Richard Hamilton (1922-2011)

Zum Tod des Pop Art K√ľnstlers - eine Foto-Erinnerung

von Rainer K. Wick

Richard Hamilton - Foto © 1969 Rainer K. Wick
Zum Tod des Pop Art Künstlers
Richard Hamilton (1922-2011)

Bilder eines Atelierbesuchs
im Jahr 1969
 
 
Im Jahr 1956 schuf der 1922 geborene englische Künstler Richard Hamilton eine kleine Collage mit dem Titel „Just what is it that makes today's homes so different, so appealing?”. Nicht ohne Ironie zeigt sie das typische Inventar der Massenkultur der Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Der die Szene dominierende Muskelmann, eine moderne Version des antiken „Herkules Farnese“, hält in der rechten Hand einen überdimensionalen Lolli mit den drei Buchstaben POP. Gemeinhin gilt diese Collage als Programmwerk der englischen Pop Art, und Richard Hamilton figuriert seither als Pionier und Vater dieser künstlerischen Bewegung. Andy Warhol und viele andere Künstler der amerikanischen Pop-Szene gehörten zu seinen Bewundererern. Am Dienstag, dem 13. September 2011, ist der Künstler im Alter von 89 Jahren gestorben.

1969 hatte Rainer K. Wick die Gelegenheit, Richard Hamilton – damals längst ein Superstar unter den zeitgenössischen Künstlern – in seinem Londoner Domizil aufzusuchen. Möglich wurde dies

Richard Hamilton - Foto © 1969 Rainer K. Wick
durch Vermittlung des Happening- und Fluxus-Künstlers Wolf Vostell („Musenblätter“ vom 14.07.10), über den Wick gerade eine kleine Studie verfaßt hatte.
Der Empfang durch Hamilton erwies sich als überaus zuvorkommend und er zeigte in seinem karg möblierten Atelier seine neueren und neuesten Arbeiten, so u.a. die „Fashion-plate studies“ mit der separaten Teilserie der „Cosmetic studies“ – Collagen, die als künstlerischer Ausdruck „Swinging Londons“ in den späten Sixties gelesen werden können. An einer der Wände hing eine der zahlreichen Fassungen des Siebdruckgemäldes „Swingeing London“ von 1968/69, die malerische Bearbeitung eines Pressefotos, das den von der Polizei verhafteten Rolling-Stone-Star Mick Jagger, sein Gesicht verdeckend, auf dem Rücksitz eines Polizeiautos zeigt. Aus „swinging“, schwingend, schwungvoll, lebenslustig, wird hier „swingeing“ im Sinne von einschneidend, drastisch, also ein Hinweis auf die Nachtseite der scheinbar so unbeschwerten Pop-Kultur der damaligen Zeit.

Auf einer Staffelei befand sich die Arbeit „People multiple“ aus dem Jahr 1968: die Vergrößerung eines alten Postkartenfotos des englischen Badeortes Whitley Bay, aus dem sich ziehharmonika- oder leporelloartig acht im Format kleinere Detailvergrößerungen herausklappen ließen, die das auf der Postkarte sichtbare

Richard Hamilton - Foto © 1969 Rainer K. Wick
Treiben am Strand sukzessive in immer abstraktere Bilder verwandeln und sich als eine visuelle Analyse des fotografischen Mediums erweisen.
 
Am Dienstag, dem 13. September 2011, ist Richard Hamilton im Alter von 89 Jahren in London verstorben. Aus diesem Anlaß werden hier erstmals und exklusiv einige jener Schwarz-Weiß- Fotografien veröffentlicht, die Rainer K. Wick damals bei seinem Besuch in Richard Hamiltons Wohnung und Atelier machen konnte. Es sind veritable Dokumente der Geschichte der Pop Art und für die Kunstgeschichte sicherlich von hohem dokumentarischem Wert.

Lediglich das Foto, das den Künstler in seinem Wohnraum mit dem Bild „Adonis in Y fronts“ von 1962 im Hintergrund zeigt, wurde zuvor bereits in seinem Fotobuch „Korrespondenzen. Fotografien 1968-2009“ abgedruckt („Musenblätter“ vom 18.02.10).
Das Buch ist als normale gebundene Ausgabe und als Vorzugsausgabe mit signierten Einzelabzügen noch im Handel, z.B. über die Buchhandlung Walter König, den Verlag Müller + Busmann und über den Autor erhältlich.

 
 
Foto © 1969 Rainer K. Wick


 
Richard Hamilton - Foto © 1969 Rainer K. Wick



Richard Hamilton - Foto © 1969 Rainer K. Wick






Redaktion: Frank Becker