Sachen zum Lachen

Neue heitere B├╝cher - beleuchtet

von Frank Becker

Axel Hacke
Wortstoffhof

Axel Hacke hat jahrelang Wortschrott gesammelt. Versatzstücke der Sprache, Wendungen, Sprachsünden, puren sprachlichen Unfug und vermeintliche Intelligenzleistungen. Nie versiegende Quelle waren ihm dabei Druckerzeugnisse, politische Redeprotokolle, E-Mails, Gebrauchsanweisungen, Lautsprecherdurchsagen, Speisekarten, Werbung und immer wieder Behörden-Sprachverbrechen.
Das geht vom Stoiberschen "Äh..." bis zum "Zeitfenster" (das nichts mit Comic- Superkräften zu tun hat). Unterwegs bekommt man zwar kichernd, doch auch besorgniserregend reichlich Einblick in Sprachverballhornungen, die unbedingt mal ans Licht gebracht werden mußten. Ergebnisse wie Anschlußmobilität,
Einzelteilzahl, Du-bist-Deutschland, Balkone, die "obendrauf gesetzt" werden, Aufstellungsort des Seins, ein Stück weit, Odonkor unglücklich, Hunde impfen mit Verstand oder Selbstabbruch sind schon Preziosen. Fast am schönsten sind da immer wieder die legendären Gebrauchsanweisungen aus Fernost, in denen Worte wie Poppencorken und Blowenfusen kreiert werden. "Bei Freifallöffnung Domdeckel öffnen, sonst Vakuumgefahr!" Ein Standardwerk.
Axel Hacke
: "Wortstoffhof", 2008 Verlag Antje Kunstmann, 223 Seiten, 16,90 €, Umschlagzeichnung von Michael Sowa - www.kunstmann.de



Horst Evers

Mein Leben als Suchmaschine

 Man muß eigentlich Horst Evers mal gehört haben, um beim Lesen das rechte Vergnügen an seinen Texten zu finden. Der lakonische, leicht enttäuschte und stets etwas beleidigte Tonfall macht viel seines trockenen Humors aus. Gelegenheit hat mein beim Hörbuch-Label WortArt und beim Besuch seiner regelmäßigen Lesungen in den Kleinkunst-Theatern der Republik. Aber jetzt zum neuen Buch.
Horst Evers kämpft - das ist sein Schicksal - mit dem Alltag. Alles und jedes hat nichts als den Plan, ihn zu ärgern, ihm das Leben schwer zu machen. Aber Evers wäre nicht er, würde er nicht letztenendes mit noch mehr Chuzpe all dieser Anfeindungen und Widrigkeiten Herr. Das beginnt mit der Vorbestellung auf ein Brot von gestern, streift unangenehme Kindheitserinnerungen (als er mal mit den Kopf in einem Brückengeländer steckengeblieben war), macht mit einem, na ja, schlagfertigen Batterieverkäufer sowie mit intelligenten Haushaltsgeräten bekannt und endet (fast) bei einem (fast) gelungenen Appell an die Selbstverantwortung. Evers wäre aber nicht er (siehe oben), fände er da nicht auch einen bauernschlauen Ausweg. Nach Epilog und nützlichem Glossar - fängt man wieder vorne an, denn seine Geschichten schreibt das Leben.

Horst Evers
: "Mein Leben als Suchmaschine", 2008 Eichborn, 144 Seiten, 12,95 €, Umschlagzeichnung von Bernd Pfarr - www.eichborn.de



Hans Zippert

Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen
Im Selbstversuch getestet

Hans Zippert hat für sein neues Buch sein Leben, nein, eigentlich nur seine Notizen der zurückliegenden Jahre durchforscht, um einmal aufzuräumen.
Aber nicht mit dem, woran die Deutschen am meisten, oder am liebsten leiden, wie es der Titel verheißt, sondern mit allem, was ihm u.a. auf Reisen an sich und seiner Welt unangenehm aufgestoßen ist. Das ist einiges. Als Reisejournalist ist er ordentlich rumgekommen, wobei sich "ordentlich" aber nur auf das Rumkommen bezieht. Seine Reisezahnbürste spricht da eine ganz andere Sprache. Feststellungen wie "Die meisten jugendlichen Straftäter sind früher Kinder gewesen" haben schon eine gewisse soziale Sprengkraft. Zipperts Gedankengänge zum Rauchen in Krankenhauseingängen, zu Sitzen der Deutschen Bahn, zu Läusen in St. Petersburg, dem Geheimnis des Quittungszettels bei McDonald´s oder zum aktuellen Phänomen prominenter Ehen sind durchaus von allgemeinem Interesse, können als Aufklärung gewertet, aber auch "nur" als herrlich entspannende Feierabendlektüre beschmunzelt werden. Auch als Medikation sehr zu empfehlen.
Hans Zippert: "Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen", 2008 Edition TIAMAT, 175 Seiten, 14,- €, Umschlagzeichnung von Bernd Pfarr, einige Illustrationen - www.edition-tiamat.de



Rainer Moritz

Ich Wirtschaftswunderkind

Wenn einer eine so famose Jugend gehabt hat wie Rainer Moritz, hat er gut lachen - und mit ihm der Leser seines jüngsten Buches, das eine herrliche Zeitreise in die 60er und 70er ist mit Symbolen wie Peggy March, Zündapp, einer Tasse Kaffee für 50 Pfennige, Toast Hawaii, Käsewürfeln, "Bin i Radi bi i König", Schlagerskala im Südfunk Stuttgart (man schickte noch eine echte Postkarte an den Sender, um mit abzustimmen!),  "Bäckerblume",  The Sweet, Grace Kelly, Fix & Foxi, Teddy Podgorsky und mit Richard Kimble "Auf der Flucht". Den gab´s wöchentlich im Fernsehen, ein Straßenfeger wie "Invasion von der Wega". Man lernte, die Finger abzuspreizen. Im Kino sah man heimlich "Laß jucken Kumpel" und sehnsuchtsvoll die Pos und Busen im "Schulmädchenreport"  - oder ganz offiziell "Is was Doc?". Wer das alles, dazu die Österreich-Urlaube mit den Eltern und auch die Lieder von Ulrich Rosky, Reinhard Mey, Hannes Wader und Dieter Süverkrüp kennt ist 50 Jahre oder drüber - und genau die Zielgruppe für dieses köstliche Erinnerungsbuch. Das liest man und ertappt sich immer wieder mit einem gefährlich blöden Lächeln auf den Ü-50-Zügen. Man ist dabei gewesen und hat sein ganz privates déja vu. Eine heitere Hymne auf eine gar nicht so üble Zeit.
Rainer Moritz: "Ich Wirtschaftswunderkind", 2008 Piper Verlag, 300 Seiten mit Schutzumschlag, einige Foto-Illustrationen, Lesebändchen, 19,90 € - www.piper.de