Markus Karstieß - Jaana Caspary - Guido Jendritzko
Von der Heydt-Museum Wuppertal - Drei Ausstellungen auf einer Etage
Von der Heydt-Museum Wuppertal
Markus Karstieß Freundschaftsanfrage No.3 -
Jaana Caspary Dieter Krieg-Preis -
Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag.
Drei Ausstellungen auf einer Etage
11. Oktober 2025 bis 08. Februar 2026
Warum drei Ausstellungen auf einmal? Eine erste Freundschaftsanfrage stellte das von der Heydt Museum erstmalig 2022 an den Fotografen Hans-Christian Schink, die zweite an die Malerin Franziska Holstein 2023 und jetzt an den Bildhauer Markus Karstieß. Mit den „Freundschaftsanfragen“ soll eine neue Sicht auf die Sammlung des Museum angestoßen werden. Da ist es plausibel als 3. Ausstellung in dieser Reihe nach Fotograf und Malerin einen Bildhauer anzusprechen. Daß zum 100. Geburtstag Guido Jendritzko in Wuppertal, der Stadt in der er lange gewirkt hat, ausgestellt wird, leuchtet ebenfalls ein. Und als das Von der Heydt-Museum den Dieter Krieg-Preis erhielt und mit dem Preisgeld ein Werk von Jaana Caspary erwerben konnte, wollte man diese Künstlerin und die Neuerwerbung (Double Box 2023, Bronze 32x25x25 cm) natürlich ebenfalls ausstellen. Die Dieter Krieg- Stiftung (München) pflegt das Werk des deutschen Malers Dieter Krieg (1937-2005). In der Sammlung des Museums befindet sich ein Gemälde seiner Serie „Malsch Wanne“. Der Preis „Allen Malern sei Dank“ wurde bisher an das Kolumba Museum Köln, das Kunstmuseum Bonn, das Kunstmuseum Stuttgart und das Lenbachhaus verliehen.
Markus Karstieß, 1971 in Haan geboren, hat bei Jannis Kounellis an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Seit 2017 unterrichtet er am Institut für künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz. Seine zahlreichen Ausstellungen und kuratorischen Projekte sind in der Ausstellungsbroschüre über ihn aufgelistet (Herausgegeben von Roland Mönig, mit einem Text von „Die sich erinnernde Zukunft“ von Anika Bruns). Er selbst nutzt für seine Kunst vor allem Keramik, eine archaische Technik, die er als
Die Zeit um 1900 scheint es ihm besonders angetan zu haben, setzt er seine Skulpturen im weiteren Verlauf des Rundgangs doch mit Gemälden von Edvard Munch und Paula Modersohn-Becker in Beziehung. In Raum 2 („Nachtlager“) hat er vieles, was ihn im Laufe des Lebens interessiert, hat quasi abgestellt. Hinter metallischen, an Gerüstmaterial erinnernden Stangen sind an einer Bildwand Gemälde von Ferdinand Hodler (1853-1918) oder Else Lasker-Schüler (1869-1945) zu sehen. Gegenüber befindet sich das Werk „ohne Titel“ seines Lehrers Jannus Kounellis, deren Gipsabdrücke berußt sind. Mit seinen Dirty Corners (im 3. Raum) (ca. 2m hohe Raumecken aus Keramik, Lüsterglasur und geschmiedeten Stahlsockeln) wird der Raum strukturiert. Der Zusammenhang mit den beiden Gemälden von Munch an dessen Wänden erschließt sich nicht unmittelbar. Die vergoldeten Keramikabformungen (Stellar Stoner) neolithischer Steinformen erscheinen wie Sterne in einem Raum mit Werken von Modersohn-Becker. Im letzten Raum endlich geht es um weißglasierte Surfbretter auf dem Parkettboden, auf denen gelbe Zitronen, ein Eimer oder auch eine unbekleidete weiße Schöne liegen(Wayfarers). Eine große gelbe Zitrone wird von einem Mann, von dem nur der Oberkörper über das Parkett herausragt, vielleicht durch Wasser geschoben. Mit diesen Keramiken und ihren farbigen Applikationen, hier Zitronen in Neapelgelb, sucht der Künstler die Auseinandersetzung mit den Florentinern Luca und Andrea della Robbia aus dem 15. Jahrhundert.
Drei Räume sind Guido Jendritzko (1925-2009) gewidmet, der in den 50er Jahren mit expressiven Skulpturen des Informel international bekannt geworden ist. 1959 war er mit drei Skulpturen auf der Documenta II vertreten, die dort neben Henry Moore,
Die Dritte im Bunde ist die Wuppertalerin Jaana Caspary, geb. 1988, deren Werk u.a. 2023 im Skulpturenpark Waldfrieden Tony
Das Buch über Yaana Caspary bei Kerber Art mit zahlreichen Abbildungen, Essays von Thomas Hirsch, Marlene Baum, Christina Irrgang, Robert Fleck, Ihrer Biografie, ihren Ausstellungen bietet Interessierten viele Informationen (Jaana Caspary – Umformung. Herausgegeben von Jürgen Grölle, mit zahlreichen Abbildungen, Juli 2025, 23 x 27,5 cm, 272 Seiten Hardcover, ISBN 978-3-7356-0977-9, 45,- €).
Nach dem Besuch der anregenden Ausstellung fällt der überraschte Blick im Treppenhaus auf das große Tryptichon von Hann Trier (1915-1999): „Archimedes stört eine Kreise selbst“, welches seit kurzem wieder zu sehen ist. Das wichtige Bild entstand anläßlich einer Retrospektive zu seinem 75. Geburtstag 1990 im Von der Heydt- Museum. Das Museum lebt.
Weitere Informationen: www.von-der-heydt-museum.de
Johannes Vesper
|





