Ein Urmel zum Verlieben

„Urmel aus dem Eis“ Nach dem Kinderbuch von Max Kruse in einer Theaterfassung von Stefan Hüfner

von Frank Becker

Sakia Deer - Foto © Martin Mazur
Ein Urmel zum Verlieben
 
„Urmel aus dem Eis“
Nach dem Kinderbuch von Max Kruse
in einer Theaterfassung von Stefan Hüfner
 
Inszenierung: Ralf Budde – Musik/Musikalische Leitung: Stefan Hüfner – Bühne: Jan Bauerdick, Benedikt Fiebig – Kostüme: Hana Bielefeld – Maske: Elke Quirmbach – Regieassistenz: Mirca Szigat
Besetzung: Urmel (Saskia Deer) – Prof. Habakuk Tibatong (Joachim Rettig) - Wutz (Kerstin Trant) – Tina Tintenklecks (Nele Nagy) – Ping (Allegra de Bruyckere) – Schusch (Nina Jestel) – Wawa (Christina de Bruyckere-Monti) – Dr. Zwengelmann (Clemens Filarsky) – Pumponella von Pumpolonien (Monika Owart) – See-Elefant (Stimme: Michael Baute)
 
In Pumpolonien ist für Professor Habakuk Tibatongs (ein zerstreuter Bilderbuch-Professor: Joachim Rettig) Forschungen und Theorien kein Platz mehr. Niemand glaubt ihm, daß es das Urmel als Bindeglied zwischen Sauriern und Menschen gibt, daß Tiere sprechen lernen können und der unsichtbare Fisch existiert – am wenigsten Zoodirektor Dr. Zwengelmann (köstlich verkniffen: Clemens Filarsky). Der Professor verliert seinen Lehrstuhl an der pumpolonischen Universität und beschließt auszuwandern. Zum Glück hat er kürzlich eine Südseeinsel günstig erwerben können, dorthin soll es gehen. Mit ihm fliehen Wutz, das ordentliche Hausschwein, das soeben sprechen gelernt hat (humorvoll energisch: Kerstin Trant) und Tina Tintenklecks (souverän: Nele Nagy), des Professors treue Schülerin aus dem unfreundlichen Pumpolonien. Die namenlose Insel nennen sie kurzerhand Titiwu. Hier wird Prof. Tibatong seine Forschungen fortsetzen.

Auf Titiwu hat es Tibatong geschafft, einige wohlmeinende Tiere auf seiner Sprachschule Menschisch zu lehren, wenn auch mit lustigen kleinen Sprach- und Intonationsfehlern. Worauf es ankommt ist, daß man sch versteht – und das klappt vorzüglich. Der kesse Pinguin Ping (bezaubernd die 12jährige Allegra de Bruyckere), der waghalsige Vogel Schusch, ein Schuhschnabel (rasant und ulkig: Nina Jestel) und der Waran Wawa (vorzügliches Mimikri: Christina de Bruyckere-Monti) sitzen auf der Schulbank. Und der See-Elefant singt von seinem Felsen aus (die Stimme mit vorzüglichem Baß hat Michael Baute gegeben) voller Melancholie am liebsten die Loreley. Alles geht seinen harmonischen Gang mit kleinen Späßen untereinander, wie dem Gekabbel um eine Wohnmuschel, bis plötzlich Aufregung einkehrt: Ein Eisberg hat es bis in die Südsee geschafft, zeigt aber abschmelzend, daß ein großes Ei in ihm steckt. Wenn das mal nicht ein Urmel-Ei ist! In der Tat, nach dem gemeinsamen Ausbrüten des eiskalten Eis schlüpft – ein Urmel!

v.l.: Joachim Rettig, Kerstin Trant, Nele Nagy - Foto © Martin Mazur

Jetzt geht der Trubel erst richtig los, denn die als liebenswert-frecher Urmel geradezu sprühende Saskia Deer reißt das kleine und große Publikum im Sympathiesturm, mit himmelblauem Augenaufschlag und dem Urmel-Lied (ein Ohrwurm, Musik von Stefan Hüfner) unwiderstehlich mit. Und gegen das bezaubernde Lächeln dieses kleinen Dinos gibt es keinen Widerstand – auf Titiwu nicht und nicht im Publikum. Wie einst der reine Tor Parzival stromert Urmel durch die Welt von Titiwu, erlebt unterstützt durch ein einfallsreiches und witziges Bühnenbild mit Riesen-Ei und Muschel, Helikopter und Flaschenpost (Jan Bauerdick, Benedikt Fiebig) Abenteuer, wird gejagt und gerettet. Das ist komisch und turbulent und endet trotz einer bösen Königin (schön überdreht: Monika Owart) natürlich versöhnlich. Denn ein Familienstück zur Weihnachtszeit muß in der Quintessenz zufrieden und glücklich machen. Das tut es.
 

Das Ensemble - v.l.: Nina Jestel, Allegra de Bruyckere, Nele Nagy, Joachim Rettig, Saskia Deer, Kerstin Trant, Clemens Filarsky, Christina de
Bruyckere-Monti, Monika Owart
  - Foto © Martin Mazur

Ralf Budde hat das Stück, das Stefan Hüfner nach dem gleichnamigen Roman Max Kruses aus dem Jahr 1969 und der legendären Marionetten-Fassung der Augsburger Puppenkiste von Walter Oehmichen bearbeitet hat, mit sicherem Blick für die Besetzung glänzend auf die Bühne des TiC-Theaters gebracht. Besondere Erwähnung verdienen an dieser Stelle die wundervollen Kostüme von Hana Bielefeld und das hinreißende Maskenbild von Elke Quirmbach, das zum Erfolg nicht unwesentlich beiträgt. Wutz und Urmel, Ping, Schusch und Wawa hätte man besser nicht ausstatten können.
Dieser „Urmel aus dem Eis“ ist für alle Altersklassen und die ganze Familie jede Empfehlung wert. Von uns dafür unser Prädikat, der Musenkuß!
 
Weitere Informationen: www.tic-theater.de