Am Fu├če des Kilimanjaro: Trekking mit den Massai

Ein Reisebericht aus Tanzania

von Theo Reisner
Foto © Theo Reisner
Am Fuße des Kilimanjaro:
Trekking mit den Massai  


Auf den Spuren Livingstones

Der schottische Missionar David Livingstone verfaßte um 1850 erste Berichte über „furcht- einflößende“ Maasai, wie die korrekte Schreibweise lautet. Die aus Nordafrika eingewanderten Halb-Nomaden standen damals  als Sklaven hoch im Kurs und begegneten Fremden demnach mit Argwohn. Bis heute traditionell getragene grell-rote Bekleidung, mächtige Lanzen und vergiftete Pfeile täuschen über die Friedfertigkeit der zur Zeit 600.000 in Tanzania lebenden Massai hinweg - ungemütlich werden sie lediglich bei Überfällen von Viehdieben aus Grenzgebieten. Das große Interesse des Auslands an ihnen steigert das Selbstbewußtsein und läßt Geld dorthin fließen, wo es dringend benötigt  wird - bei Ausbildung und Gesundheitswesen. Denn ein Drittel der Bevölkerung ist arbeitslos und ein Drittel von Aids betroffen.

Tourismus am Anfang

Günter Guzinski, einer der Tourismus-Pioniere, kam vor gut 30 Jahren als Vermessungsingenieur des Deutschen Entwicklungsdienstes ins ehemalige Deutsch-Ostafrika. 1964 ging die Republik an den Start, die sich bald als korrupte Abart des Kommunismus entpuppte. Auf einer Fläche, zweieinhalb mal so groß wie Deutschland, ist eine ernsthafte Überwachung von Nationalparks wie der Serengeti oder sogenannter Conservation-Areas wie Ngorongoro (NCA) ohnehin unmöglich. Die Staatskassen sind leer und das Wildern durch Parkwächter (die sich ursprünglich um das genaue Gegenteil

Foto © Theo Reisner
kümmern sollten) mit ihren rund € 50 Monatsgehalt wird stillschweigend toleriert. Guzinski bekam von Anfang an viel Besuch aus Europa, was ihn auf die Idee brachte, eine Reise-Agentur zu gründen. Seit ein paar Jahren werden von ihm entwickelte, durch Massai begleitete Safari- Trekkingtouren im Grenzbereich Ngorongoro-Park und Serengeti angeboten. 
     
Zwischen Löwen und Büffeln

Mit den Füßen auf dem Boden Löwen, Geparden, Hyänen, Schakalen, Büffeln und Geiern zu begegnen, ist nach sorgfältiger Gelände-Beobachtung durch bewaffnete  Begleiter mit „touristischen“ Rundfahrten per Landrover nicht zu vergleichen. Übernachtet wird bei mehrtägigen Touren im Zeltlager oder in so genannten Tented Lodges. Der Mitbegründer des allerersten Camps in Kururuma, Peter Lindström (aus Kenia zugewanderter  Braumeister dänischer Abstammung) hat dieses Modell entwickelt: „Ein geräumiges Zelt für zwei Personen wird mit Dusche und WC ausgestattet, auf einen festen Steinsockel gestellt und von einem offenen Reet-Dach gegen Wind und Regen geschützt. Das Zelt ist möbliert und hat elektrischen Strom. Diese Form kommt bei unseren Gästen am besten an, weil sie direkten Kontakt zur natürlichen Savannen-Umgebung  vermittelt, zumal wir von den Tented Lodges aus zu sogenannten Etno-Botanical-Walks aufbrechen, um Einblicke in die höchst interessante Flora zu ermöglichen“.

