Wie: B├╝cher?! (4)

von Konrad Beikircher

Foto © Frank Becker

Wie: Bücher?!
 
Konrad Beikircher über Literatur (4)

Im Prinzip funktioniert das ja alles noch bis heute ganz gut, wenn ich auch sagen muß: so manche Idee, auf die unsere Buchhändler stolz sind, ist damals schon entwickelt worden. Redaktionelle Werbung z.B. haben wir Goethe zu verdanken. Jahrelang hat er erfolglos vor sich hin gedichtet, dann kam ihm die zündende Idee: „Man muß ebbes schreibe, was die Leut nachmache könne, dann schreibe die Zeidunge über die Nachmacher und müsse zwangsläufig mei Buch erwähne, weil ohne des ja kaane was nachgmacht hätt!“ und setzt sich hin und schreibt „Die Leiden des jungen Werthers“. Genial!
Oder Instore Marketing, auch ein alter Hut. Ludwig van Beethoven, der ja - wollte man ihm selber glauben - quasi als Sozialfall jelebt hat, hat einem Wiener Musikalienhändler gesagt: „Weiße wat? Mach doch hinger dingem Partiturenkontor noch ei klein Weinstübchen auf. Do drinke die Lück un wenn die fertig sin, kriejen die beim Erausjehen noch ei Partitürchen unger die Ärm jeklemmp. Un der Wein heißt: Mozart-Muskateller, Schubert-Schilcher, Haydn-Heuriger oder Beethoven-Burgunder. Ich schwör Dir: dat klapp!“.
Nur: das ist ja nur die eine Seite vom Ganzen. Die andere Seite ist die, wenn der Laie, also der Nicht-Buchhändler den Laden betritt und was will. Ich weiß, daß an dieser Front nur der Härteste bestehen kann, hier ziehe ich meinen Hut vor allen Buchhändlern, aber hallo. Wie dieser tägliche Kampf mit dem Laien aussieht, kann ich Ihnen aus einer Sammlung zeigen, die ein ungenannt bleiben wollender Kollege von Ihnen in seiner Buchhandlung Bouvier in Bonn hat anfertigen lassen. Ich versichere hiermit, was jetzt kommt, sind wirkliche Zitate.
 
Fangen wir vorne an, da, wo der Laie, also der Kunde, den Laden betritt. Seine Wünsche sind vielfältiger Art. Das geht von Kurzwaren:
„Wo sind bitte die Goldmann-Taschentücher?“
über den täglichen Bedarf:
„Ist hier die Tagebuch-Abteilung?“
bis hin zu Hehler-Ware:
„Wo haben Sie denn hier die Raubdrucke stehen?“.
Oft sind die Wünsche des Kunden weitab von einer kaufmännischen Sicht der Dinge:
„Kann ich Videocassetten auch zur Ansicht bestellen?“
oft aber auch präzise, klar und nicht erfüllbar:
„Guten Tag, haben Sie Fäden?“
„Bitte?“
„Fäden, verstehen Sie, Fäden!“
„Nein, nur Bücher!“
„Danke, Wiedersehen!“
 
Manchmal sind die Vorstellungen in den Köpfen der Kunden übergenau:
„Ich hätt gern den dtv Atlas - aus’m Fischer Verlag“
manchmal das Gegenteil:
„Ich hätt gerne ein Buch über Aquamarell...äh...Äquama...“
Nun gut, nicht jeder ist ein Pinsel!
Manchmal ist in der Frage auch ein neues Literatur-Konzept enthalten, das überdenkenswert scheint:
„Ich suche Gedichte, so ne Anthologie, aber keine Lyrik“
dicht gefolgt von der Gegenposition:
„Wo haben Sie Gedichtbände - so lyrische?“.
Sicherlich gibt es beide Bücher in der Abteilung, die ein anderer Kunde sucht:
„Man hat mir gesagt, ich soll in die Pennetristik“.
Und, Hand auf’s Herz: sooo daneben ist’s ja auch wieder nicht, oder?!
In dieser Abteilung sind denn auch die Autoren anders sortiert:
„Wo steht denn Fontane? Unter T?“!
und:
„Herder, Piper, Fischer...wo sind denn die anderen Autoren?“.



Lesen Sie am kommenden Dienstag weiter,
was unser Kolumnist zum Thema Buch für Sie notiert hat!