Lesetips ├╝ber das Ruhrgebiet und seine Menschen

Der Verlag Henselowsky Boschmann stellt vor

von Frank Becker
Drei Lesetips über das Ruhrgebiet
und seine Menschen

Der Verlag Henselowsky Boschmann stellt vor

Das Ruhrgebiet, Landschaft zwischen Hattingen und Bochum, Castrop-Rauxel und Essen, Wattenscheid und Recklinghausen, durchflossen von Ruhr und Rhein, Emscher und Lippe, traditionell als Kohlenpott bekannt, Heimat von Stahlbaronen und Kumpels, Taubenzüchtern und legendären Fußballvereinen, hat in den letzten Jahrzehnten einen grundlegenden, einschneidenden Wandel erfahren. Aus der ewig dreckigen, zu einer einzigen gigantischen Industrie-Großstadt zusammengewachsenen Staublunge des deutschen Westens ist nach dem Rückzug vom Bergbau und wesentlichen Teilen der Stahlindustrie durch energische Umgestaltung eine neu orientierte Mega-City mit Landschaftsparks, Grünflächen und phantastischen Kulturangeboten geworden.
Einst Synonym für harte Arbeit unter Tage, für Ruß und Dreck, für Schweiß und Wiederaufbau nach 1945 und für einen einzigartigen Menschenschlag, hat mit der Schließung der Zechen, Kokereien und weiten Teilen der Stahlbranche, also mit dem Abschied von der Montanindurstrie sein Gesicht verändert. Geblieben sind seine unverwechselbare Kulturlandschaft und seine Menschen, die zu Recht stolz auf Ihre Heimat sind - Mängel und Fehler der Vergangenheit hin oder her. Der Bottroper Verlag Henselowsky Boschmann,  hat sich auf die Region spezialisiert. Drei seiner lesenswerten aktuellen Neuerscheinungen stellen wir Ihnen hier mit den kurzgefaßten Klappentexten vor und beginnen mit einer unsentimentalen Kritik.

Stefan Laurin – „Versemmelt“
Das Ruhrgebiet ist am Ende
Titelillustration: Oli Hilbring
© 2019 Verlag Henselowsky Boschmann, 95 Seiten, gebunden, Lesebändchen - ISBN: 978-3-942094-98-6
9,90 €

Dieses Buch handelt von Fehlern und Ignoranz, von vertanen Chancen und vom mangelndem Willen zu gestalten. Das Ruhrgebiet hatte viele Möglichkeiten; die meisten hat es nicht genutzt. Keine Region Deutschlands, ja Europas, von dieser Größe wird dilettantischer regiert. Verantwortlich hierfür waren und sind die Menschen, die all das mitgetragen haben. Das Scheitern der Regionalplanung des Regionalverbandes Ruhr in den vergangenen Wochen hat Laurins Buch noch einmal bestätigt: Das Ruhrgebiet hat versemmelt.
Stefan Laurin mochte schon als Kind nicht, wenn andere ihm sagten, was er tun soll und was nicht. Laurin wohnt in Bochum und arbeitet als freier Journalist unter anderem für Die Welt, Die Welt am Sonntag, die Jüdische Allgemeine und die Jungle World. Nebenbei ist er Herausgeber des Blogs Ruhrbarone und legt sich mit allen an, die Spaß daran haben, anderen Menschen ihre Freiheit zu nehmen.
 „Dein Grubengold hat uns wieder hochgeholt“, knödelt Herbert Grönemeyer in seinem Hit „Bochum“. Das ist so richtig, wie es falsch ist: Ohne die Kohle und den Stahl aus dem Ruhrgebiet hätte sich die junge Bundesrepublik nach dem Krieg nicht so schnell erholt. Aber unter Tage arbeiteten damals Bergleute, keine Samariter. Für ihre Arbeit bekamen sie Geld – und nach damaligen Maßstäben sogar relativ viel Geld. In den ersten Jahren nach dem Krieg kamen noch üppig bemessene Lebensmittelpakete dazu. Und die Bergbau-Unternehmen verschenkten ihre Kohle auch nicht, sie verkauften sie.
Es floß viel Geld ins Revier damals. Die Städte des Ruhrgebiets waren reiche Städte. Und das Geld, das sie hatten, war von ihren Bürgern und Unternehmen erarbeitet worden. Nichts zu danken, Geld gegen Leistung. Und natürlich auch kein Grund, besonderen Dank zu erwarten.
Das Ruhrgebiet hatte viele Möglichkeiten, die meisten hat es nicht genutzt. Und verantwortlich dafür war niemand anderes als die Menschen der Region, die all das mitgetragen haben.
 
