Schokolade und Literatur

Bitters├╝├čer Leseabend mit Julia Streich

von Daniel Diekhans

Julia Streich als Mathilde - Foto © Daniel Diekhans
 
Wunderbare Geschmackserlebnisse
 
Bittersüßer Leseabend:
Julia Streich feiert den Schokoladengenuß
 
Ostern ist schon wieder vorbei. Der letzte Schokoladenhase ist gegessen, das letzte Trüffelei vertilgt. Umso schöner, daß die Schauspielerin Julia Streich kurz danach die süßen Genüsse noch einmal zelebrierte - mit einer Lesung, deren Motto „Schokolade ist die Antwort“ keine Frage offen ließ. Den Rahmen gab die von Nicolai und Erika Burchartz initiierte Kulturreihe „22 Plätze“, die seit März 2014 ihren Ort in der Praxis „innen stimmen“ in der Nützenberger Straße in Wuppertal hat. Von der großen Resonanz waren sowohl Streich als auch die Veranstalter äußerst angetan, denn an diesem Abend wurden gleich zehn mehr als die vorgesehenen 22 Plätze gebraucht.
 
Wie es sich für ein kulinarisches Thema gehört, wurden die neugierigen Zuhörer nicht bloß mit dem schlichten Vortrag von Gedichten und Geschichten abgespeist,  denn neben literarischen Genüssen kamen an diesem Abend auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz. In der Pause reichte Julia Streich ihrem Publikum ein Ofenblech mit duftenden Nuß-Brownies. Bei der verbalen Veranschaulichung halfen Julia Streich zwei Bühnenfiguren, in deren Haut die Schauspielerin abwechselnd schlüpfte. Als Expertin trat Professorin Theodora Broma-Mescolaria auf, deren Name auf den „Theobroma“, den Kakaobaum, anspielte. „Schokolade ist mein Spezialfachgebiet“, erklärte sie und dozierte über die altmexikanischen Ursprünge der europäischen Süßigkeit. Fürs Sinnliche war hingegen Dienstmädchen Mathilde zuständig, das die redselige Professorin gelegentlich hinter die Bühne verbannte. „Ich hab’ sie auf dem Klo eingesperrt.“
In der Rolle der handfesten Mathilde erzählte Streich mit beweglicher Stimme von wunderbaren Geschmackserlebnissen, die freilich nicht immer glücklich enden. In Andrea Schachts „Göttertrank“ etwa fällt die kleine Amara nach dem Genuß von Bitterschokolade fast vom Glauben ab. Doch die kluge Mutter weiß Rat. Selig ist dafür der Pralinenfabrikant in Ewald Arenz’ Roman „Der Duft von Schokolade“, der von den Kreationen seines Neffen schier überwältigt wird: „Sie schmecken wie Märchen!“ Beeinflußt Schokolade vielleicht sogar die Libido? Eine Frage, die spätestens seit dem Hollywoodfilm „Chocolat“ in aller Munde ist. In seinem Gedicht „Wiener Kaffeehaus“ gibt Siegfried L. Kratochwil eine klare Antwort: „Des Kakaos Eigenschaft?/ Er fördert, stärkt die Manneskraft!/ Auch auf das Liebesleben jeder Frau / hat großen Einfluß der Kakao!“
 
Wie dem auch sei … Am Ende gab es leckere Muffins und – mit freundlicher Unterstützung der Confiserie „Hussel“ – Schokolade in Hülle und Fülle. Wer jetzt mit geschlossenen Augen an diese ebenso unterhaltsame wie süße Lesung zurückdenkt, hat vielleicht gleich wieder einen angenehm bittersüßen Geschmack auf der Zunge. Hmmm…
 
Die nächste Veranstaltung der Kulturreihe „22 Plätze“ findet am 22. Mai statt.
Weitere Informationen dazu unter: www.nicolai-burchartz.de/projekte/22-plaetze/
 
Die nächste Lesung mit Julia Streich ist am 30. Mai im Theater an der Luegallee in Düsseldorf. An diesem Abend stehen Texte von Kurt Tucholsky auf dem Programm.
 
Weitere Informationen unter: www.theaterluegallee.de