Iris an Bord

von Rolf Nöckel

Rolf Nöckel - Foto © Frank Becker
Iris an Bord
 
Das erste Mal mit Iris habe ich nie vergessen. Es war an einem sonnigen Frühlingstag im Mai 1978, als sie in mein Leben trat. Am Strand von Sylt erblickte ich sie - und war sofort fasziniert. Ein Hauch von Nichts umschlang ihre schlanken Hüften. Ihr schwarzes Wuschelhaar wehte wild im Wind. Das war schon irre. Aber so richtig fix und fertig machte mich ihr aufreizendes Lächeln mit diesem neckischen Grübchen auf der rechten Wange. Unvergleichlich. Lange hielt ich sie damals in meinen Händen, die Mai-Ausgabe des „Playboy”. Wie die meisten Männer hatte auch ich das Hochglanzmagazin eigentlich nur wegen dieser hochliterarischen Interviews gekauft. Das Gespräch mit Friedensreich Hundertwasser hatte ich damals gesucht - und Iris Berben gefunden. Welch ein Tausch! Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Mit Kribbeln im Bauch. Iris Berben ist eine exquisite Schauspielerin, flotte Buchautorin und engagierte Kämpferin gegen Rassismus. Vor allem aber ist Iris Berben eine starke, freche, kämpferische, wunderschöne Frau. Ein Vierteljahrhundert nach unserer „Playboy"-Begegnung treffe ich sie endlich einmal hautnah - auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik. Schwungvoll betritt sie nach einem Foto-Shooting am Pool das Restaurant, unschlagbar elegant in einfachem T-Shirt, salopper Jacke und schwarzer Lederhose. Ihre Mähne steht auf Windstärke neun. Wir plaudern über ihren Kollegen Dustin Hoffman, über ihre Abneigung gegen Bayern München und ihre Karriere - von der TV~Ulknudel in „Himmlische Töchter" über Kommissarin Rosa Roth bis zur Ehrung mit dem „Leo Baeck-Preis“ für Zivilcourage. „Es war ein weiter Weg, aber nicht in meiner Haltung. Ich habe schon immer Lesungen in jüdischen Gemeinden gehalten. Geändert haben sich aber meine gewachsene Kraft und die Möglichkeiten, die ich durch Popularität bekommen habe. Und die nutze ich natürlich.“ Beim Dessert traue ich mich endlich: „Sind Sie die erotischste Frau Deutschlands?“ Im selben Augenblick ärgere ich mich über eine so plumpe Frage. Iris Berben aber grinst nur und haucht: „Na klar.“ Ich versuche, die blöde Situation abzufangen: „Was würden Sie machen, wenn Sie für einen Tag ein Mann sein dürften?“ Ohne Zögern sagt sie: „Ich würde hin und wieder hübschen Frauen an den Hintern fassen.“ Meint sie das jetzt ernst oder spielt sie mit mir? Tief schaut sie in meine staunenden Augen und grinst schelmisch - mit diesem neckischen Grübchen wie beim ersten Mal. Und da ist es wieder, das Kribbeln im Bauch. Unvergleichlich.


Foto © Ralf Roletschek - Quelle: Wikipedia

 
Text mit freundlicher Erlaubnis aus „Reisen ist Glück“ von Rolf Nöckel (1953-2017)
2015 Hayit Medien, Köln