Die Zukunft leuchtet

Das Bundesjugendorchester geht mit einem hinreißenden Programm auf Tournee

von Frank Becker

Foto © Frank Becker
Generalprobe der jungen Elite
 
Das Bundesjugendorchester
ging von Remscheid aus auf Tournee
 

Remscheid. Schon seit vielen Jahren nutzt das vom Deutschen Musikrat organisierte Bundesjugendorchester die traumhafte Lage der Akademie Remscheid und ihre Einrichtungen für die abschließenden Arbeitsphasen, bevor die junge Elite deutscher Musiker und Musikerinnen mit dem einstudierten Programm auf Tournee geht. Ebenso traditionell wie die Probenzeit ist mittlerweile die von Remscheider Konzertpublikum mit regem Zuspruch angenommene öffentliche Generalprobe geworden, mit der auch die 118. Arbeitsphase am vergangenen Dienstagnachmittag ihren Abschluß fand.
 
Der beeindruckende Klangkörper vom Format eines A-Orchesters bot unter der dynamischen wie humorvollen Leitung des international renommierten Schweizer Stardirigenten Mario Venzago Kompositionen von Leoš Janáček, W.A. Mozart, Bach/Schönberg und Béla Bartók.
Den dramatischen Auftakt machte Janáčeks monumentale „Sinfonietta“ in fünf Sätzen, zu der u.a. ein erweiterter Streicher-Apparat, allein acht Kontrabässe und eine große Bläsersektion mit zehn „ausgelagerten“ Trompeten aufgeboten werden. Die nämlich eröffneten und schlossen in den Ecksätzen Alegretto und Allegro mit hellen Fanfaren von rechts außen das prachtvolle patriotische Werk, das trotz seiner Gewaltigkeit von schöner Poesie ist. Aufmärsche der Tutti, als stünden die Janitscharen vor den Toren, wechseln mit Lyrik, mächtiges, herrliches Getöse ging in Kantilenen von erhabener Schönheit über - ein Genuß.
 
Für das Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV  219 von Wolfgang Amadeus Mozart war ein hochrangiger Virtuose aufgeboten, Gottfried von der Goltz, Leiter des Freiburger Barockorchesters. Delikat, mit mittlerem Streichorchester und ganz kleiner Bläsersektion gelang das Konzert genußvoll. Die marginalen Unreinheiten im 3. Satz lagen wohl daran, daß diesmal neben dem Pult der eigentlich unverzichtbare Probenbär fehlte. Die „Beschreibung einer verlorenen Welt“ nennt Mario Venzago Arnold Schönbergs gefühlvolle Bearbeitung von J.S. Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 für großes Orchester von Arnold Schönberg, der die Auftrags-Arbeit im amerikanischen Exil gesetzt hat. Erhaben, von großer Sanftheit und voll Wehmut setzte das BJO das Werk mit großem Streicherapparat, zwei Harfen und brillanter Arbeit der Holzbläser um. Besonders die Baßklarinette glänzte dabei in ihrer Passage. So groß die Sehnsucht Schönbergs nach der verlorenen Heim war, so machtvoll der Ausklang des Werks.


Das BJO, am Pult Mario Venzago - Foto © Frank Becker
 
Béla Bartóks expressionistische Konzertsuite „Der wunderbare Mandarin“ op. 19 schloß das anspruchsvolle Programm. Die mit ihren Clustern hohe Spannung aufbauende, bedrohliche Komposition ist trotz ihrer brachialen Ausbrüche eine Absage an die Gewalt. Das Klappern der Streicher gehört hier zum Handwerk. Schön die ausgleichende Solo-Klarinette in diesem aufwühlenden, aggressiven Werk.
Als kleine Zugabe hatte das BJO „Short Ride in a Fast Machine“ von John Adams (1986) einstudiert. Eine Überraschung auch für den Maestro.

Die nächsten Konzerte finden statt in: 

Mario Venzago und Gottfried von der Goltz - Foto © Frank Becker
Wolfsburg | 26. Mai 2010
Wolfsburg | 27. Mai 2010
Berlin | 02. Juli 2010 (in Vorbereitung)
Passau | 09. Juli 2010
Toblach (I) | 10. Juli 2010
Chorin (Eberswalde) | 11. Juli 2010 - wurde leider abgesagt
Neubrandenburg | 14. Juli 2010
Berlin | 20. August 2010
 
Alle Termine und Programme finden Sie unter »Konzerte«
 
Weitere Informationen: www.bundesjugendorchester.de