Dem Rheinland R├╝ckgrat gegeben

Ein Nach-Nachruf auf Helmut Kohl

von Konrad Beikircher

Foto © Frank Becker
Dem Rheinland Rückgrat gegeben
 
Ein Nach-Nachruf auf Helmut Kohl
 
Also wenn jetzt auch noch die letzten Aufrechten nach Helmut Kohls Tod der Reihe nach umfallen, soll das Rheinland ihm doch dankbar bleiben: wat dä Stefan Heym domols jekonnt hätt, können mir at lang und keiner soll sagen, der Rheinländer kenne keine Dankbarkeit. Also:
Danke, Herr kohl, dat Sie die Täterää esu schnell jedings han, sch-möchte mal saren: lieber eine Wende mit Ecken als Ecken ohne Wände, oder wie wor dat?
Danke, Herr Kohl, dat Sie dat mit Berlin un esu, weil: nie sonst wäre der Rheinländer draufgekommen, daß er auch ohne Regierungssitz, Regierungsbeamte und MdBs wat wert ist. Wir waren ja alle so geblendet von 42 Jahren Hofstaat-Dasein, daß wir gedacht haben, nur noch in der Sonne der Bundeshauptstadt leben zu können. Obwohl: wo viel Sonne, da viel Schatten, ne. Und daß Sie uns, Herr Kohl, damals die Augen geöffnet haben, ist super. Einfach super! Es ist ein bißchen so, wie wenn der lästige Verwandtenbesuch abgefahren ist: endlich kann man das Lächeln aus dem Gesicht entlassen, entspannt in die Gegend schauen und herzhaft über die buckelije Verwandtschaft schimpfen. WAT E JEFÖHL! Die Berliner werden sich wundern, wat do all op dat Städtchen zukütt, dachten wir damals – und et es esu jekommen. Ich saren nur: Staatsbesuch! Jeder Bonner weiß, daß das: Verkehrschaos, Lärm und Fahnen, die endlich mal gewaschen werden müßten, heißt. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
 
Alles in allem, leven Herr Kohl, das Rheinland ist Ihnen auch posthum noch zu aufrichtigstem Dank verpflichtet. Sie haben unserer Region das Rückgrat wieder zurückgegeben, was sage ich: den aufrechten Gang!
Andererseits: is doch schön, dat dä Herr Heym, Jott hab ihn selig, sich domols für Bonn usjesproche hätt. Kütt nur e bißje spät, leven Stefan, ewwer määt nüß: wärst Du je hie em Rheinland jewesse, hättste ene usjejowwe jekreje. Alt oder Kölsch wör dann ejal.

In diesem Sinne
Ihr
Konrad Beikircher
 

© Konrad Beikircher - Redaktion: Frank Becker