Der Perlinger-Weg ins Gl├╝ck

In Indien

von Sissi Perlinger

© Sissi Perlinger
In Indien
 
Feuchtheiße, stinkende Luft schlägt mir entgegen, und ich wäre am liebsten an der Gangway auf dem Absatz wieder umgedreht. Aber ich werde in einem endlosen Trauermarsch zur Paßkontrolle gepeitscht. Man wühlt alle meine Koffer dreimal durch, und vier Stunden später steh ich völlig erschöpft vor dem Flughafengebäude. 80 schreiende Taxifahrer tragen mein Gepäck in sämtliche Himmelsrichtungen davon. Oh Scheiße, wie konnte ich nur auf diese blöde Fee hören?! Der Rikschawfahrer, bei dem ich schlußendlich lande, fährt zuerst ganz gemütlich, so tuck tuck tuck. Doch dann biegt er plötzlich, und ohne zu schauen, auf eine 16-spurige Schnellstaße ab, die Autos rasen mit 250 vorbei. Er wechselt, ohne zu blinken, auf die Überholspur, und steuert direkt in den entgegenkommenden Lastwagen aaaah! puh!!! Mein gesamtes Leben ist an mir vorbei gezogen … war das ein Verhau. Durch die vielen Schlaglöcher komm ich mir nach drei Stunden Fahrt - im Kreis rund um das Hotel - wie erschlagen vor; jeder einzelne Knochen tut weh. Das einzig Gute an Indien: Hier herrscht ein derartiger Lärm, daß zum ersten Mal meine Ohrgeräusche komplett übertönt werden. Am Hotelempfang gibt es einen rot-blau-gelben Begrüßungscocktail, dank dem ich die wertvolle Erfahrung machen darf daß es auch möglich ist, auf einer Kloschüssel zu übernachten. Ja, die Toilette ist sehr weit weg, nämlich wie in Indien üblich: am Ende des Ganges. Mich hat’s dermaßen zerlegt, daß ich im Fieberwahn ganz viele Götter gesehen habe, und so, liebe Kinder, ist der Hinduismus entstanden. Was bei den Christen der Meßwein, ist für Hindus der Begrüßungscocktail, der Zugang zum Nirwana.
Sobald ich wieder gehen kann, beginnt mein Ayurveda-Programm. Der Arzt untersucht mich und ich frage ihn, wie lange ich bleiben soll, und er meint: „So drei bis vier Jahre“. Sehr witzig! Die Inder haben Humor, und das ganze Land paßt irgendwie zu mir. Es ist überlaufen, dreckig und arm. Mein Faß war auch übergelaufen, mir ging’s dreckig, und ich war arm dran. Aber das ist bekanntlich besser als Arm ab. Ich bin einfach ’ne blöde Kuh gewesen, aber dafür wird man hier ja bekanntlich „heiliggesprochen“.



(Textauszug aus "Auszeit! Der Perlinger-Weg ins Glück"
mit freundlicher Genehmigung des Südwest Verlages)
Weitere Informationen unter: www.sissi-perlinger.de
Redaktion: Frank Becker