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Logische Lücken? – Listige Lachnummer!

Das Tic-Theater zeigt John Buchan und Alfred HitchcocksThriller „Die 39 Stufen“ in einer köstlichen Kontrafraktur

von Frank Becker
Logische Lücken? – Listige Lachnummer! 
von links: Beril ErogullariNina Jestel, Dennis Gottschalk, Sebastian Freund, Christina De 
Buyckere-Monti
 - Foto © Martin Mazur
Die 39 Stufen
 
John Buchan und Alfred Hitchcocks Thriller
in einer köstlichen Kontrafraktur
 
Logische Lücken? – Listige Lachnummer!
 
Inszenierung: Martin Petschan – Regieassistenz: Sophie-Catherine Hülper - Bühnenbild: Stefan Böhmer, Frank Fischer – Kostümbild: Maya Fichtel – Musik: Stefan Hüfner – Programmheft: Hans-Wili Lukas
 
Mit: Sebastian Freund (Richard Hannay) – Nina Jestel (Annabella / Margaret / Pamela) – Christina De Bruyckere-Monti / Beril Erogullari / Dennis Gottschalk (alle weiteren Rollen, und das sind viele) 
 
Wer den Titel „Die 39 Stufen“ liest, denkt reflexiv an den Agentenroman von John Buchan (1915) und seine klassisch gewordene Verfilmung durch Alfred Hitchcock (1935). Vergessen Sie das bitte ganz schnell. Was man nämlich in der Bühnen-Adaption des leichenreichen Thrillers von Simon Corble und Nobby Dimon erlebt, die von Patrick Barlow bearbeitet und in der deutschen Text-Fassung von Bernd Weitmar am vergangenen Freitag im Wuppertaler TiC-Theater seine temporeiche Premiere hatte, ist weit, weit entfernt von Suspense und Thrill. Dafür aber urkomisch und jugendfrei (na gut, ein paar lustige Leichen gibt es auch) generationenübergreifend beste heitere Unterhaltung. Die Verantwortung dafür übernimmt Regisseur Martin Petschan – und er kann sie lächelnd tragen, denn es ist ihm mit einem außerordentlich spielfreudigen, pointensicheren Ensemble gelungen, das personalintensive Stück in einer von ihm noch einmal überarbeiteten urkomischen eigenen Fassung mit nur fünf Schauspielern (und einer Puppe) unfallfrei und turbulent über die zwei Stunden reine Spielzeit zu bringen.
 
Auf der sparsam aber wirkungsvoll ausgestatteten multifunktionalen Bühne, mal Mord-Tatort, mal Zugabteil, mal Bauernstube oder Schlafzimmer, von Stefan Böhmer und Frank Fischer – die zahlreichen Umbauten leisten die Darsteller ganz nebenbei – entwickelte sich der Spionagethriller dank der kaum zählbaren höchst skurrilen witzigen Ideen Martin Petschans und dem Tempo der Akteure zu einer spritzigen Komödie mit Gags am laufenden Band und der gelungenen Slapstick-Komik bekannter Stummfilm-Elemente. Maya Fichtels einfallsreiche Wendekostüme und blitzschnelle Kostüm- und Rollenwechsel auf offener Bühne tragen ihren Teil zum exorbitanten Gelingen bei. „Person“ Nr. 6, der mysteriöse Hintermann des geplanten Landesverrats ist in der Darstellung durch eine Handpuppe ein hinreißender Geniestreich mit Augenzwinkern, trägt sie doch den gleichen Anzug wie der unfreiwillige Held der Geschichte. Apropos logische Lücken (siehe oben): lieber lustige logische Lücken als bitter-bierernste Begebenheiten. Dafür gibt es lebende Telefone, denkende Hände, senkrechte Betten, rollende Züge, rasant fahrende Automobile und vieles andere mehr. Nicht zu vergessen das wieder aufbewahrenswerte Programmheft von Hans-Willi Lukas.
 
Eingespielte Klavier-Soli von Honky-Tonk bis Zwielicht als Zwischen- und Begleitmusik lassen Film-Atmosphäre aufkommen und sind ein weiterer Beitrag zum außerordentlich witzigen Gesamtvergnügen. Daß ich in dieser Theaterkritik keine Darsteller-Namen nenne ist dem Umstand zuzuschreiben, daß wir in dieser Inszenierung des TiC-Theaters ein Ensemble sehen, das auf Augenhöhe eine grandiose gemeinsame Leistung zeigt. Chapeau!
 
Ca. 2 Stunden, 15 Minuten inkl. einer Pause
Informationen und Termine: www.tic-theater.de