„Fanny und Alexander“ begeistert bei Düsseldorfer Premiere
„Fanny und Alexander“ begeistert
bei Düsseldorfer Premiere
Das Stück nach dem Kinofilm von Ingmar Bergmann im Kleinen Haus des Theaters am Gründgens-Platz überzeugte mit durchweg wunderbaren Schauspielern sowie durch ein originelles Bühnenbild und tolle Kostüme
Düsseldorf - Das Bühnenstück „Fanny und Alexander“ nach dem gleichnamigen Kinofilm (1982) von Ingmar Bergmann hat am vergangenen Wochenende seine lang und begeistert beklatschte Premiere im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses erlebt. Es handelte sich um die zweite Premiere unter der neuen Generalintendanz von Andreas Karlaganis im Theater am Gustaf-Gründgens-Platz. Regie hatte der Isländer Thorleifur Örn Arnarsson. Wie die titelgebenden Kinder im Stück stammt auch der Regisseur aus einer Theaterfamilie und wie Fanny und ihr Bruder Alexander mußte auch Arnarsson als Sechsjähriger auf der Bühne den Theatertod seines Vaters mit ansehen.
Die beiden Kinder (Maria Lomova und Aedan D'Inca) spielen unglaublich überzeugend und textsicher. Die Bühne von Eva Veronica Born wird dominiert von einer gewaltig hohen und breiten Regalwand, die vollgestellt ist mit überdimensionalen Requisiten, die für Theater der Familie Ekdahl steht. Links und rechts von den Zuschauern befinden sich das Kinderzimmer sowie das Schlafzimmer vom zweitältesten Sohn der Theatergründerin, Oscar (laut, wüst und herrisch gespielt von Franz Pätzold). Um alles Geschehen in den pausenlosen 135 Minuten auf der Bühne mit zu bekommen, müssen die Zuschauer ihren Hals schon heftigst in alle Richtungen verdrehen. Zu Anfang des Stücks wird - es ist der Weihnachtsabend - gespeist. Ein großartiger Markus Danzeisen als Theaterleiter und Vater von Funny und Alexander hält eine immer wieder stockende und gestammelte Rede. Seine Frau, die Schauspielerin Emilie bekennt zwischendrin, er sei ein schlechter Redner und ein sehr schlechter Schauspieler. Wie er Fanny und Alexander aber ins Bett bringt, ihnen eine lange Gute-Nacht-Geschichte erzählt und sie liebevoll an seine Brust drückt, da ist Oscar er selbst. Immerhin hat Markus Danzeisen im echten Leben wie seine Bühnenkinder einen Theaterleiter und eine Schauspielerin als Eltern. Kurz darauf stirbt Oscar bei einer Theaterprobe in den Armen seiner Frau und im Beisein der ganzen Familie. Emilie, die bislang in der lebensfrohen Gemeinschaft der Familie Ekdahl gut und gerne gelebt hat, gibt etwas später dem protestantischen Bischof Edvard Vergerus ihr Ja-Wort und erfährt schnell, wie gewalttätig, demütigend und despotisch der Geistliche ist, der auch nicht vor brutalen Züchtigungen des wohltuend ihm trotzenden Alexander zurückschreckt. Und trotz seines hat der Gottesmann die Worte Wahrheit und Liebe ständig auf seinen Lippen. „Liebevolle Strafe kann nie demütigen“, erklärt er Emilie, die weder Mitglieder der Familie Ekdahl sehen noch sich vom Bischof trennen darf und das Leben einer Gefangenen führt. Mit Hilfe der beiden Brüder von Oscar gelingt es, die Kinder aus dem Haus des von Philipp Hauß geradezu ekelhaft und widerwärtig toll gespielten Bischofs zu entführen, der ihrer Mutter gegenüber mit dem Entzug des Sorgerechts gedroht hatte. Der Geistliche kommt bei einem Feuer in seinem Haus ums Leben und Emilie und ihre Kinder kehren in die Theaterfamilie zurück. Soweit, so gut. Das Stück über Kinder, die die Erwachsenen dabei beobachten, wie sie leben, lügen, spielen und sterben, um am nächsten Abend wieder lebendig auf der Bühne zu stehen, hat seinen Reiz immer noch. Es geht schließlich um Lust, um Liebe, um Lüge, um Moral, um Werte. Kurzum, um die großen Menschheitsfragen. Fragen nach einer aktuellen Relevanz des selten in Theatern gespielten Stücks werden in der Düsseldorfer Inszenierung nicht beantwortet. Internet: www.dhaus.de |
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