Statt Gl├╝hwein

Ein Jahresend-Lamento

von Annette Wassermann
Statt Glühwein
 
Ach liebe Damen und Herrn
ich tät‘s wirklich gern
 
doch das jährliche Dichten
gelingt heuer mitnichten
zu viel wurde gesagt
und ich bin ganz verzagt
wir ham manches erlebt
was das Hirn sehr verklebt
ham so vieles vermißt
was man sonst leicht vergißt
uns geschämt für die Nudeln
wie für Menschen in Rudeln
hatten Angst vor dem Morgen
und ganz vielerlei Sorgen
 
zwischen Wut Furcht und Zorn
blieb das Virus ein Dorn
in Aug Herz und auch Fuß
dabei wuchs Überdruß
wir übten Lächeln mit Blicken
hörten auf uns zu drücken
tapfer wo es nur ging
machte jeder sein Ding
         
wir ersehnten die Welt
was nicht zu kaufen für Geld
sind wohl fühlende Wesen
auch beim Kochen und Lesen
das ist eigentlich schön
um es mal so zu sehn
wir hoffen beten und wüten
kotzen manchmal in Tüten
doch viel lieber wir küssen
selbst wenn wir das nicht müssen
 
ein neues Jahr kommt herbei
dem sind wir einerlei
gut und schön soll es werden
für möglichst alle auf Erden
unter Tannen und Fichten
werden wir mal verzichten
auf echte Nähe und Tanz
doch nicht auf Wärme und Glanz
 
dieser Gruß muß jetzt enden
man kann‘s drehen und wenden
es wurd doch ein Gedicht
und das schadet ja nicht
machen wir munter weiter
bleiben Sie möglichst heiter
und ziehn warme Socken an
es winkt - Annette Wassermann
 
© Annette Wassermann 2020


Annette Wassermann - Foto © Christoph Eberle