Lust der Augen

Das Von der Heydt-Museum zeigt Sch├Ątze aus seiner Sammlung

von Frank Becker

Mittelalter vs. Moderne - Foto © Frank Becker

Something old, something new...

Schätze aus dem Museumsbestand
im Von der Heydt-Museum Wuppertal
 
„Alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches
und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens,
ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt“
(1. Joh. 2,15.16)
 
Vorgestern habe ich Ihnen ja eingangs meines Berichtes über die Adolf Erbslöh-Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum angekündigt, auch über die parallel gezeigte Ausstellung „Something old, something new (something borrowed, something blue)“ etwas zu erzählen. Das

Wilhelm Lehmbruck,Torso 1911 - Foto © Frank Becker
mache ich umso lieber, als diese originelle, zauberhaft präsentierte, mit Witz und Geschmack zusammengestellte Präsentation von großen

Ägypten, 1. Jh. v.u.Z. - Foto © Frank Becker
Schätzen und etlichen bislang nie gezeigten Preziosen - immerhin 300 Exponate! -, ausschließlich (nothing borrowed) aus dem Bestand des Von der Heydt-Museums, eine hinreißende Perle ist. Rund 3000 Jahre Kulturgeschichte vom Alten Ägypten bis Philipp Fröhlich 2014 werden in Bildern, Skulpturen und Objekten vor dem Auge des Betrachters weit gefächert ausgerollt. Von der Vorzeit bis ins 21. Jahrhundert spannt sich der leuchtende Bogen von Schätzen, darunter etliche bislang nie gezeigte Preziosen aus der Sammlung des Von der Heydt-Museums, europäischer, vorderasiatischer, asiatischer und afrikanischer Kunst, den Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh und seine Mitarbeiterinnen mit deutlich sichtbarem eigenem Vergnügen zusammengestellt haben.

Der Reiz des Miteinander
 
Der Reiz liegt nicht nur in der historischen Dimension und der erlesenen Qualität der gezeigten Stücke, er offenbart sich auch im pikanten Gegenüber und Nebeneinander von Zeiten und Genres. So öffnet sich dem Besucher beim Eintritt in den lichtdurchfluteten ersten von zehn Sälen, Räumen und Kabinetten eine Begegnung von Mittelalter und Moderne. Vor verblüffend echt erscheinenden Kirchenfestern wetteifern geschnitzte Heiligenfiguren von Renaissance bis Barock mit Francis Bacons brutalem Realismus.
Daß Profanes und Religiöses sich zeitübergreifend die Räume teilt, wirkt keineswegs widersprüchlich oder gar anstößig, es ist schlicht eine Lust der Augen, diese Vielfalt im einträchtigen Miteinander bewundern zu können. Viele der Stücke, erläutert Dr. Gerhard Finckh beim Rundgang an Beispielen, waren verstaubt, angelaufen und unansehnlich, schienen nicht wert, präsentiert zu werden. Doch nach vorsichtig ausgeführten Reinigungsarbeiten erstrahlten japanische Buddha-Figuren, spanische Reliquienbüsten, javanische Schattenspielfiguren, afrikanische Fetische und altägyptische Holzschnitzereien in herrlichem Glanz.


Spanien Relquienbüste, um 1600
 
 
Hans Georg Inhestern Mikrometer 1988 - Foto © Frank Becker

Schwelgen in Gegensätzen

Man schwelgt in Gemälden von deutschen Romantikern und französischen Impressionisten, deutschen Italienmalern des 19. Jahrhunderts und Werken aufstrebender Künstler am Beginn des 21. Jahrhunderts. Expressionisten begegnen Objektkünstlern, zarte Vasen und Gläser messen sich mit üppigen Skulpturen. Carl Spitzweg trifft auf Otto Mueller, Bertel Thorvaldsen auf John Chamberlain, Alberto Giacometti auf Wilhelm Lehmbruck, Canaletto auf Renoir. Philipp Fröhlich und Friedrich Overbeck repräsentieren im Abstand von 200 Jahren den Zeitgeschmack der deutschen Malerei. Die Ausstellung ist so geschickt gehängt und aufgebaut, daß man hinter jedem neuen Ein-/Durchgang aufs Neue angenehm überrascht wird. Das Von der Heydt-Museum zeigt auf so höchst anregende Weise einen Teil seiner beachtlichen Schätze – was die Lust auf eine große, das ganze Haus „bespielende“ Bestands-Ausstellung macht. Ein Besuch lohnt nicht nur, er wird von den Musenblättern dringend empfohlen.


Otto Mueller, Weibliche Akte im Freien, 1920 - Foto © Frank Becker


 
Siegesgöttin von Daniel Christian Rauch, dahinter u.a. Overbecks und Thorvaldsens Vittoria Caldoni“ - Foto © Frank Becker



Plastik der Vorzeit trifft Zeitgenössische Malerei, hinten links Philipp Fröhlich 186L - Foto © Frank Becker
 
In den kommenden Wochen werden wir Ihnen hier ab und an ausgewählte Stücke zeigen.

Weitere Informationen:  www.von-der-heydt-museum.de