Faszination der Grenz├╝berschreitung

Al di Meola - Eszter Horgas - "He & Carmen"

von Frank Becker
Ein schönes Paar

Al di Meola wäre schlecht beraten gewesen, dieses Geschenk des Himmels nicht anzunehmen - denn ein Himmelsgeschenk ist die in ihrer Heimat ungemein populäre ungarische Flötistin Eszter Horgas nicht nur wegen ihrer engelhaften
Erscheinung und ihrer faszinierend erotischen Ausstrahlung. Sicher kann man sie zu den brillantesten Könnerinnen an ihrem Instrument weit über Ungarn hinaus zählen. Vor dem Zusammentreffen mit dem weltweit zur Crème an der akustischen Gitarre zählenden Al di Meola hatte die akademische Musikerin in Ungarn bereits an die zwanzig Alben mit Klassik und populärer Musik eingespielt.

Hier hat sie nun die Chance ergriffen, von einer musikalischen Weltöffentlichkeit wahrgenommen zu werden, die ihr vielleicht sonst verschlossen geblieben wäre. Das wiederum wäre ein großer Verlust für Musikfreunde in aller Welt gewesen. Denn was jetzt als Live-Aufzeichnung eines Konzerts vom 14. November 2008 in Budapest vorliegt, ist ein traumhafter Tanz zwischen den Genres: Eszter Horgas zeigt sich im brillanten Dialog mit Al di Meola in virtuoser Bestform bei der Interpretation von Stücken des Tango-Genies Astor Piazzolla und z.T. eigenen Bearbeitungen von Georges Bizets "Carmen", dazu einer fast 10-minütigen einleitenden Nummer von Gábor Cseke ("Exordium"), mit der sich ihr ungarisches Ensemble eindrucksvoll vorstellt. Jazz und Oper gehen Hand in Hand - faszinierende Grenzüberschreitungen.

Im Zentrum der Aufnahmen steht ein phantastisches Solo, mit dem Al die Meola sich und seine Komposition "Misterio" vorstellt, musikalische Kern-, Eck- und Angelpunkte aber bleiben die zauberhaften, hinreißenden Dialoge von Flöte und Gitarre, für die Piazzollas Stücke wie geschaffen sind. "Milonga del Angel", "Double Concerto", "Libertango", nur drei der genußreichen Mitschnitte. Bizets Einleitung zum 3. Akt der "Carmen", seine Habanera, der Zigeunertanz und das Finale bekommen völlig neue Farben, nicht zuletzt durch das Ensemble, das ganz offensichtlich über die musikalischen Wurzeln verfügt und den beiden phantastischen Solisten einen stimmungsvollen Hintergrund verschafft.

Daß Eszter Horgas bislang in Westeuropa  wenig wahrgenommen wurde, dürfte sich mit diesem Album deutlich ändern. Noch sind ihrer Web-Seite keine Konzerte außerhalb Ungarns zu entnehmen, doch darf man sich erhoffen, daß auch das anders wird. Denn diese begnadete Musikerin sollte man einmal live erleben.

Beispielbild

Al di Meola - Eszter Horgas
He & Carmen

Eszter Horgas  -  Flöte
Al di Meola  -  Gitarre
Gábor Cseke  -  Klavier
Zoltán Lantos  -  Violine
Viktor Hárs  -  Kontrabaß, E-Bass
Gumbi Ortiz  -  Percussion
Peo Alfonsi  -  Gitarre
Péter Kaszás  -  Schlagzeug

Produziert von Gábor Guba
(P) + © Galaxy Music GL001

Titel:
1. Exordium  9:55
2. Cafe 1930  5:50
3. Double Concerto  7:22
4. Fugata  6:18
5. Entr' Act  2:52
6. Misterio  7:00
7. Milonga del Angel  7:14
8. Dance Part 1.  3:18
9. Dance Part 2.  2:34
10. Habanera   7:36
11. Libertango  5:21
12. Finale  3:34
 
Gesamtzeit: 1:08:54
 
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