Mit der "Christ-K├Ânig-Linie" durch's "Alte Testament"

12 kleine Ortschaften um Sundern im Sauerland bilden ein 1100 Jahre altes Kirchspiel

von Andreas Rehnolt
Mit der "Christ-König-Linie" durch's
"Alte Testament"

12 kleine Ortschaften im Sauerland scharen sich um die frühere Stamm-Pfarrei Hellefeld und sind als Kirchspiel bereits über 1100 Jahre alt


Sundern - "Das `Alte Testament´ liegt tatsächlich hier im Sauerland und hat eine Menge hübscher Ecken". Walter Hübner aus dem Städtchen Sundern ist einer von wenigen, die wissen, daß die landschaftlich schöne Gegend um die älteste Ortschaft der Stadt Sundern, Hellefeld, im Volksmund schon seit Ewigkeiten die Bezeichnung "Altes Testament" trägt. Die meisten Einheimischen schütteln den Kopf, wenn sie nach dem Weg dorthin gefragt werden. Egal, ob im Hotel, im Restaurant oder an der Tankstelle. Die Bezeichnung bedeutet ursprünglich "Alter Bund" und stammt vom Lateinischen testamentum ab, weiß Clemens Liedhegener, der sich in der Geschichte des über 1.100 Jahre alten Kirchspiels Hellefeld auskennt.


Hellefeld - Foto: Stadt Sundern

Nach seiner Einschätzung bezieht sich "Alter Bund" auf das Volk Israel, das früher aus zwölf Stämmen bestand. Und die Pfarrei Hellefeld umfaßt analog dazu genau zwölf Ansiedlungen, die sich rund  um den Hauptort in einem relativ engen und leicht zu umwandernden Kreis im hübschen Tal zwischen den Naturparks Arnsberger Wald und Homert befinden.
Der Ort liegt auf 351 bis 500 Meter über Normal-Null und hat heute etwa 900 Einwohner. Von der alten romanischen Kirche, die zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert errichtet wurde, ist bis heute der Turm erhalten geblieben. Zudem existiert in dem um 1870 errichteten neugotischen Neubau des Gotteshauses ein steinernes Taufbecken, das nach neuesten Forschungsergebnissen vermutlich bereits aus dem 9. Jahrhundert stammt.

Als Stammpfarrei wurde der Ort schon sehr früh kirchlicher Mittelpunkt für die umliegenden Ortschaften, zu denen Altenhellefeld, Bainghausen, Frenkhausen, Herblinghausen, Linnepe, Meinkenbracht, Schnellenhaus, Selschede, Visbeck, Wennighausen und Westenfeld gehören. Fast in all den kleinen Orten mit ihren Fachwerkhäusern, Bauernhöfen und durch den Orkan Kyrill stark ausgedünnten Wäldern gibt es kleine Kirchen oder winzige Kapellen, die im Gegensatz zur


Altenhellefeld im Sauerland
Foto: Stadt Sundern
Hallenkirche in Hellefeld allerdings meist geschlossen sind. Überall im "Alten Testament" fallen Wegekreuze, Kruzifixe und Heiligenfiguren ins Auge.
"Oh, Herr. Verschone unseren Wald und die umgestürzten Bäume vor dem Borgenkäfer", steht auf einem Zettel, den vermutlich ein gläubiger Waldbauer mit einer Heftzwecke an eines der Kreuze gesteckt hat. Interessant auch, daß die öffentlichen Buslinien, mit denen Teile des "Alten Testments" von Sundern aus erreicht werden können die Namen "Christ-König-Linie" oder auch "St. Johannes" tragen.

Zum Kirchspiel zählt auch die Ortschaft Linnepe mit einer wunderschönen Wassermühle aus dem Jahr 1313, die heute ein Lokal beherbergt. Nicht weit entfernt ist die Ansiedlung Linneperhütte mit der einzigen Kirche der Stadt Sundern, die jedes Jahr "ein neues Dach" erhält. Die kleine Kirchenglocke hängt oben in einer alten Eiche und wird von den Einwohnern zu Feiertagen eigenhändig geläutet, berichtet eine alte Bäuerin. In einer der zahlreichen Höhlungen des gewaltigen Baums, dessen Äste im vergangenen Herbst kräftig zurück geschnitten wurden, steht auch eine alte Heiligenfigur. Die Wanderung durch das "Alte Testament" führt auch in die Ortschaft Westenfeld. Oben, auf dem Wilsenberg, erinnern sieben steinerne Bildstöcke an die dort nachgewiesenen "Sieben Fußfälle" als einen Kreuzweg frühester landläufiger Darstellung überhaupt.

Weitere Informationen unter: www.nah-klar-sundern.de