Die Wiege der Menschheit

Nach dem Start  am Lake Manyara in Richtung Arash geht es weiter zum Serengeti Border-Camp, mit Zwischenstation in Olduvai, wo die ältesten prähistorischen Funden der Welt (6 Millionen Jahre alt) gemacht wurden. "Die Distanz von rund 1000 Metern um stehendes Wasser herum bedeutet zusammen mit Windstille Malaria-Gefahr, und deshalb trägt die üppig gedeihende Akazie hier den

Olduvai - Wiege der Menschheit - Foto © Theo Reisner
Namen »Fieberbaum«", berichtet Peter Lindström. Alles in allem ist das Vorwärtskommen in der Savanne von bedächtiger Langsamkeit geprägt. Die Massai erklären Alter und Ursprung von Fußabtritten, die der Elefanten sind bis zu 50 Zentimeter tief und ebenso breit - also genau hinsehen, wohin man tritt, lautet die Parole. Etwa auf harmlos wirkendes Geäst der Flüster-Akazie mit 10 Zentimeter langen Dornen, die auch Ledersohlen mühelos durchbohren. Ihre ausgetrockneten Früchte dienen Ameisen als Wohnstätte, und wer die hübschen Dinger als Souvenirs in die Tasche steckt, muss auf der Heimreise mit unangenehmen Begleiterscheinungen rechnen. Alle 1- 2 Stunden findet sich ein Überbleibsel von Vulkanausbrüchen auf der Strecke. Die riesigen Felsblöcke eignen sich bestens als Aussichtswarte und zur weiteren Planung der Trekking-Route. „Elderman“ Saidi  weist von sicherer Anhöhe aus auf zwei Tiere hin, deren Angriffslust gerne unterschätzt wird: Auf die Streifenhyäne und auf den afrikanischen Büffel. Laut Saidi hat es Konflikte mit Menschen bisher nur bei grober Missachtung der Regel „Tiere haben grundsätzlich Vorrang und Anspruch auf Respekt“ gegeben. Nach den vier- bis fünfstündigen Wanderungen (pro Tag) glänzen die Augen am Lagerfeuer. Alle sind sich einig - echter geht’s nicht und ohne Motoren-Lärm bringt das Hineinhören in die Wildnis entschieden mehr. 

Gute Chancen

Die Chancen für die Regierung von Tanzania, aus der Geschichte amerikanischer Indianer zu lernen, stehen nicht schlecht, und der Tourismus spielt dabei eine wichtige Rolle. Vermessungen agrarischer Flächen zur Nutzung durch Massai-Gemeinschaften haben begonnen und staatliche Behörden sind

Tanzania - Serengeti - Foto © Theo Reisner
damit einverstanden, daß Trekking-Veranstalter einen Teil der Camping-Gebühren direkt an die Kommunen bezahlen - und die Verwendung dieser Gelder auch überprüfen, denn Korruption zählt nach wie vor zu den Grundübeln im Land. So konnten immerhin schon mehrere Kindergärten und eine hygienisch einwandfreie Wasserversorgung eingerichtet werden.


Informationen:
ASA (Arbeitsgemeinschaft Südliches und Östliches Afrika e.V.), Deisenhofener Straße 79E, 81539 München, www.asa-africa.com . Inkl. Buchungsempfehlungen  für Trekking-Touren mit den Maasai genauso wie z.B. für Besteigungen des Kilimanjaro.
Preise/Richtlinie pro Tag mit Quartier meist € 100-200 pro Person. Unterkunft und Verpflegung in Häusern internationaler Hotelgruppen auf mitteleuropäischem Preis-Niveau.
Kilimanjaro-International Airport in Arusha - am nächsten zu Serengeti, Ngorongoro, Lake Manyara und Tarangire, gut erreichbar mit Äthiopian Airways ( www.ethiopianairways.com , 069-2740070), ab Frankfurt drei Mal die Woche ab € 605,- Rail & Fly, plus Gebühren.
Beste Reisezeit Juni bis Oktober. Keine Impfungen vorgeschrieben, Gelbfieber empfohlen. Malaria-Prophylaxe etc. nach Absprache mit dem Hausarzt. Visum-Pflicht. Ergiebiger Reiseführer: „Tanzania/Sansibar, Reise Know-How“ von Jörg Gabriel. ISBN 3-89662-048-7.

© Theo Reisner - für die Musenblätter 2007  -  Redaktion: Frank Becker