Wie: B├╝cher?! (5)

von Konrad Beikircher

Bildunterschrift

Wie: Bücher?!
 
Konrad Beikircher über Literatur (5)


Als Mensch und Therapeut ist der Buchhändler gefragt, wenn die Wünsche der Kunden ins Tragische gehen.
Da steht dann eine Kundin im Laden, den rosa Abholzettel in der Hand, schaut sich verzweifelt um und fragt: „Können Sie mir sagen, wo ich mich hinrichten kann?“.
 
Dagegen sind manche Wünsche von Kunden sehr verständlich. Und das gleich aus doppelter Sicht: aus literarischer UND kaufmännischer: „Ich wollte dieses Buch umbringen!“.
Geradezu philosophisch - Kierkegaard, Camus und Sartre als Meister des Absurden hätten ihre helle Freude an Sätzen wie dem folgenden - geradezu philosophisch also wird es, wenn ein Kunde fragt: „Wie finde ich: Wie helfe ich mir selbst?“.
 
Nun ist er also drin im Laden, nehmen wir mal an: er hat sogar die richtige Abteilung gefunden, und versucht, dem Buchhändler klar zu machen, was er sucht. Wir wissen: dieses ist ein schwieriges Feld. Die Frankfurter Buchmesse schüttet uns jährlich mit Zehntausenden von neuen Titeln und Autoren zu, Funk, Fernsehen und Presse verstärken die Verwirrung und das literarische Quartett ist auch nicht immer DER Wegweiser...
 
Es geht ihm also einiges durcheinander im literaturvernebelten Hirn. Und heraus kommt dann eine Mixtur, die göttlich zu nennen eine Untertreibung wäre.
Da war einer im Kino, z.B. in Der sich den Wolf tanzt und was will er haben? Natürlich „Den SteppWolf von Hesse“.
Ein anderer, in der gewerblichen Bebauung von Äckern noch nicht so bewandert - er hätte in der Karwoche vielleicht doch besser den Hesiod gelesen - sucht: „Den Anfänger im Roggen“.
Gut so, recht hat er. Wer ist schon auf Anhieb Profi?
Ein Auto-Narr sagt: „Ich hätte gern den Fiesta vom Hemingway“
ein Asket sucht  „Der Mann ohne Ansprüche von Musil“
und ein Karnevals-Muffel von „Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu feiern“. In einer Zeit, in der eh alles irjendswie miteinander zusammenhängt, völlig in Ordnung.
Und daß einem im Zeitalter der Abkürzungen und Organisationen manchmal was durcheinandergerät, wer mag da richten?
„Ich suche von Lessing: Nato der Weise“ oder „Unesco: Die Stühle!“.
 
Die Hausautorin „Das neue Buch von Simone de Bouvier“ ist ebenso gefragt wie die ortsansässige Politikerin, die mit gleich zwei Werken die Bestseller-Listen gestürmt hat:
„Haben Sie von Süßmuth: Das Parfum?“ und „Ich hätte gern von Süßmuth: Die Taube“. Ich glaube, beides trifft auf lovely Rita Rubber Maid nicht ganz so zu.
 
Oft aber ist es so, daß die Bücher offensichtlich in den falschen Abteilungen herumstehen.
In die Abteilung: Ratgeber Geld gehört ein Werk wie: „Ich suche von Theodor Storm: Der Schimmel-Pfennig“.
Zur Science fiction: „Caesar: bellum galacticum“.
In die ReiseAbteilung: „Goethe: Iphigenie auf Taunus“, es sei denn, daß sich dahinter doch eher ein Bildband über den alten Ford Taunus...
In die Comic-Abteilung sollte geschickt werden, wer fragt: „Haben Sie Maria Magdalena von Hägar?“
und in die Art deco Abteilung wer von „Dante: Die göttliche Kommode“ sucht.
 
Wo aber steht von „Bert Brecht: Mutter Theresa“?
Oder:
„Molière’s ‘Eingebildeter Franke’“?
Oder
„Die Judenbude von Droste Hülshoff“?
Da freut man sich doch, wenn man in die Hobby-Abteilung schicken kann, wer:
„Mein Name sei Gartenbein vom Sulzkamp Verlag“ sucht!
 
Ganz tückisch wird es, wenn Autoren dasselbe Werk unter verschiedenen, allerdings ähnlich klingenden Titeln und unter unterschiedlichen Namen verkaufen. Ich zitiere:
„Ich suche von Hauptmann: Der Bibelpelz“
„Ich suche von Masoch: Venus im Biberpelz“
und
„Ich suche ‘Der Biberpilz’ von - Hoffmann“!!
Dieses Dickicht kann nur der geübte Buchhändler durchforsten.
Manchmal begegnen sich in den Köpfen des Kunden auch Autoren und es kommt ein quasi gemeinsames Werk heraus, so wenn Simmel und Böll sich im Kleinhirn einer Leseratte die Hand reichen:
„Ich hätte gerne ‘Mit den Augen eines Clowns’“.
 

Lesen Sie am kommenden Dienstag weiter,
was unser Kolumnist zum Thema Buch für Sie notiert hat!