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Doktor Doppelkorn

von Detlef Färber
Doktor Doppelkorn
Detlef Färber - Foto © Silvio Kison
Doktor Doppelkorn
 
Vorsicht, Leidensgeschichte! Wer rumjammern nicht leiden kann, muß hier weiterblättern. Ich kränkle: Husten und Rotz - das volle Programm. Den dritten Tag jetzt schon. Und das zweite Mal in diesem Herbst, trotz diesmal rechtzeitiger Grippe-Impfung. Im Büro mache ich um alle einen Bogen und alle einen um mich. Ich sitze am Schreibtisch, huste bellend vor mich hin und rotze heute schon die dritte Packung Papiertaschentücher leer. Oder voll, Stück für Stück. Ich sitze im Sterben - und meine einzige Hoffnung bisher sind die berühmten Hustentropfen vorn mit „Br...“. Gerade beginnt sich mit dieser Wundermedizin eine Wirkung aufzubauen, da kommt die schlimme Nachricht: „Br...“, das sei doch bloß Placebo - hahaha, weißt du das nicht, meint Kollege Schlau. Und sofort verkehrt sich die „Br...“-Wirkung in ihr Gegenteil. Aus Placebo wird Nocebo - und ich huste mehr als je zuvor.
 
Dann kommt diese Mail: Nicht vergessen, heute wieder Stammtisch! Was tun? Wer zum Husten ins Büro geht, darf auch in der Kneipe weiterhusten, denk' ich, hoffe aber insgeheim, daß Wunderdoktor Doppelkorn mir dort hilft - als letzte Rettung. Es gibt aber einen erschwerenden Umstand: Der Stammtisch ist in einer Raucherkneipe. Nebenbei gefragt: Warum steht auf Zigarettenschachteln nicht folgender Warnhinweis: Rauch kann in Hose wie Jacke zu langanhaltendem Nachgestank führen!
 
Doch langer Rede kurzer Sinn: Nach ein paar doppelten Doppelkorn und Bieren - beides beidhändig getrunken fallt mir so gar kein Warnhinweis mehr ein. Für Bier schon gar nicht. Und bereits beim ersten Absacker in der zweiten Kneipe (nach dem Ausschankschluß am Stammtisch) ist der Husten ziemlich weg. Und meine Laune ist prächtig - seltsamerweise sogar noch am Morgen danach. Bin ich also jetzt das Objekt einer Wunderheilung? Wird Doktor Doppelkorn meinetwegen heiliggesprochen? Nein!!! Denn natürlich muß jetzt hier als (nicht ganz logische) Moral von der Geschichte stehen, daß so ein richtiger Husten-Schnupfen-Suff der blanke Wahnsinn ist. Und, daß er keinesfalls als Beispiel gelten darf für unsere wunderbare Jugend.
 
 
© Detlef Färber