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Patrick Hahn beendete nach fünf Jahren seine Zeit als GMD in Wuppertal

von Johannes Vesper
Patrick Hahn beendete nach fünf Jahren seine Zeit als GMD in Wuppertal 
Patrick Hahn dirigiert 
am 27. Juni 2026 sein Wuppertaler Abschiedskonzert - Foto © Johannes Vesper

Patrick Hahn beendete nach fünf Jahren 
seine Zeit als GMD in Wuppertal
 
Fünf Jahre war Generalmusikdirektor Patrick Hahn in Wuppertal tätig (2021–2026). Er ist hier vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen worden. Das habe ihm gefallen. Außerdem habe ihn die Qualität des traditionsreichen Orchesters von Anfang an schwer beeindruckt, sagte er im Gespräch mit den Musenblättern. Siehe auch das Gespräch mit ihm am Anfang seiner Zeit hier.
 
Das Sinfonieorchester Wuppertal hätte er wohl gerne auch außerhalb der Region noch bekannter gemacht. Zwar hat man unter seiner Leitung zweimal in der Kölner Philharmonie konzertiert, auch im malerischen Schlosshof von Murten in der Schweiz, oder im Großen Festspielhaus von Salzburg sowie im Amsterdamer Concertgebouw. Aber das Orchester war auch zuvor schon auf Tourneen in Japan, im WDR 3 oder im ARD-Radiofestival zu hören gewesen. Der Versuch, gerade zu Coronazeiten über YouTube per Streaming mit dem Konzertpublikum über die Stadt hinaus in Kontakt zu kommen, scheiterte an zu hohen Kosten.
Besonders geschätzt hat Patrick Hahn hier, daß das Orchester sowohl Konzerte als auch Opern spielt. In der großen Oper, mit Orchester, Solisten und Chor, gelegentlich auch zusätzlicher Instrumentalmusik auf der Bühne, sind besonders aufmerksame und sensibel reagierende Musiker im Orchestergraben erforderlich. Da könne das Wuppertaler Orchester auch im Vergleich mit berühmteren, reinen Konzertorchestern absolut mithalten.
Und was Kirill Petrenko mit den Berliner Philharmonikern bei den Osterfestspielen in Salzburg schafft, ging in Wuppertal auch. Der besonderen Herausforderung, die anspruchsvollen Orchesterstimmen von Wagners „Ring“ zu bewältigen, zeigte sich das Orchester bei der konzertanten Aufführung hervorragend gewachsen. Das mußte zusätzlich zum durchaus belastenden Orchesterdienst, zu den Kammermusikabenden und Opernvorstellungen gestemmt werden.
 
Der „Ring“ war davor zuletzt 1986 im Opernhaus Barmen geboten worden. Damals hatte sich Hans-Martin Schneidt damit aus Wuppertal verabschiedet. Die immersive Akustik des Großen Saals der Historischen Stadthalle machte das Riesenwerk für das Publikum zu einem musikalischen Erlebnis der Sonderklasse.
Während seiner Zeit in Wuppertal hatte der junge Generalmusikdirektor zwölf Opernproduktionen, etwa 60 Abonnementkonzerte in der Stadthalle, Open-Air-Konzerte, Neujahrs-, Benefiz- und Familienkonzerte, Kooperationen mit dem Tanztheater Pina Bausch, Gastspiele etc. zu verantworten. Zukünftig flexibler in der Gestaltung seines Kalenders, dirigiert er Konzerte u.a. in Glasgow und Edinburgh, in München – im Prinzregententheater und in der Herz-Jesu-Kirche –, beim Saarländischen Rundfunk in Saarbrücken, in der Stadthalle von Dillingen und in der Fruchthalle Kaiserslautern (dort mit der Deutschen Radiophilharmonie). Im Juni/Juli 2027 wird er z.B. „Rienzi“ in der Semperoper in Dresden einstudieren und eine Reihe von Vorstellungen dort dirigieren.
Diese Produktionen auch an größeren Häusern (z.B. an der Deutschen Oper Berlin („Die Fledermaus“), an der Bayerischen Staatsoper („Figaros Hochzeit“) und an der Dresdner Semperoper (Richard Strauss’ „Intermezzo“) seien sehr bedeutungsvoll für ihn, sowohl im Hinblick auf das eigene Repertoire als auch auf die Netzwerkbildung im internationalen Musikbetrieb. So sei er zusätzlich zu Konzerten bis 2029 gut ausgelastet. „Als GMD ist für solche Projekte einfach zu wenig Zeit“, sagte er im Gespräch. Vor der damit verbundenen sozialen Situation – „immer wieder werde ich alleine an verschiedenen Orten leben und agieren“ – hat er Respekt, aber keine Furcht.
 
