Hexen-Einmaleins...

...oder wie unser Geld und unsere W├╝rde verschwinden

von Frank Becker


Das Hexen-Einmaleins

Kommt Ihnen das nicht irgendwie bekannt vor, liebe Leser? Dieser Notgeld-Schein aus dem Jahr 1923 zeigt mit Galgenhumor, nach welchem Rezept damals auf Kosten des Volkes gewirtschaftet wurde. Das Faustsche Hexen-Einmaleins scheint auch in diesen Tagen wieder das Konzept zu sein, nach dem maßlose Bankdirektoren und ihre Manager, "Think-Tanks" von Konzernen und allerlei Spekulanten in unglaublicher Hybris Hunderte von Milliarden versenken, die nicht ihnen gehören, für die sie nun aber staatliche Kompensation fordern. Prompt wird diesen skrupellosen Existenzen ein zweites Mal das Geld der Sparer und Steuerzahler in den Rachen geworfen.
Und keiner von den Großbetrügern in Nadelstreifen sitzt in Untersuchungshaft oder steht auf dem Markplatz am Pranger, damit wir ihn mit vergammeltem Obst bewerfen können. Haftet einer von diesen Verbrechern mit seinem Privatvermögen? Wird auch nur einer unter Schimpf und Schande mit Hunden aus seiner Vorstandsetage gejagt? Längst scheinen unser Land, unser Staat und die Meinung sehr vieler, die uns und unsere Interessen vertreten sollen, denen, die sie mit Geldbündeln oder Aufsichtsratposten gestopft haben zu gehören. Politiker wechseln ohne die geringste Scham unmittelbar von ihren verantwortlichen öffentlichen Posten auf die Sessel von Interessenverbänden, Umweltpolitiker und gar ehemalige Regierungschefs verkaufen sich noch während ihrer Amtszeit an mächtige Konzerne, deren Sprache sie nicht einmal sprechen - man denkt dabei unwillkürlich an die Riesen der Energie-Wirtschaft.
Gewissen? Pah! Wo kämen wir denn da hin? Man hat einst einen in die undurchsichtigsten Geschäfte seiner Zeit verwickelten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern als korrupt geziehen. Ein Waisenknabe war er angesichts der jetzt mutwillig verspekulierten sechsstelligen Milliarden-Summen mit seinen Investitionen in Ananas-Farmen und dem Kauf eines Kampfjets mit Absturzgarantie. Ich erinnere mich noch gut an eine Zeit, in der man hierzulande die Nase über bestimmte Staaten Mittel-Amerikas rümpfte: "Bananenrepublik" hieß das. Haben wir doch längst eingeholt, überholt. Es ist zum Kotzen.

Ach ja: Frohen 4. Advent allerseits!