Sprachk├╝rze gibt Denkweite

Die Faszination der Aphorismen

von Johannes Vesper

Jean Paul
Sprachkürze gibt Denkweite (Jean Paul):
Die Faszination der Aphorismen.
Literarischer Streifzug und musikalische Sequenzen
in der Böhler Hofgesellschaft am 22.08.09
 

Hippokrates gab bekannterweise  seine medizinischen Ratschläge und Einsichten in kurzen Sentenzen weiter.
Viele seiner berühmtesten Aphorismen sind auch heute aktuell:
Das Leben ist kurz, die Kunst/ weit, der günstige Augenblick/flüchtig, der Versuch trügerisch,/die Entscheidung schwierig.
Der Arzt muß nicht nur bereit sein, selber seine Pflicht zu tun, er muß sich auch die Mitwirkung des Kranken, der Gehilfen und der Umstände sichern.
   Wie wahr. Hippokrates damals gilt als der Begründer des Aphorismus und Dr. Jürgen Wilbert heute tut alles, um den Aphorismus als literarische Gattung zu verbreiten. Was ist ein Aphorismus? Der Aphorismus ist das letzte Glied einer langen Gedankenkette, meinte Marie von Ebner-Eschenbach, eine der wenigen Frauen unter den Aphoristikern. Laut Brockhaus von 1988 ist der Aphorismus „Ausdruck einer auf Überraschung zielenden subjektiven Meinung, meldet satirischen, provokativen, zugespitzten Widerspruch gegen allgemein verbreitete generalisierende Anschauungen, Urteile oder Lehrmeinungen an, gegen die der Aphorismus oft Paradoxa und Mehrdeutigkeiten setzt“. Beim Aphorismus handelt es sich um eine knappe, meist witzige, kurze Prosa (im Gegensatz zum gereimten Epigramm) mit überraschender Pointe. Dabei bewegt sich der Aphorismus zwischen Kalauer, Wortspiel, Satire und  Weisheit. J. Wilbert ist Aphorismusbotschafter und Mitglied des Vorstandes des Deutschen Aphorismus-Archivs in Hattingen. Bei der Böhler Hofgesellschaft lauschten jetzt ca. 80 Interessierte seinen Ausführungen und  Aphorismen. 

Die Medizin solle nicht nur dem Leben Jahre geben sondern auch den Jahren Leben, meinte Lichtenberg vor 200 Jahren und trifft einen Punkt der heutigen Medizin-Ethik auf den Kopf. Und J.B. Shaw ist natürlich immer amüsant, auch mit dem folgenden Aphorismus: Glück, so meint er, ist der Stuhl, der da steht, wenn man sich gerade zwischen zwei setzen will. In der Summe scheinen die Aphorismen zu Gesundheit und Ärzten  unterhaltsamer als zu Liebe und Glück. Ärzte haben seit Hippokrates stets eine besondere Neigung zum Aphorismus sowohl als Zielscheiben desselben wie auch als Autoren. Aktuell ist hier Gerhard Uhlenbruck zu nennen, der mit seinen aphoristischen Notizen oder Wortmeldungen  „Menschliches von Mensch zu Mensch“ mitteilt. Seine „Aphorismen sind zwar kurz und bündig aber nicht immer klipp und klar“, jedoch stets treffend und heiter. Nach zahlreichen Aphorismen zur Medizin an diesem Abend, können Ärzte jedenfalls froh sein, daß sie wenigstens als Halbgötter in Weiß akzeptiert werden und nicht als Halbmenschen im Geist. Kein Zufall, daß musikalische Sequenzen zum Vortrag auf dem Schlagzeug  vorgetragen wurden. Wenn ein Instrument dem Aphorismus entspricht, ist es das Schlagzeug. René Marx am Drumset  interpretierte den gesunden Menschenverstand, des Menschen Glück und Liebe in musikalischen Sequenzen aphoristisch. Das Drumset war nicht nur zu hören, auch im Bauch zu spüren. Viel Applaus und viele Gespräche anschließend in der Tradition der Böhler Hofgesellschaft bei kulinarischen Genüssen.
 
Böhler Hof Kulturgesellschaft e.V.
Böhler Hof 1, 42119 Wuppertal
Tel. 0202428483
 
Deutsches Aphorismus-Archiv DAphA e.V. • Hattingen
Weitergehende Informationen im Internet unter:
www.renemarx.com 

Redaktion: Frank Becker