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Es reicht jetzt!

Islamischer Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge

von Lothar Leuschen​
Es reicht jetzt!
Foto: WZ
Es reicht jetzt!
 
Wuppertaler Meinung und Dialog
 
Von Lothar Leuschen
 
Der jüdische Kalender schreibt das Jahr 5787. Es hat am Mittwoch begonnen. Nur einen Tag später wird es in Wuppertal von einem neuerlichen Brandanschlag auf die neue Synagoge in Barmen überschattet. Wie schon vor zwölf Jahren hat ein Täter mit muslimischem Hintergrund einen Brandsatz auf das Gotteshaus geworfen. Die gute Nachricht ist, daß weder für Menschen noch für das Bauwerk ernsthafte Gefahr bestand. Die schlechte Nachricht ist, daß Antisemitismus und Judenhaß ihre Visitenkarte wieder einmal in Wuppertal abgegeben haben. Wie es Juden in Deutschland geht, warum sich immer mehr Menschen der Glaubensgemeinschaft aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, warum es offenbar immer gefährlicher wird, auf Deutschlands Straßen den Davidstern an einer Kette um den Hals oder die Kippa auf dem Kopf zu tragen, verdeutlichte Leonid Goldberg am Mittwoch in seiner Ansprache zum neuen Jahr. Die Zahlen, die der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde präsentierte, die Polizeistatistiken, die er zitierte, zeigen: Anfeindungen, Bedrohungen und die ständige Furcht, Opfer von Gewalt zu werden, sind auch in Wuppertal keine Einbildung. Das beweist der Anschlag vom Donnerstag, auch wenn er glimpflich abgelaufen ist.

Spätestens jetzt ist es höchste Zeit, Antisemitismus und Judenhaß in dieser Stadt ganz oben auf die gesellschaftspolitische Tagesordnung zu setzen. Daß der mutmaßliche Täter afghanischer Herkunft ist, läßt den Rückschluß zu, daß Wuppertal zum Schauplatz des Feldzugs der islamistischen Welt gegen Israel und gegen das Judentum geworden ist. Damit verbinden sich Aufträge an Behörden, Verbände und eigentlich jeden, der hier lebt. Es war noch nie und ist nicht länger hinnehmbar, daß Juden in Wuppertal sich unsicher fühlen und hinter jeder Ecke Gefahr wittern müssen. Es ist nicht länger hinnehmbar, daß die Synagoge in Wuppertal permanent von der Polizei bewacht werden muß, weil von deutschen Neonazis und zugewanderten Islamisten Angriffe drohen. Es half nie und hilft nicht länger, das Risiko zu leugnen, das überforderte, überlastete Integrationsstrukturen zwangsläufig mit sich bringen. An dieser Stelle erübrigt sich der Hinweis, daß die allermeisten Flüchtlinge friedlich sind und lediglich Sicherheit und Zuflucht suchen.

Aber es reichten ja auch einige wenige, um Schaden anzurichten und eine Bevölkerungsgruppe in Angst und Schrecken zu versetzen, die aus fürchterlichem Grund in Deutschland höchsten Schutz genießt und immer das Gefühl bekommen muß, hier willkommen und sicher zu sein. Dieses Gefühl ist in der jüngeren Vergangenheit durch innenpolitische Radikalisierung und durch importierten Antisemitismus vollständig verloren gegangen.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag vom Donnerstag sind nun endlich auch die muslimischen Gemeinden in Wuppertal aufgefordert, aktiv ihren Beitrag dazu zu leisten, daß Juden in dieser Stadt keine Angst haben müssen. Grußbotschaften reichen nicht, sie haben nie gereicht. In ihren Gemeinden müssen die Imame deutlich und glaubwürdig gegen Islamismus predigen, am besten in einer Sprache, die auch Nicht-Muslime verstehen können. Es gibt sonst niemanden, der möglicherweise Einfluß auf Muslime nehmen kann, die sich aus welchen Gründen auch immer mit dem Gedanken tragen, Juden zu töten. Und es gibt sonst nichts, das verhindert, daß für Taten Einzelner alle Muslime von politisch interessierten Kreisen in Sippenhaft genommen werden.

Der Anschlag des Afghanen auf die Synagoge ist schließlich auch ein Anschlag auf alle Bemühungen, friedliches Miteinander von Religionen und Menschen aus aller Herren Länder zu organisieren. Daran offensiv und unzweideutig mitzuwirken, ist Aufgabe eines jeden, der in Wuppertal leben will. Es reicht jetzt!
 
19. September 2026
 
 
Der Kommentar erschien am 19. September in der Westdeutschen Zeitung.
Übernahme des Textes mit freundlicher Erlaubnis des Autors.
 Redaktion: Frank Becker