Amalfi und die K├╝ste

Dezember und Januar: Die Monate der Krippe

von Konrad Beikircher

Foto © Frank Becker
Amalfi und die Küste
 
Das muß man im Dezember oder Januar machen: eine Fahrt nach Amalfi. Nicht nur, daß die wunderschöne Kirche in Amalfi einen dann milder empfängt als im gleißenden Sommerlicht, nicht nur, daß dann weniger Touristen unterwegs sind und man ohne nennenswerten Stau von Napoli oder Sorrento nach Amalfi kommt, nicht nur, daß man somit halten kann, wo man will, um den ein oder anderen atemberaubenden Blick festhalten zu können (und derer gibt es auf dieser Strecke einen nach dem anderen), es gibt in diesen beiden Monaten etwas, was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt: Krippen. Das sind die Monate der Krippe und der Golf von Neapel ist das Weltzentrum dafür, was sage ich: das Zentrum des Krippenuniversums. In Neapel ist an jeder Ecke eine Krippe aufgebaut, wildfremde Menschen bitten dich in ihre Wohnungen um dir ihre Krippe zu zeigen, die ganze Stadt ist stolz auf besonders große Krippen und abends wird hier und dort die lebende Krippe vorgeführt. Auf der ganzen Strecke aber bis weit über Amalfi hinaus sind Krippen in die Landschaft gebaut. Mal nur aus Lichterketten hoch oben an den Felswänden, Gebilde wie überirdische Graffiti aus Licht, mal in einer Kurve liebevoll mit Korkdächern, Hirten, Sarazenen und was der Orient sonst noch alles zu bieten hat. Erst schaust du nur und bist paff, dann fragst du dich, ob das alles nur religiös-süßliches Getue ist und dann merkst du plötzlich, daß eine ganze Region in den Krippen ihr echtes Glaubensgefühl ausdrückt. Hier ist Glauben nicht etwas abstraktes, hier hat Glauben Gesichter: der Josef, die Maria, die Heiligen drei Könige, die Hirten und eines davon ist dein Gesicht, denn du bist auch dabei. Das ist Krippe. Und das ist so schön, daß du nicht mehr weg möchtest aus dieser überirdisch schönen Gegend – im Dezember und im Januar!
 
Fahren Sie mal hin!
Ihr
Konrad Beikircher