Ladyland 2

Mehr von den K├Âniginnen

von Sabine Kaufmann
Ladyland 2

         


Dinah Washington with Clifford Brown
Complete Recordings

8 Titel und zwei Medleys
Gesamtzeit:  1:13:15
 
Helen Merrill with Clifford Brown
Complete Recordings

19 Titel
Gesamtzeit:  1:15:01




Annie Ross sings a song
with Mulligan

25 Titel - Gesamtzeit:  1:18:17
  Geniale Paare

Jeder/jede Einzelne auf den hier vorgestellten drei Alben gehört zur Crème des US-Jazz der 1950er Jahre, der ganz großen Zeit des Jazz mit bis heute unerreicht gebliebenen Instrumentalisten, Sängern, Individualisten. Man hat in jenen Jahren internationale Musikgeschichte geschrieben, mit neuen Stilen den künftigen Lauf der Jazz-Entwicklung auf Dauer bestimmt und Schallplatten produziert, die bis heute untrennbar zum Kanon des Jazz gehören.

Ich darf Ihnen heute hier von drei wunderbaren Partnerschaften auf Zeit, kongenialen Musik-Ehen erzählen, die grandiose, charismatische weibliche Stimmen und phantastische Jazz- Instrumentalsolisten zu Aufnahmen zusammengeführt haben, die monolithisch in der Jazz-Landschaft stehen. Nicht zuletzt haben dazu auch die Besetzungen beigetragen, für die der Begriff der "Sidemen" nicht ausreicht, Namen, die bis auf den Tag Klang haben und jeder für sich einer der ganz Großen seiner Zeit. Im Zentrum stehen drei Ladies des Jazz, die wie ihre Kolleginnen Sarah Vaughan, Anita O´Day und Julie London, von denen an dieser Stelle schon die (lobende) Rede war, in der American Jazz Hall of Fame bereits ihren angemessenen Platz haben, bzw. beanspruchen dürfen: Dinah Washington und Helen Merrill, deren Gesamtaufnahmen mit dem Trompeter Clifford Brown für je ein Album zusammengestellt worden sind und die in England geborene Annie Ross, deren
Album "Annie By Candelight" und ihre 1957er und 1958er Aufnahmen mit Gerry Mulligan zu einem fast 80-minütigen Album zusammengefaßt wurden. Drei hochmusikalische Pakete also, die Jazz vom Allerfeinsten zum Inhalt haben.

Kommen wir auch gleich noch einmal zu den "Sidemen", und sie werden mir zustimmen, daß es sich hier um eine Elite handelt, die seit den 1950er Jahren ihren Platz behauptet. Dinah Washington wird neben Clifford Brown von den Trompetern Clark Terry und Maynard Ferguson begleitet, von den Saxophonisten Herb Geller und Harold Land, von Junior Mance und Richie Powell am Klavier, Keeter Betts und George Morrow am Kontrabaß und dem legendären Schlagzeuger Max Roach.
Helen Merrill stehen neben Clifford Brown, Danny Banks (Flöte), Jimmy Jones (Klavier), Barry Galbraith (Gitarre), Milt Hinton und Oscar Pettiford (Kontrabaß), Osie Johnson und Bobby Donaldson (Schlagzeug) zur Seite. Als Arrangeure und Dirigenten machten sich bei den Aufnahmen 1954/55 immerhin Quincy Jones und Richard Hayman verdient.
Annie Ross schließlich kann sich bei den US-Aufnahmen auf den unerreichten Baritonsaxophonisten Gerry Mulligan stützten, auf die beiden Legenden Chet Baker und Art Farmer (Trompete), Bill Crow und Henry Grimes (Kontrabaß) und auf den Schlagzeuger Dave Bailey. Von der englischen Band, die sie auf
"Annie By Candelight" begleitet, hat immerhin der Pianist Tony Crombie internationale Meriten erworben.

Die live mitgeschnittene Jam Session, bei der sich im Jahr 1954 die großartige Besetzung um Dinah Washington und Clifford Brown fand
, ist ein packendes Zeugnis musikalischen Drives mit Feingefühl von gleichzeitig ansteckender Spontanität, das von der sprudelnden Lebensfreude und Kraft Dinah Washingtons und auf weiten Strecken auch von kaum zu bändigenden Temperament Max Roachs lebt. Helen Merrill pflegt ebenso wie Annie Ross die lyrischere, rhapsodische Seite des gesungenen Jazz. Bei Helen Merrill trägt sicher auch die Begleitung durch den sensiblen Gitarristen Barry Galbraith zum gefühlvoll "verhängten" Sound bei. Milt Hinton am Kontrabaß tut das seine dazu. Eine charaktervolle, spritzige Zusammenstellung.
Die englische Ausnahmesängerin Annie Ross (Lambert, Hendricks & Ross) und der West Coast-Individualist Gerry Mulligan am Baritonsaxophon (beide mit dem besonderen Timbre) bilden eine stilistische Ausnahme-Einheit, die in den 16 ersten Titeln (den Reunion-Alben) zwischen Swing, Bebop und Cool tänzelt. Die oben erwähnte All-Star-Mannschaft adelt diese Aufnahmen zusätzlich. Der Wechsel zum europäischen Sound wird besonders durch die Aufnahme von "I Love Paris" deutlich, in der Annie Ross sich als eine Schwester im Stile der großartigen Caterina Valente erweist - vergleichen Sie mal die Versionen dieser beiden grandiosen Sängerinnen. Mit "Skylark" setzt Annie Ross einen verzauberten Schlußpunkt.

Für die Wiederveröffentlichung und Zusammenfassung dieser hervorragenden Alben zeichnet wieder einmal das verdienstvolle Label Phoenix verantwortlich. Sie werden auf unseren Jazz-Seiten sicher auch in Zukunft noch einiges von und über Phoenix lesen können.

Weitere Informationen unter:  www.in-akustik.com - Hörproben:  www.grooves-inc.de