Fast ein neues Museum

Erfolgreiche Umgestaltung des Wuppertaler Von der Heydt-Museums

von Frank Becker
Wie neu!

Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum
hat eine Verjüngungskur begonnen -
und eine Rinke-Sammlung bekommen


Es ist, als durchschreite man ein völlig neues Museum. Ziemlich genau so muß es sich Dr. Gerhard Finckh gewünscht haben, denn der rührige Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums strahlte während der Präsentation der neu gestalteten 2. Etage seines Hauses in Anwesenheit des NRW- Kulturstaatssekretärs Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff heitere Zufriedenheit und ansteckende Freude aus. Dazu hat Gerhard Finckh auch allen Grund.

Lichtdurchflutete helle Räume - ein neuer Anstrich, ca. 700m² helles Eichenparkett (ersetzt die alten

Rinke-Saal - Foto © Frank Becker
Sisal-Teppiche), und Solux Spezial-Lampen der neuesten Generation (der Louvre hat auch keine besseren) geben ein völlig neues Raumklima -, bequeme Design-Sitzbänke von Jasper Morrison - im New Yorker Museum of Modern Art stehen die gleichen -, eine Menge neuer Dauerleihgaben für die ohnehin bereits exquisite Wuppertaler Sammlung, zwei Geschenke der Robke-Stiftung und nicht zuletzt der Ankauf eines beachtlichen Postens von 13 Arbeiten des Künstlers Klaus Rinke
aus einer Privatsammlung sind das vorzeigbare Ergebnis seiner Anstrengungen. Damit niemand jetzt einen Stillstand befürchtet: die Landesregierung wird auch hinter dem Ausbau der übrigen Etagen stehen. Im Jahr 2009 folgt das 1. Obergeschoß, 2010 das Erdgeschoß.

Vor allem Rinkes wegen ist der Staatssekretär gekommen, der die Arbeit des emeritierten

Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff -Foto © Frank Becker
Professors der Düsseldorfer Kunstakademie sehr hoch schätzt, höher jedenfalls als die bisher geübte Kulturpolitik des Landes. Nicht ohne Grund hat sich Klaus Rinke, dem das Von der Heydt-Museum 2004 eine große Ausstellung gewidmet hatte und der beinahe 30 Jahre lang sein Atelier und Domizil im rheinischen Haan hatte, neu orientiert. Er lebt nun in Los Angeles und Österreich (dort allerdings mit Blick auf Deutschland). Grosse-Brockhoff macht es deutlich, indem er unverblümt Stellung bezog und Rinke den Dank abstattete, "...den er verdient, aber bisher nicht bekommen hat. Er ist einer der großen, bedeutenden Künstler dieses Landes, als Lehrer mindestens so bedeutend  wie als Künstler von internationaler Reputation - der Prophet im eigenen Lande, der nicht ausreichend gewürdigt wurde."
In Bezug auf die Höhe des Kaufpreises für die Rinke-Exponate, drunter "Love Affair auf dem Höhepunkt" und "Indischer Ozean" hält sich Gerhard Finck vornehm zurück. "Ein Betrag im mittleren

Klaus Rinke + Gerhard Finckh - "Indischer Ozean"
Foto © Frank Becker
sechsstelligen Bereich", ist lächelnd zu erfahren. Mehr nicht. Auch der Privatsammler, der das Angebot des Museums sofort akzeptiert habe, wird nicht namhaft gemacht. Das Geld brachten zu gleichen Teilen das Land NRW, die Kunststiftung NRW und die Von der Heydt-Stiftung auf. Rinke hat damit in der Städtischen Wuppertaler Galerie "eines der bedeutenden Häuser Nordrhein-Westfalens, wie wir nicht viele haben" (Grosse-Brockhoff) seinen ersten eigenen Bereich. E s ist durchaus vorstellbar, das weitere Werke hinzukommen werden. Der bis heute nicht vollendete Plan Rinkes eines weltweit gespannten Wasser-Zyklus - Zeit und Wasser sind die Themen, die ihn seit Jahrzehnten umtreiben - hat ebenso hohen Rang wie sein Objekt- und malerisches Werk.

Doch nicht nur Klaus Rinke ist neu in Wuppertals Sammlung. Die durch die Renate und Eberhard

Christian Hellmich "Zelt" Foto © Frank Becker
Robke-Stiftung erworbenen und dem Museum geschenkten Werke, drunter Joseph Marionis "Red Painting" bereichern die beeindruckende Auswahl der Moderne im Shed-Saal des Museums. Hier sind auch zwei phantastische Arbeiten von Christian Hellmich (*1977) zu sehen, deren Ausleihe aus einer Londoner Privatsammlung die Weitsicht Gerhard Finckhs beweist. Hellmichs eindrucksvolle Bilder "Zelt" und "Treppe III" dürften schon bald zum Kanon der Moderne gehören. Selten wir man so spontan von Begeisterung für ein Kunstwerk gepackt wie hier.
Aus dem viele Tausende von Gemälden umfassenden Magazin-Bestand, den rund 20.000 graphischen Blättern und dem umfangreichen Bestand an Skulpturen ist nur ein Bruchteil zu sehen. "Wir wollen so häufig wie möglich wechseln, um dem Publikum vieles zu präsentieren. Es ist genug Gutes da, um uns für lange Zeit wundervolle Auswahlen zu ermöglichen", kommentiert Dr. Gerhard Finckh die "Startauswahl" der neuen 2. Etage. Die ist ihm mit einem repräsentativen Querschnitt vom 17. Jahrhundert bis heute gelungen. Nur wenige Skulpturen werden gezeigt, darunter Bertel Thorvaldsens klassisch schöne "Vittoria Caldoni" und die Büste Wilhelms II. von Johannes Götz aus dem Jahr 1907.


Franz Wilhelm Seiwert - Der Bauernkrieg
Foto © Frank Becker
Zwei Bilder Franz Wilhelm Seiwerts und eines von Gerd Arntz faszinieren in der Zusammenstellung im ehemaligen Graphik-Zimmer, das nun durch frisches Licht die 20er Jahre angemessen präsentieren kann. Carl Grossbergs "Maschinensaal" verblüfft gleich durch zwei nahezu identische Bilder - ein seltener Fall, daß ein Museum Original und Kopie von des Künstlers Hand besitzt und zeigen kann. Gleich nebenan berührt Wilhelm Lehmbrucks weißer "Mädchentorso" neben Jan J. Schoonhovens weißer konkreter Arbeit R 73-25. Auch Uecker und Rodin, Archipenko und Fontana vertragen sich. Besondere Freude macht, daß George Segals "Ruth in der Küche" nach mehreren

George Sagal - "Ruth in der Küche"
Foto © Frank Becker
Umzügen nun einen wundervollen Platz mit Ausblick auf den offenen Gang (und vice versa) gefunden hat. Canaletto, Spitzweg, Neefs, Snyders, Stieler, Erfurt, Belling, Muller, Calder, Hodler, Monet, van Gogh, Benedict... nur einige weitere Namen, die man beim Rundgang in der mit ihrem neuen Eichenparkett freundlich gestalteten Etage antreffen wird. Ab morgen ist die Ausstellung für das Publikum geöffnet.

Weitere Informationen unter: www.von-der-heydt-museum.de




Johannes Götz "Wilhelm II" - Foto © Frank Becker

Christian Daniel Rauch "Siegesgöttin" - Foto © Frank Becker