...als die Kreiss├Ągen der Eingeborenen schwiegen

Das Nonsens Buch

von Frank Becker
Ein Suahelischnurrbarthaar

Ein Hoch der Anthologie! Sie ist bunt, bietet in meist sehr sorgsam ausgewählten Appetithäppchen ein delikates Menü, macht Appetit auf die gesamte Speisekarte - und ist im günstigsten Fall eben durch die geschickte Auswahl oft weit unterhaltsamer als die Werke, denen man für sie ein Filet aus dem Leib geschnitten hat.

Der Reclam Verlag ist auf solche hübschen Hand- und Taschenbücher spezialisiert und offeriert aktuell die Neuauflage des von Peter Köhler zusammengestellten "Nonsens Buches".  Eine Definition, was Nonsens denn sei, gibt der Klappentext: "Im Nonsens werden die Naturgesetze und gewöhnlichen Tatsachen des Daseins außer Kraft gesetzt. Logische Regeln gelten nicht mehr, das Denken steht Kopf, die Sprache schlägt Purzelbäume: Die ganze Welt wird vergackeiert, und das ist immer wieder ein Heidenspaß." - Gutes Stichwort, denn auch diese kleine Sammlung, dank des Reclam-Formates leicht mitzuführen, ist ein solcher, dank Text- und Unfug-Lieferanten wie Eugen Egner, Joachim Ringelnatz, Robert Gernhardt, Christian Morgenstern, Georg Christoph Lichtenberg, F.W. Bernstein, Bernd Eilert, Egon Friedell, Gerhard Henschel, Eckhard Henscheid, Hans Reimann , Curt Seibert, Karl Valentin und F.K. Waechter - um nur einige zu nennen.

Immer wieder gut für eine solche Sammlung ist Morgensterns "Das große Lalula" und folglich auch drin. Robert Gernhards Zeichengeschichten vom Weißbrot-Fuß und dem munter onanierenden Kragenbären dürfen ebensowenig fehlen wie Karl Valentins Feststellungen, daß Kartoffelsalat nicht als Gurgelwasser verwendet werden kann und ein weiches Ei nicht als Zahnstocher taugt. Wie wahr. Ringelnatzens Gedicht vom in der Nordsee treibenden Suahelischnurrbarthaar ist drin, Manfred Hofmanns eindrucksvoll illustrierte Eurythmie-Geschichte "Ebbe und Frau", Robert Gernhardts Kolumne "Kurz und uninteressant" und Dirk Brandlows Aufklärung von vernuschelten Irrtümern: Nie mehr den Mehrtürer mit dem Märtyrer verwechseln!

Eine besonders prominente Position nimmt in Reclams "Nonsens Buch" erfreulicherweise die Dichtung des Musenblätter-Autors Eugen Egner ein: "Wie wir eines Tages die Seefahrt erfanden", "Der pneumatische Tippfehler", "Der Hund des Wirts" (sie wissen schon, der mit den Briketts), "Beim Weltuntergang" und "Das Ende der Handlung" sind nur einige seiner grotesken Texte. In Kürze können sie an dieser Stelle auch die Besprechung seines neuesten Buches "Nach Hause" lesen, das soeben beim Verlag Zweitausendeins erschienen ist. Der ebenfalls an dem Band beteiligte Jan Ullrich ist natürlich nicht gedopt, sondern macht nur Unfug. Ach ja, F.K. Waechters Jochen ist mit im Boot - Gruß nach Deutschneudorf! Man kann sich für 10,- Euro irgendwelchen Blödsinn kaufen - oder diesen hier.
 
Beispielbild
Cover: Kai Pannen

Das Nonsens Buch
Herausgegeben von Peter Köhler

© 1990/2007 Verlag Philipp Reclam, Stuttgart

190 Seiten, geb. m. Schutzumschlag
10,- €

Weitere Informationen unter:
www.reclam.de