Wie das Marsupilami nach Europa kam
Zidrou / Frank Pé – „Marsupilami - Die Bestie Teil 1“
Wie das Marsupilami nach Europa kam
Die Urgeschichte des Wundertiers aus Palumbien
Wer möchte nicht wissen, woher das legendäre Marsupilami, das 1952 zum ersten Mal in Europa auftauchte und seither eine stetig wachsende Fangemeinde hat, wirklich kommt und wie es ausgerechnet in Belgien eine neue Heimat fand. Es hatte, nachdem André Franquin (1924–1997) das Phantasiewesen aus der Taufe gehoben und lange betreut hatte, noch viele Paten und Onkel, bis Zidrou (Story) und Frank Pé (Zeichnungen) nach seinem Ursprung und seiner Geschichte forschten und eine neue, andere Seite entdeckten.
Ursprünglich in der Comic-Serie Spirou und Fantasio ein eher witziges, komisches Wesen zeigen Zidrou und Frank Pé das wilde, sogar bissige Tier, das verschleppt in eine fremde Welt sich auch zu wehren weiß, „Die Bestie“. Auf dem Schiffstransport aus Palumbien wegen einer Havarie auf See der in Panama registrierten CONDOR wie die meisten anderen Tiere nahezu verhungert, entkommt das Marsupilami nach dem Anlegen in Antwerpen und wird von dem tierliebenden Jungen Francois (eigentlich Frank, aber das ist eine andere Geschichte) erschöpft gefunden und mit nach Hause genommen. Dort fügt es sich gerne in die Gemeinschaft vieler anderer geschädigter Tiere, die der Jungen bereits aus Mitgefühl pflegt.
Das Marsupilami ist übrigens überaus selten, zugleich sehr scheu und durch seine Kraft, seine Klauen und Zähne recht wehrhaft. Es ist äußerst schwierig zu entdecken und noch schwerer zu fangen. Es lebt im Dschungel von Palumbien, einem fiktiven Staat in Lateinamerika. Das Marsupilami ist etwa einen Meter groß, gelb-schwarz gefleckt und sein Schwanz ist bis zu acht Meter lang. Er dient in geknäuelter Form als Verteidigungs- und Angriffswaffe. Zusätzlich kann es ihn zu einer kegelförmigen Sprungfeder aufrollen und damit auch Feinde fesseln.
Francois hingegen kommt gut mit dem Tier zurecht, weil es sich bei ihm geborgen fühlt und auch die anderen Tiere und nicht zuletzt – und entscheidend! – die Mutter des Jungen nehmen sich seiner an. Doch die Idylle endet spätestens, nachdem Francois das Marsupilami in der Schule zeigt und es zu einem Zwischenfall kommt. Prompt setzen sich Häscher auf seine Spur…
Die Geschichte ist nicht nur spannend geschrieben und mit viel Sorgfalt und Detail-Liebe inszeniert, auch Fragen der Moral, der Menschlichkeit werden aufgeworfen und auch der intelligente Humor kommt nicht zu kurz. Marcel Le Comte hat für eine sprachlich überzeugende Übertragung ins Deutsche gesorgt. Die Panels und ganzseitigen Illustrationen von Frank Pé nehmen den Betrachter unmittelbar gefangen, sind stimmungsvoller Hochgenuß, ob in düsteren, rasanten oder heiteren Passagen der Erzählung. Die Charaktere der handelnden Personen sind in Strich und Darstellung hervorragend gelungen, lassen sie lebendig werden.
Der Carlsen Verlag legt eine großformatige Gesamtausgabe der Reihe „Die Bestie“ vor, deren ersten Sammelband wir Ihnen hier vorstellen und wegen seiner hohen erzählerischen und Bild-Qualität, auch was Druck, Farbe und Lettering angeht, sehr empfehlen können.
Zidrou / Frank Pé – „Marsupilami - Die Bestie Teil 1“
Ins Deutsche übertragen von Marcel Le Comte
© 2021 Carlsen Verlag, 164 farbige Seiten, gebunden, 25 x 29 cm - ISBN 978-3-551-78510-7
Lesealter ab 12 Jahren
25,- € (D) | 25,70 € (A) | 35,50 sFr
Weitere Informationen: www.carlsen.de
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