Glanzvolles Abschlu├čkonzert der Orchesterakademie des SOW

Internationale junge Solisten brillierten

von Johannes Vesper

v.l.: Diren Duran, Jakob Schatz, Michael Gehrmann, Christine Altmann – Foto: Wolfgang Seidel

Glanzvolles Abschlußkonzert
der Orchesterakademie des SOW
 
Von Johannes Vesper
 
Vor drei Jahren, im Mai 2019, wurde auf Initiative und mit Unterstützung der Konzertgesellschaft Wuppertal die Orchesterakademie Sinfonieorchester Wuppertal gegründet. Die Idee dabei ist, junge Musiker nach dem Examen konkret auf ihren Beruf als Orchestermusiker vorzubereiten. Die Akademiestellen werden wie reguläre Orchesterstellen international ausgeschrieben und nach Probespiel vergeben. Ein Jahr lang haben die Künstler ihre Erfahrungen bei Konzerten und in der Oper sammeln können. Jetzt verabschiedeten sie sich mit einem Kammerkonzert im Kronleuchtersaal des Barmer Opernhauses, erstmals wieder in Präsenz.
 
Der spanische Fagottist Alejandro Rausell Raimundo eröffnete das Konzert mit der Sonate für Fagott und Orchester op. 168 von Camille Saint-Saëns (1835-1921). Nach fast barock anmutendem Allegretto des 1. Satzes konnte der junge Fagottist im flotten Scherzando des 2. Satzes seine ganze Virtuosität und die Komik des Instruments mit schnellen Läufen im Wechsel mit dem Klavier, Oktavsprüngen und anderem mehr voll ausspielen. Die lange Melodielinie des 3. Satzes kontrastierte wunderbar zu den Stakkato- Akkorden der Begleitung, bevor das Stück attacca mit flinkem Finale zu Ende eilt.
Diren Duran aus Irland spielte sodann das herrliche Flötenquartett D-Dur KV 285 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756.1791), professionell begleitet von Orchesterkollegen (Jakob Schatz, Michael Gehlmann, Christine Altmann). Mit Eleganz, strahlendem Glanz und blitzsauber spielten die vier dieses glasklare kammermusikalische Juwel des 18. Jahrhunderts, wobei die Flötistin im langsamen Satz zum Pizzicato der Streicher mit ihrer goldenen Flöte beseelt Emotionen des 22jährigen Wolfgang kühl offenlegte und widerspiegelte. Mozarts Abneigung gegen die Flöte als Instrument war hier jedenfalls nicht zu spüren.
Das Trio für Flöte, Kontrabaß und Klavier von Astor Piazzolla (1921-1992) beginnt mit einem elegischen Kontrabaßthema, welches von der jungen türkische Kontrabassistin Irem Ozyigit angestimmt wurde. Es zeigt nicht die flotte Tango-Seite des südamerikanischen „Tangokönigs“ sondern eher seine lyrische-ernsthafte. Besondere Emotionen verband Irem Ozyigit bei der Interpretation der wirkmächtigen Kadenz für Kontrabaß Solo von Teppo Hauta-aho (1941-2021). Mit erstaunlicher Technik (Doppelgriffe, Flageolett-Glissandi, lebendige Melodien in sonorer Tiefe, zweistimmiges Pizzicato beider Hände) huldigte sie dem kürzlich verstorbenen finnischen Komponisten und faszinierte das Publikum.
Zuletzt beeindruckte Kaspar-Oskar Kramp mit der Sonatine für Posaune von Jaques Casterède (1926-2014), wozu der Flügel aufgestellt werden mußte. Kräftig, motorisch, sicher, virtuos aber auch lyrisch atmend mit feinem Piano bei gestopftem oder auch ungestopftem Instrument, mit erregenden Tonrepetitionen der Posaune zu hämmerndem, auch synkopischen Klavierakkorden wurde damit das Konzert glanzvoll beendet. Großer, lang anhaltender Applaus, natürlich auch für die souveräne wie brillante Klavierbegleitung von Koji Ishizaka, dem Korrepetitor und Dirigenten der Wuppertaler Oper.
 

v.l.: Alejandro Rausell Raimundo, Kaspar-Oskar Kramp Irem Ozyigit, Diren Duran – Foto: Wolfgang Seidel

Zwischendurch stellte Andreas Heimann (Solo-Oboist des SOW) als Moderator die Akademisten Im Gespräch vor. Des gemeinsamen professionellen Musizierens in großer Besetzung wie z.B. bei der Alpensinfonie von Richard Strauß oder einer Schostakowitsch-Sinfonie im großen Saal der Historischen Stadthalle Wuppertals wurde von allen als ein gewaltiges Erlebnis empfunden. Die Übernahme von Solostellen, das Musizieren im Orchestergraben zusammen mit den auf der Bühne Singenden, Coaching auch für Bühnenauftritte, Gespräche mit und Beobachtung der erfahrenen Orchesterkollegen und nicht zuletzt so ein Kammerkonzert vor sachkundigem, interessiertem Publikum: all das werde in diesem praktischen Akademiejahr geboten. Daß vorzügliche wie engagierte junge Orchestermusiker in dieser Weise gefördert werden können, ist nur möglich dank engagierter Sponsoren, denen mit Worten und Sonderapplaus gedankt wurde. Nach dem Konzert ergaben sich intensive Gespräche zwischen Publikum und den Musikern bei einem kleinen extra gesponserten Büffet.