Ein Solitär

Axel Fischbacher Quintet & Kammerphilharmonie Wuppertal – „Five Birds & Strings“

von Frank Becker

Cover: Dietgard Brandenburg
Ein Solitär
 
„Five Birds & Strings“ –
da ist alles drin!
 
Wir haben die fünf Vögel ja schon 2016 wunderbar zwitschern hören und ihr gelungenes Album „Five Birds - Axel Fischbacher Quintet plays Charlie Parker“ ans Herz gezogen. Jetzt sind sie mit einem neuen Album, mit klassischer Unterstützung und dem Album „Five Birds & Strings“ wieder da.

Es ist einfach grandios, wie Axel Fischbacher mit seinen sechs brillanten Kompositionen - oder sollte ich sagen: Sätzen - für dieses einzigartige Projekt die Vereinigung seines hochkarätig besetzten Jazz-Quintetts mit dem kammermusikalischen Ensemble der Kammerphilharmonie Wuppertal unter Werner Dickel eingerichtet hat. Jazz und klassische Streicherbesetzung verschmelzen zu einer unerhört lebendigen Einheit - und damit noch ein bißchen mehr Pfiff hineinkommt, hat Axel Fischbacher einen ordentlichen Schuß Rock und Fusion hinzugegeben. Und sicher nicht ohne tiefere Absicht hat er mit einer kleinen Verneigung in Richtung Canterbury dem dritten Stück den Titel „Soft Machine“ gegeben – das hat mich mit seinem Groove, der genialen Eröffnung durch Fischbachers Gitarre und den hinreißenden Soli von Denis Gäbel und Nico Brandenburg vor dem Basso continuo Fischbachers und den ätherisch einschwebenden Streichern unmittelbar und gänzlich gefangen genommen. Da ist alles drin, was man sich wünschen kann. Nicht anders verhält es sich bei „Barefoot Girl Dancing In The Moonlight“ das sich über ganz zart hereintrippelnden Streicher mit dem folgend akzentuiert singendem Kontrabaß Nico Brandenburgs gefühlvoll für das Saxophon Denis Gäbels und das Flügelhorn von Matthias Bergmann öffnet, bevor die Gitarre sich mit einem traumschönen, ebenso zarten Solo zu Wort meldet. Da macht man die Augen zu und sieht die kleine Tänzerin.

Aber gehen wir noch mal auf Anfang: Wie ein sehnsuchtsvoller Gruß zurück, mit melancholischem Unterton wirkt der leise, zarte Opener, in dessen Titel „I Can Still See You There“ diese Botschaft auch mitschwingt. „Chromiles One“ zeigt sich nach raffinierter Streicher-Eröffnung als das rhythmischste, temperamentvollste Stück mit Tim Dudeks treibendem Schlagzeug. „Room 192“ erlaubt der pizziccato-gewandten Kammerphilharmonie, auf dem Boden moderner Klassik mal richtig zu jazzen; auf knapp halber Strecke steigt die Rhythmusgruppe ein, um der Gitarre für ein großes Solo den Weg zu ebnen, das vom Flügelhorn übernommen wird, und schließlich machen die Streicher den gelungenen Rausschmeißer – ein ganz feines Stück. Den komplexen Abschluß macht – gar nicht „brainsplitted“ - mit einem artigen Schlußakkord der Gitarre der „Splitbrain Bopride“.
Ein ganz, ganz feines Album, ein hervorragend komponiertes und arrangiertes Füllhorn der musikalischen Gratwanderung zwischen den Genres, Hochgenuß ohne Abstriche – ein Solitär. Das verdient wie schon sein Vorgänger unser Prädikat, den Musenkuß, mit Sternchen, notabene.

Axel Fischbacher Quintet & Kammerphilharmonie Wuppertal – „Five Birds & Strings“
© 2020 Jazzsick Records
 
Axel Fischbacher (g) - Denis Gäbel (sax) - Matthias Bergmann (flh) - Nico Brandenburg (b) - Tim Dudek (dr)
Werner Dickel, Kwon Han Lau (viola) - Christopher Huber, Roman Estl, Katharina Scheer, Gergana Petrova (vl) - Michael Halbitzel, Thomas Schmitz (cello) - Andrew Lee (b)
 
Titel:
1. I Can Still See You There – 2. Chromiles One – 3. Soft Machine – 4. Barefoot Girl Dancing In The Moonlight – Room 192 – 6. Splitbrain Bopride
Gesamtzeit: 42:24
 
Weitere Informationen: www.jazzsick.com  -  www.axelfischbacher.com