Neben seiner regelmäßigen Verpflichtung beim Royal Scottish National Orchestra ist er seit 2021 ist er außerdem ständiger Gastdirigent beim Münchner Rundfunkorchester, interessant für den Dirigenten nicht nur wegen der Qualität des Orchesters, sondern auch, weil alle Konzerte aufgenommen, ausgestrahlt oder eingespielt werden. Daraus entstanden etliche CD-Aufnahmen, darunter „Eine florentinische Tragödie“ von Alexander Zemlinsky und „Der Kaiser von Atlantis“ von Viktor Ullmann.
Hat er das Sinfonieorchester Wuppertal geprägt? Ein Orchester mit bis zu 100 Musiker alle erfahren und kompetent vor sich und oft mehr als tausend Menschen hinter sich: Das bedeutet eine Herausforderung. Man will ja schließlich nicht erst beim Schlußakkord gemeinsam spielen. Wodurch vom Dirigentenpult aus die Musik endgültig beseelt, und mit Leben erfüllt wird, wodurch der musikalische Funken in den Saal überspringt – das ist das Geheimnis eines jeden Dirigenten.
„Aber für mich ist immer die Spontaneität und wirkliches Musizieren im Moment einer vermeintlichen Perfektion vorzuziehen. Es ist mir lieber, man geht irgendwie auf Risiko und es entstehen wirklich interessante und lebendige Momente“, sagte er jüngst in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.
 
Was hat dem Publikum an diesem GMD besonders gut gefallen? Seine „Salome“, sein „Tannhäuser“ , sein „Tristan und Isolde“ und auch „Rigoletto“ haben nachhaltigen Eindruck hinterlassen, „Figaros Hochzeit“ nicht zu vergessen. Die Wiederentdeckung und CD-Produktion von „Der Wald“ von Ethel Smyth im Doppelabend mit „Erwartung“ von Arnold Schönberg zeitigte große Resonanz. Von der Oper verabschiedete er sich im Dezember 2025 mit „Hänsel und Gretel“. Unter seiner Ägide war in der Oper Wuppertal viel los.
Seine Programme in den Sinfoniekonzerten werden in Erinnerung bleiben. Da waren „der Urknall“ der Welt (Jean-Féry Rebel), Bernd Alois Zimmermanns „Ich wandte mich um“, der Lärm der Metropolen in Edgar Varèses „Amériques“, das schwierige Klavierkonzert von Ferruccio Busoni, „Turangalîla“ von Olivier Messiaen – ein musikalisches Spektakel der Sonderklasse – und vieles andere mehr zu hören.
Charles Ives und Alfred Schnittke lagen ihm am Herzen. Humor und Witz fehlten selten. Der Ausnahme-Schlagzeuger Martin Grubinger faszinierte mit der Deutschen Erstaufführung von Daniél Bjarnasons Werk. Patrick Hahn drehte mit PDQ Bachs „Kleiner Nichtmusik“ und mit Ligetis „Le Grand Macabre“ zum Vergnügen des Publikums die Musikgeschichte weiter durch den Konzertwolf und überraschte damit, daß er Stücke ohne Pause ineinander übergehen ließ. Auch wurde unter ihm Lutz Werner Hesses Konzert für Flöte und Harfe uraufgeführt. Leider hat er mit den beiden großen Konzertchören Wuppertals nur sehr selten zusammengearbeitet.
Bei seinen Liedern von Georg Kreisler in eigener Begleitung am Klavier war das Opernhaus stets ausverkauft und das Publikum hingerissen. Zuletzt markierten am 27. Juni 2026 die gnadenlos mächtigen Holzhammerschläge der 6. Sinfonie Gustav Mahlers das Ende seiner Wuppertaler Zeit.
Patrick Hahn wird in der traditionsreichen Musikgeschichte Wuppertals seinen Platz behalten.
 
Patrick Hahn beendete nach fünf Jahren seine Zeit als GMD in Wuppertal
Patrick Hahn und das Sinfoniekonzert Wuppertal am 27. Juni 2026 nach seinem Wuppertaler Abschiedskonzert - Foto © Johannes Vesper