Kennerschaft und Kabarett

Konrad Beikircher: "Andante spumante" und "Scherzo furioso" - Konzertf├╝hrer der etwas anderen Art

von Frank Becker
Kennerschaft und Kabarett

"Der Beikircher" -
Ein Konzertführer der etwas anderen Art

Die Zahl von Konzertführern ist Legion. Da gibt es faktisch nichts, was es nicht gibt. Oder besser: nicht gab, bis Konrad Beikircher sich daran machte, das Genre zu "reveluzzienieren" - wie der begnadete Kabarettist es vermutlich in seiner "Rheinischen Trilogie" ausdrücken würde. Und ein gerüttelt' Maß Kabarett steckt auch in seinem zweibändigen Gesellenstück in Sachen klassischer Musik, mit dem er sich als intimer Kenner und kompetenter Kritiker der so genannten E-Musik vorstellt.

Wo andere Konzertführer trocken, wenn auch sicherlich sachlich, informativ und schlüssig Fakten aufzählen, Biographie, Aufführungsgeschichte, Satzbeschreibung und Besetzung der Sinfonien, Klavier- und Violinkonzerte knapp und gerafft zusammenfassen, eventuell auch Rezensentenstimmen zu Wort kommen lassen, offenbart sich Konrad Beikircher als ein literarisch-musikalischer Flaneur, der all das und noch mehr hat - ein Anton Kuh der sinfonischen Musik sozusagen. Gespickt mit aufschlussreich Anekdotischem, scheinbar Vordergründigem (wie zum Beispiel der 69 Wohnungen Beethovens von 1792-1827), das dann doch seine Bedeutung bekommt, und biographischen Delikatessen liest sich sein "Cicerone concertistico" mit ein wenig Schmäh, einer Portion rheinischem Frohsinn, einem Schuss Kishon, einem Spritzer Karajan und allerlei Ver- und Hinweisen besser und unterhaltsamer als die sattsam bekannten Standardwerke.

Bis man zur Bewertung am Schluß kommt, die mit 1-3 Hörnern für die Technik und 1-3 Dirigentenhänden für das Gesamturteil nur in drei Gruppen einteilt, hat man sich schon scheckig gelacht und ganz nebenbei mehr über das Stück erfahren, als anderswo. Man hat die exakte Besetzung erfahren, weiß, worauf man unbedingt achten sollte und wo man am besten weghört, hat die Fußangeln der Komposition kennen gelernt und Ratschläge für den Einsatz im gesellschaftlichen Leben bekommen. Pausentalk ("Das habe ich auf CD besser" - "Das hätten Sie von Celibidache hören sollen" etc.), "naswiese" Meinungen, geschlechtsspezifische Kommentare und fiktive Interviews und Dialoge sind die Kirschen auf dem humorigen Cocktail, den man vor dem Konzert schlürfen sollte, um zu wissen, was man hören wird - und danach, damit man weiß, was man gehört hat.

Von Vivaldi bis Britten, von Mahler bis Prokofjew, von Bach bis Bizet - Die beiden Bände von Beikirchers Konzertführer sind unverzichtbar für wahre Musikliebhaber, Leser der gehobenen Yellow Press, Kabarett-Freunde und für Angeber, denen "Clever bluffen - Klassische Musik" zu ipsig ist. Uneingeschränkt empfehlenswert und mit unserem Prädikat, dem Musenkuß versehen.


Beispielbild
Umschlagfoto © Donka Müller

Konrad Beikircher
Andante Spumante.
Der Beikircher. Ein Konzertführer.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001.
22,90 Euro
ISBN 3-462-02987-8


Beispielbild
Umschlagfoto © Achim Kröpsch

Konrad Beikircher
Scherzo furioso
Der neue Konzertführer.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002.
22,90 Euro
ISBN 3-462-03089-2

Weitere Informationen unter:
www.kiwi-verlag.de
www.beikircher.de