 
Werner Bergmann – „Die Geschichte machen“
Helden und Schurken im Ruhrgebiet von anno dazumal bis heute
© 2019 Verlag Henselowsky Boschmann, 238 Seiten, gebunden, Lesebändchen - ISBN: 978-3-942094-96-2
9,90 €

Es gab und gibt Menschen, die für das Ruhrgebiet Hervorragendes geleistet oder auch Fürchterliches angerichtet haben. Wohltäter und schlimme Finger. Insgesamt wird in diesem Buch ein Kaleidoskop von Gestaltern und Tüftlern, Kapitalisten, Kulturschaffenden, aber auch Opfern und Verlierern aus allen Epochen des Reviers im historischen Kontext vorgestellt. Wobei es unerheblich ist, ob sie als „Eingeborene“ oder als von außen Hinzugekommene gehandelt haben.
Bewußt hat Stefan Bergmann darauf verzichtet, erneut die „ganz Großen“ des Reviers aufzunehmen. In der Fußballersprache würde man die, welche in diesem Buch Geschichte machen, als die 2. Liga bezeichnen, deren besondere Bedeutung in ihrem Wirken vor Ort herausragt.
Sie wußten natürlich schon immer, daß das Ruhrgebiet mehr war und ist als Menschen, Maloche, Maschinen, Industrieanlagen, Dreck und Staub. Doch jetzt ist die Kohle weg, manche Industrieanlage rostet zwischen Freizeitpark und Museumsstück einsam vor sich hin, und „Glück auf!“ ist bald Vergangenheit. – War das alles? Oder gab und gibt es Menschen im Revier, die für die Region Hervorragendes geleistet oder auch Fürchterliches angerichtet haben? Wußten Sie, daß ein gebürtiger Flame weitab vom Meer mitten im Pott die Navigation auf dem Meere revolutioniert hat? Daß ein Spanier unsere Region verbrannt und ausgeplündert hat? Was Sie hier erfahren, reicht zwar nicht für das allseits beliebte Fernsehquiz „Wer weiß denn so was?“, aber es wirft – sicherlich zum Teil unerwartete – Schlaglichter auf die Geschichte des Reviers und die Persönlichkeiten, die diese mitgestaltet haben.
 
 
Vorbilderbildbuch
Kleine Galerie der Menschlichkeit
© 2019 Verlag Henselowsky Boschmann, 240 Seiten, gebunden, Lesebändchen - ISBN 978-3-942094-95-5
9,90 €

Wir sind aus dem Ruhrgebiet, wir sind altmodisch, wir haben Vorbilder. Sie bedeuten uns sehr viel. Denn wer keine Vorbilder mehr nötig zu haben glaubt, der hat sich aufgegeben und ist auf dem Weg in die Barbarei. So ist dieses Buch der Vorbilder auch eine kleine Galerie der Menschlichkeit.
Über Vorbilder schreiben in diesem Buch:
Michael Zabka · Joachim Wittkowski · Werner Streletz · Ulrich Straeter · Ilse Straeter · Siegfried Stajkowski · Annika Schuppelius · Einhard Schmidt-Kallert · René Schiering · Thomas Rother · Zepp Oberpichler · Sarah Micke · Margret Martin · Herr Luca · Susi Lilienfeldt · Margit Kruse · Klaus D. Krause · Anke Klapsing-Reich · Hubertus A. Janssen · Sabine Herrmann · Gerd Herholz · Markus Günther · Jens E. Gelbhaar · Ulrike Geffert · Udo Feist · Jens Dirksen · Ludger Claßen · Monika Buschey · Karin Bucconi · Peter Bothe · Werner Bergmann · Werner Boschmann · Hermann Beckfeld
 
Über diese und viele andere Bücher über das Ruhrgebiet gibt es hier weitere Informationen: www.vonneruhr.de