Wackelprojekt ohne Gewinn

„Operation White Christmas“ von Flo Lackner

von Renate Wagner

Operation White Christmas
Österreich 2023

Drehbuch und Regie: Flo Lackner

Mit: Roland Düringer, Rauand Taleb, Yvonne Yung Hee Bormann. Tom Wilde u.a.
 
Also, auch wenn eine ölige Stimme aus dem Off kommt, die am Ende sogar beschwichtigend über das Fest der Liebe schwurbelt – ein echter Weihnachtsfilm ist das nicht, soll er auch nicht sein. Es ist österreichischer Kabarett-Schmäh, allerdings leider nicht erster Güte, und den meint man wohl, im Sommer einem müden Publikum zwischen zwei Riesenportionen Eis ungestraft vorsetzen zu können… Um die Mengen öffentlichen Geldes, die hier investiert wurden, mögen sich die spendenden Institutionen den Kopf zerbrechen.
Die Helden: ein junger Türke und eine junge Koreanerin, die sich im Tonfall nicht von den Einheimischen unterscheiden, also wohl als die „neuen Österreicher“ gelten. Das Pärchen trägt die Handlung mit durchaus eigenem Schmäh, aber für die vertrauten Prolo-Töne sorgt ein „autochtoner“ Österreicher, wie er „einheimisch echter“ nicht sein könnte: Roland Düringer als mieser Gangster aus dem Darknet ist es, der dem Pärchen einheizt und die abstruse Handlung ins Rollen bringt.
 
Denn Enis Altmann (von einem österreichischen Paar adoptiert, daher der Nachname) besitzt „die letzte Videothek in Kärnten“ (darauf muß man einmal kommen), was ihn zwar zum leidenschaftlichen und gebildeten Filmfan, aber nicht reich macht, im Gegenteil. Seine Schulden sind mittlerweile so hoch, daß Freundin „Domino“, eine begabte Hackerin, beschließen mußte, ihm mit nicht ganz legalen Mitteln zu helfen. Freilich, was dieser Bob für die Übernahme von Enis’ Schulden verlangt, ist so abstrus wie der ganze Film, den der Kärtner Flo Lackner für sein Kinodebüt geschrieben und nach allen Regeln der Blödelei inszeniert hat. Ebis soll den für den Weihnachtstag geplanten Besuch der Präsidentin von Kasachstan (!) verhindern. Nicht fragen, warum, abstruse Ideen zu haben, ist eins, sie zu begründen und dann irgendwie auch mit einiger Logik auszuführen, ist ein anderes.
Der Kinobesucher stürzt nun mit Enis (der einen unfreundlichen älteren Bruder beim Militär hat, der ihn ununterbrochen beschimpft) in die total undurchsichtige Handlung. Voraussetzung: Die Präsidentin kommt nicht, wenn es schneit (wieso eigentlich?). Das Militär hat Einsatzflugzeuge, um Schnee chemisch verschwinden zu lassen. Hier die Männer in Uniform, dort die Skinheads, die für weiße Weihnachten schwärmen und von Enis um Hilfe gebeten werden – ja, und am Ende rieselt leise der Schnee, Weihnachtslieder erklingen und man fragt sich, was zum Teufel man da gesehen hat.
Das Hohelied auf das „wahre Kino“, wie es noch in Videotheken gelebt hat (bevor jeder aufs Smartphone den nächsten Streaming-Hit anglotzte), mag zwar angestrebt gewesen sein, so richtig dringt das aber nicht durch.
 
Die Besetzung versucht, einiges gut zu machen – Rauand Taleb und Yvonne Yung Hee Bormann sind ein originelles Pärchen, Tim Wilde als Fred die Parodie eines Skinheads, Dany Sigel und Franz Buchrieser die Adoptiveltern unseres Türken, Tim Seyfi ist als sein unangenehmer Bruder dabei. Ein paar bekannte Gesichter (Petra Morzé als Landeshauptfrau, Andreas Vitasek, grenzdebil, oder Simon Hatzel) tauchen am Rande auf.
Aber man muß schon ein Hardcore-Roland Düringer-Fan sein, um sich dieses Wackelprojekt eines Films um seines urkomisch gewalttätigen Gangsters wegen mit einigem Gewinn anzusehen…
 
 
Renate Wagner