weg, Ferkel! Sonst setzt es was!

Wenn sonst noch was ist, Vermittlungsausschuß,
vermitteln wir selbst und machen jetzt Schluß.
Schlafen Sie aus, wir rufen nicht an.
Schön´ Gruß, gezeichnet: Mein' Frau und ihr Mann.


Fritz Eckenga
 

© 2005 Fritz Eckenga
aus: „Jahreshauptversammlung meiner Ich-AG“ - Verlag Antje Kunstmann