Das Christusbild im 20. Jahrhundert

„Jesus reloaded“ - Katalog zur Ausstellung in Stade

von Andreas Rehnolt

Titelillustration: Keith Haring
Das Christusbild im 20. Jahrhundert
 
Der Kölner Wienand-Verlag brachte zu einer Ausstellung
im Kunsthaus Stade einen sehenswerten Katalog unter dem
Titel „Jesus reloaded“ heraus
  
Stade/Köln – „Jesus reloaded - Das Christusbild im 20. Jahrhundert“ lautet der Titel eines sehenswerten Katalogs, der jetzt im Kölner Wienand Verlag erschienen ist. Der Katalog begleitet die noch bis zum 19. Januar nächsten Jahres im Kunsthaus Stade laufende Ausstellung gleichen Titels. Herausgeber des Buches sind Ina Hildburg und Sebastian Möllers. Das 20. Jahrhundert war in ihrer Sicht besonders durch die Ereignisse der beiden Weltkriege geprägt, deren Niederschlag in der künstlerischen Auseinandersetzung und ganz besonders in der Kreuzdarstellung unübersehbar ist.
Die Ausstellung und auch der Katalog präsentieren mit rund 130 Werken von 41 verschiedenen Künstlern die Vielfalt der Christusdarstellungen im Zeitalter der Moderne. Die Exponate stammen aus der Sammlung der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg und waren außerhalb Wittenbergs bislang nicht zu sehen. Die wenigsten der präsentierten Künstler schufen ihre Darstellungen von Christus aus einem streng christlichen Impetus heraus, erklären die Kuratoren der Schau, Tom Beege und Andrea Fromm.
 
Oft waren es vielmehr persönliche Befindlichkeiten im Umgang mit einem als leidvoll empfundenen, erfolglosen Künstlerdasein, insbesondere aber die tiefen Traumatisierungen während der beiden Weltkriege und deren Folgen, die dazu führten, daß Künstler sich mit dem Leiden Christi identifizierten. Der Band enthält Bilder von Lovis Corinth wie etwa das 1922 entstandene Bild „Der rote Christus“, in dem der Maler die Kreuzigung als animalischen Tötungsakt darstellt. Auch der Kriegsmaler Max Slevogt fertigte Radierungen für einen Passionszyklus. Seine Erlebnisse im 1. Weltkrieg hätten dafür gesorgt, daß ihm „die Passion Christi zu einer eigenen Passion geworden“ sei. 
Von Paul Gauguin stammt unter anderem das Bild „Der gelbe Christus“, das bereits 1889 entstand und auf dem sich der Maler selbst als Christus darstellte. Er hatte damals das Gefühl, die Menschen würden seine Kunst genauso wenig akzeptieren, wie die Heilsbotschaften Christi. Auch James Ensor ging in seiner Christus-Identifikation auf, unter anderem spricht dafür sein Bild „Kreuzigung Ensors“ von 1886. Natürlich fehlen im Katalog nicht Werke von Marc Chagall. Unter anderem sein Bild „Gelbe Kreuzigung“ von 1943, zu dem der Maler sagte, er sei „wie Christus gekreuzigt, mit Nägeln an die Staffelei geschlagen.“
 
Picassos „Kreuzigung“ von 1930 ist ebenfalls zu sehen wie auch Lithografien von Ernst Barlach, Arbeiten von Erich Heckel, Max Pechstein, „Die Kreuzabnahme“ von Max Beckmann aus dem Jahr 1917/18 und Werke von Oskar Kokoschka, George Grosz und Otto Dix. Von letzterem unter anderem verschiedene Farblithografien mit dem Titel „Die Kreuzigung“, Otto Pankoks „Die Passion“ von 1933/34 wird gezeigt und von Günter Grass das Bronzerelief „Kreuzigung“. Von HAP Grieshaber findet sich unter anderem der Holzschnitt „Kreuznagelung“.
Fritz Cremers Lithografie „Sich die Dornenkrone herunterreißend“ stammt aus dem Jahr 1980. Elf Jahre früher entstand bei einer Kunst-Aktion von Beuys-Schülern in Düsseldorf eine Fotoreihe unter dem Titel „Ich träumte, daß das Christentum jetzt eine Chance hat.“ Eines der Bilder zeigt Beuys neben einem Kreuz, an dem einer seiner Schüler für mehrere Stunden hing, um die Situation Christi

 Otto Dix, Ecce homo 1949 - © VG Bild-Kunst Bonn
nachzuvollziehen.
 

„Jesus reloaded - Das Christusbild im 20. Jahrhundert“
- Hg. Ina Hildburg, Sebastian Möllers
2013 Wienand Verlag Köln, Klappenbroschur, 160 Seiten mit 179 farb. und 17 s/w Abb.
21 x 28,5 cm - ISBN 978-3-86832-183-8
29,80 € (SFr 39,90)
 
Die Ausstellung im Kunsthaus Stade ist noch bis zum 19. Januar 2014 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: dienstags, donnerstags und freitags von 10-17 Uhr, mittwochs von 10-19 Uhr, samstags von 11-18 Uhr und sonntags von 10-18 Uhr.
 
 
Redaktion: Frank Becker