Ein „So la la-Film“

„Wish“ von Chris Buck und Fawn Veerasunthorn

von Renate Wagner

Wish
USA 2023

Regie: Chris Buck und Fawn Veerasunthorn
Disney Animationsfilm
 
Heuer feiert man bei Disney den „Hunderter“ – und da will man natürlich beweisen, wie jung und up to date man ist. Daß jedoch die goldenen Disney-Zeiten vorbei sind, ist längst bekannt, Der Konzern weiß nicht wirklich, was er will – und wie er mit seinen Schätzen der Vergangenheit umgehen soll. Zwei Versuche, einstige gezeichnete Traumgeschöpfe wie „Mulan“ und „Arielle“ in die Realität zu versetzen, blieben weit hinter der Wirkung der einstigen Animation. Und wenn man sich wieder einmal sagt, daß Disney eben dafür steht, was man einst schlicht „Zeichentrickfilm“ (und dessen unverfälschter Zauber) nannte, dann stellt die Gegenwart mit ihrer politischen Korrektheit und ihrer neuen Verkrampftheit in so gut wie jedem Lebensbereich ein Bein.
 
Das jüngste Ergebnis heißt „Wish“ und läßt alle Wünsche offen. Machen wir auch alles richtig, haben sich die Filmemacher (Regie: Chris Buck und Fawn Veerasunthorn) spürbar gefragt und auf das Lob der woken Ideologie spekuliert. Sind wir „divers“ genug (mit PoCs, Latinos, Asiaten und auch einem Dicken, der natürlich nicht ausgegrenzt werden darf), ist die Heldin (mit langem Schwarzhaar, großen Augen und einem oft häßlich verzerrten Mund) auch nicht unzweifelhaft „weiß“? Wenn man dann auf die alten Elemente der vielen Musical-Nummern zurückgreift und komische Tiere ins Spiel bringt, merkt man, daß auch das nicht mehr so locker gelingt wie einst (ach Klopfer, ach Hakuna Matata!). Wenn man so viele Probleme zu wälzen hat, läßt sich kein unbeschwerter Film mit Richtung Weihnachten machen. Vielleicht sind die Zeiten für neue Animationsfilme schlicht und einfach vorüber…?
Die jungen Disney-Heldinnen von einst haben übrigens keinen Feminismus gebraucht, die waren immer schon stärke Mädel (man denke auch an Pocahontas). Nun kommt die Politik dazu – man muß sich, so lernt man (und belehrend war man bei Disney immer), gegen Ungerechtigkeiten wehren. Das Königreich Rosas, wo angeblich alle Wünsche erfüllt werden, steht tatsächlich unter der Herrschaft eines recht autoritären Königs, der sich eher als Wünsche-Verhinderer betätigt. Ja, das erinnert an heutige Politiker, die alles versprechen und deren größtes Bemühen darin besteht, nichts zu halten.
 
Der Wunsch, den die junge Asha (bei Disney fiel die Charakterisierung, sie sei eine „Aktivistin“, und das ist doch lobenswert, nicht wahr?) aus Protest gegen den totalitären König zum Himmel schickt, manifestiert sich in Gestalt eines kleinen Feuerballs nicht eben überwältigend. Immerhin ist dieser „Star“ als komisches Element gemeint, und er schickt Asha, die die Ziege Valentino mit sich führt (und von einer bunten Schar gleichaltriger Freunde umgeben ist), auf Reisen. Gesang und Tanz herrschen vor, aber die Musik stammt nicht mehr von Elton John oder Alan Menken, sondern von einem Kollektiv, das nur das Übliche, nicht das Besondere bietet. Und inhaltlich schleppt man sich geradezu ideenlos von Wunsch zu Wunsch – bis man den bösen König entthront.
Am Ende ist auch dessen Gattin, Königin Amaya. zufrieden, daß man ihn besiegt hat (sollten Ehefrauen nicht loyal sein?), und man geht als Zuschauer mit einem flauen Gefühl (ein „So la la-Film“) heim. Eine amerikanische Kritik stellte fest: „Disney is this cynical, soulless corporation that’s more focused on social issues than on making good movies.“ Ja, so könnte man es auch ausdrücken.
 
 
Renate Wagner