Das Cabaret im Portemonnaie

Die "Lustige Witwe" der Wuppertaler B├╝hnen in Remscheid nur mit schwacher (Vor-)Premieren-Resonanz

von Frank Becker

Foto © Frank Becker
Das Cabaret im Portemonnaie
 
"Die Lustige Witwe" der Wuppertaler Bühnen
lockte nur wenige zur Remscheider Premiere
 

Remscheid/Wuppertal
. Pontevedro ist pleite. Aber wer ist das heute nicht? Die 20 Millionen pontevedrinischen Perper der reichen Witwe Hanna Glawari (Susanne Geb) könnten das fiktive Balkanland retten, viel Geld, als Franz Lehár seine 1905 uraufgeführte erfolgreichste Operette mit Blick auf das damalige Fürstentum Montenegro schrieb. Wieso erinnert das so fatal an die 90 Milliarden Euro, die aktuell dem realen Balkanstaat Griechenland fehlen?
 
Operetten-Komplikationen

Weil Hanna nach Paris gereist ist, um das Leben nachzuholen, muß dort ein Landsmann als Bräutigam gefunden werden, damit der Zaster zum Wohle Pontevedros im Lande bleibt. Botschafter Zeta (Miljan Milovic) hält seinen Attaché,  den Grafen Danilo (Thomas Laske), einen Lebemann, der seine Zeit gerne mit den Grisetten des Cabarets „Maxim“ verbringt, für einen geeigneten Kandidaten. Nur: der und Hanna kennen sich aus früherer Zeit, waren einmal sehr verliebt, konnten aber wegen Standesunterschieden nicht zusammenkommen. Eigentlich kein Problem, zumal in beiden noch immer das Feuer der Liebe füreinander brennt - doch jetzt stehen das Geld und Danilos Heiratsunlust im Wege. Ein schnelles Happy End wäre ja auch für eine Operette zu einfach. Also bocken sie, und es gibt bis zum glücklichen Schluß reichlich Mißverständnisse, Verwechslungen und Hindernisse.
 
Schwach besucht

Höchstens halb voll war der schöne Saal des Remscheider Teo Otto Theaters, als die Wuppertaler Inszenierung von Pascale-Sabine Chevroton dort im Bühnenbild von Jürgen Kirner am 11. Juni ihre Remscheider (Vor-)Premiere feierte. Das erstaunt umso mehr, als Gassenhauer wie „Da geh´ ich zu Maxim“, „Lippen schweigen“, das „Vilja-Lied“, „Ich bin eine anständige Frau“,  „Damenwahl“ und „Ja das Studium der Weiber ist schwer“ diese Operette über die Maßen beliebt gemacht haben und „Lustige Witwen“ eigentlich zu den Publikumslieblingen schlechthin gehören. Aber wie so oft, wenn Wuppertal in Remscheid Hof hält, zeigt sich das lokale Publikum sehr reserviert.

Schöne Stimmen

Wer da war, konnte sich in schönen Soli und Duetten an Thomas Laskes starker Präsenz mit voluminösem, akzentuiertem Bariton und Susanne Gebs souveräner Erscheinung mit blitzsauberem Sopran erfreuen, sowie mit dem heimlichen Liebespaar Dorothea Brandt (Sopran) und Boris Leisenheimer (Tenor) leiden. Mehr als Mittelmaß war von den übrigen Solisten nicht zu hören. Von Wohlklang und Akkuratesse, wenn auch gelegentlich die Sänger bedrängend, die Begleitung durch die von Florian Frannek geleiteten Bergischen Symphoniker. Herausragend jedoch die geschlossene Leistung des von Jens Bingert einstudierten Wuppertaler Opern- und Extrachors, ein wirklicher Aktivposten dieser Inszenierung, der jedoch ansonsten jeglicher Glanz und vor allem die Eleganz Lehárs fehlte.
 
Düsteres Gesamtbild

Das mag auch an dem düsteren Gesamtbild gelegen haben, welches das Personal auf beklemmend enger Bühne um die zwei Paare herum in bösen Klischees als saufende „Balkanesen“ mit dem Habitus von schmierigen Zuhältern und Flittchen, dumme Offiziere mit fettigen Haaren in Russen-Uniformen und schleimige Franzosen (erkennbar an Baskenmützen) präsentierte. Trist. Nicht schön. Nicht komisch. Man fragt sich auch, was Pascale-Sabine Chevroton bewogen haben mag, den pontevedrinischen Gesandten im Rollstuhl herumfahren zu lassen, den er gelegentlich munter verläßt; und auch die Kostüme, die Tanja Liebermann entworfen hat, sind nicht direkt geeignet, die Leichtigkeit Lehárscher Operette zu vermitteln. 
 
Hupfdohlen und ein amüsanter Kanzlist

Als amüsanter Mittler zwischen den Parteien glänzt Kanzlist Njegus (Hans Richter in einer komischen Sprechrolle), und recht witzig ist die Idee, die Handlung teilweise in ein riesiges Portemonnaie zu verlegen, es geht ja schließlich ums Bare. Doch zu dem unbeholfenen, fast schon peinlichen Grisetten-Ballett in weißen Strapsen fällt mir spontan nur das Wort „Hupfdohlen“ ein.
 
Die Wuppertaler Premiere wird am 15. Oktober 2011 im dortigen Opernhaus gegeben.
 
Weitere Informationen unter:  www.wuppertaler-buehnen.de