Ende gut?

Stefan Kammerer kann mit seinem neuen Kabarett-Programm nicht ├╝berzeugen

von Frank Becker

© Stefan Kammerer
Ende gut, alles gut? - Nö!
 
Stefan Kammerer kann mit seinem neuen
Kabarett-Programm nicht überzeugen
 
Das Rotationstheater in Remscheid-Lennep ist seit 20 Jahren Heimat und Sprungbrett für aufstrebende Kleinkünstler, deren späterer Erfolg, wie z.B. bei Johann König, dem „Unglaublichen Heinz“ und leider auch dem unappetitlichen Marion Barth mitunter zeigt, daß Prinzipalin Reintraud Schmidt-Wien durchaus ein „Näschen“ für Talente hat. Daß das auch mal gehörig schief gehen kann, zeigte der kümmerliche Auftritt von Stefan Kammerer, der am vergangenen Samstag mit den endlos erscheinenden zwei Stunden seines blutleeren Programms „Ende gut, alles gut“ am vergangenen Samstagabend absolut „keinen Hering vom Teller zog“, wie man salopp sagt.
 
„Ende gut, alles gut“ nennt sich der Abend um die Kunstfigur des Bestatters Bettinger und seine Erkenntnisse zum Übergang ins Jenseits. Wo die erste kleine Pointe mit der Begrüßung „Bestatten, Gettinger!, ääh... Gestatten, Bettinger“ noch Hoffnung auf die hohe Kunst des Makabren und Morbiden macht, tritt in der Folge gähnende Langeweile ein. Nicht, dass Herr Kammerer gar keine Ideen hätte – er kann sie nur nicht umsetzen. Auch ein guter Witz bleibt schlecht erzählt  - ein schlechter. Alles wirkt arg bemüht, steif und wenig originell – es ist, sagen wir es offen: nicht komisch. Und Kabarett ist es ganz gewiß nicht.
Ich frage Sie: er kann schon über einen Mann lachen, der mit Angstschweiß unter den Achseln stocksteif in stillos zusammengewürfelter schwarzer Kleidung, mit schlecht gebundener roter Krawatte und Zylinder auf der Bühne steht, ohne jede Verve hastig seine auswendig gelernten Witzchen und Plattitüden abspult und dabei besagten Zylinder mit ungelenker Geste ständig auf- und absetzt (allein in den ersten 30 Minuten zwölfmal)? Stefan Kammerer sollte bei seinem Leisten bleiben: dem Klavierspiel. Da ist er gut. Erinnern wir uns an seine Begleitung der begabten Sängerin und Musikkabarettistin Tanja Hamleh mit ihrem köstlichen Programm „Die lästige Witwe“: da füllte er den Posten aus. Als Kabarettist nicht. In einem seiner Songs weckt die Zeile: „Wenn ich mal tot bin, ist mir alles scheißegal“ den Wunsch zu der Erwiderung „...mir schon jetzt.“. Ein weiteres Zitat aus seinem Programm mag pars pro toto stehen: „Ich habe einen Beruf ohne langfristige Kundenbindung“ – wohl war.
 
Dem Faß die Krone ins Gesicht schlug bei der Vorstellung am 23.1.10 allerdings der peinliche Gastauftritt des völlig unbegabten Florian D. Schulz von je 15 Minuten pro Halbzeit – ein Doppel-Gipfel der schmierigen  Geschmacklosigkeit. Wo Kammerer noch die Chance schweigender Duldung hatte, verscherzte er sich die mit diesem Gast. Mit dummen Witzchen über Düsseldorf, Werbung und 1-Euro-Döner amüsierte Schulz nicht nur nicht, er langweilte pointenlos geradezu quälend, zitierte den 1. Korinther-Brief falsch (es war Vers 25 und nicht 23) und beleidigte ganz übel die Polizei, deren engagierte Beamte tagtäglich ihren Kopf für Leute hinhalten, die sie zum Dank auch noch beschimpfen. Auftritte dieser Art sind so überflüssig wie ein Kropf, und Dreistigkeit wird niemals Humor ersetzen. Da kommt auch Welpenschutz nicht in Frage.

Weitere Informationen unter:  www.hoermalher.de  und  www.floriandschulz.de