Andrea Lamàr

Shooting-Star beim Fernsehsender TM3

von Frank Becker

© 2000 9Live
 Andrea Lamàr

Die Wuppertalerin ist der Shooting-Star
beim Fernsehsender TM3
 
Es sind ihr herzliches Lachen und das unverwechselbare Timbre ihrer Stimme, die einen schon beim ersten Telefonat unwiderstehlich für sie einnehmen. Die Wuppertalerin Andrea Lamàr, die sozusagen „im Handstreich“ zum veritablen Medienstar avanciert ist, hat eine ungemein wohltuende, ungekünstelt natürliche Nähe und Ausstrahlung, die fasziniert und die sie von dem Gros der Schönen und Erfolgreichen des Show-Business abhebt. Wer sie noch nicht in diversen Fernseh-Rollen (SOKO 5113, Rosenheim Cops, Rote Meile, Verbotene Liebe), seit 1994 als Assistentin von Jürgen von der Lippe in der Show „Geld oder Liebe“ oder im Kino neben dem Humor-Chaoten Helge Schneider in „Praxis Dr. Hasenbein“ gesehen hat, kennt sie spätestens jetzt durch ihre tägliche Bildschirm-Präsenz beim Privatsender TM 3, der sie gewissermaßen als „Anchorwoman“ seiner allnächtlichen Erotikshow „lanotte“ verpflichtet hat, und mit der sie seit Wochen landauf-landab in Presse und Fernsehen Furore macht.
Nacht für Nacht steht sie live vor den Kameras der Münchner TM 3-Studios und moderiert in direkter Telefonverbindung mit ihren Anrufern die interaktiven Videospiele, das Quiz und die pikanten Filmchen, mit denen der Sender von Mitternacht bis 06.00 Uhr in der Früh´ Quoten zu machen hofft – und dank ihrer unerhörten Präsenz scheint das Konzept der Macher von Oasis und TM 3 aufzugehen. Eine nächtliche Einschaltquote von 2,5 – 3 % und bis zu zehntausend Anrufer pro Nacht sprechen eine nicht zu überhörende Sprache. Die Show ist – so schwach sie auch in Aufbau und Idee zu sein scheint – dank der Erscheinung ihrer Moderatorin Andrea Lamàr und neuerdings ihrer Co-Moderatorin und Freundin Alida Kurras der interessanteste Versuch, erotisches Fernsehen zu machen, seit Hugo Egon Balder in „Tutti Frutti“ bei RTL Länderpunkte verteilt hat. Grund genug, sie in München zu besuchen und im persönlichen Gespräch ihr Portrait zu zeichnen.
 
Die persönliche Begegnung bestätigt den Eindruck von Bildschirm und Telefon. Die sportlich elegante junge Frau ist einfach nur nett! Und sieht auch ungeschminkt blendend aus. Ihr bescheidenes Zimmer in einer Schwabinger WG (Wohngemeinschaft), in der sie mit ihren Mitbewohnern „nette Leute!“ Küche und Bad teilt, erinnert sie an ihre Zeit in New York City, wo sie von 1996 bis 1998 am „Lee

Foto © Andrea Lamàr
Strasberg Theatre Institute“ eine der besten Schauspielausbildungen bekommen hat, die in der internationalen Theaterwelt denkbar sind. An die Zeit in der 31st Street in Mulberry Hill/Manhattan denkt sie gerne zurück. Mit schwerem Herzen ist sie Mitte 1999 zurück nach Deutschland gekommen. Teuer war es in New York, und teuer ist auch das Pflaster München: 600,- DM muß sie für ihre 15 Quadratmeter hinblättern. München ist auch ansonsten hart im Geben: die 56 % Singles in der Stadt stellen Karriere und Erfolg an die erste Stelle, Beziehungen kommen ganz am Schluß. Auch wenn sie das stört, Freunde hat sie glücklicherweise schon einige gefunden, was bei ihrer ehrlichen freimütigen Art leicht vorzustellen ist.
 Wir sind an einem heißen, schwülen Nachmittag im August verabredet und ziehen es zunächst vor, die aufgestaute Hitze in den Mauern des ausgesprochen adretten Zimmers mit einem italienischen Eiscafé zu vertauschen, wo wir bei Cappuccino, „Orange Special“ und Nußbecher über das Leben, Wünsche, Pläne und Arbeit reden. Durch ihre getönte Sonnenbrille sieht Andrea Lamàr die Welt rosarot, aber tatsächlich steht sie mit beiden Füßen auf dem Boden – und wenn sie die Brille absetzt, sieht man unter langen seidigen Wimpern in zwei bildschöne grüne Augen, die mit viel Humor und Durchblick auch die glitzernde Scheinwelt des Showbiz sehr sachlich und realistisch betrachten.
 
Münchens schönste Frau

Eine zierliche, schlanke Person ist sie („Ja, durch den Stress der letzen Wochen habe ich ein paar Kilo verloren.“), der man gar nicht zutrauen möchte, daß sie mit der souveränen Selbstverständlichkeit, die sich für sie als so charakteristisch erwiesen hat, Nacht für Nacht eine zugegebenermaßen anstrengende Live-Show im Griff behält. Aber sie tut es. Jede Nacht ein neues Outfit, jede Nacht eine neue Frisur. Wie überstehen die Haare das? Und wieder lacht sie ihr strahlendes Lachen (alle Zähne echt), wundert sich selbst: Die in Natur schwarzbraunen kräftigen Haare mit einen Stich ins rötliche halten das (noch) aus. Und es schmückt sie, ob wallend, gebändigt oder streng zurück frisiert. Das bestätigen ihr auch die nächtlichen Anrufer im Studio, die sie seit Anbeginn ihrer Late-Night-Moderation bewundern und sie bereits zur schönsten Frau Münchens ernannt haben. „Sehr schmeichelhaft und ehrenvoll“ räumt sie ein, ohne es zu glauben. Daß nicht wenige darunter sind, die ihretwegen einschalten, liegt auf der Hand. Die zum Teil

Foto © tm3
erschreckend dümmliche Sendung kann das Zugpferd nicht wirklich sein. TM 3 kann sich über Andrea Lamàr, die als rettendes Licht über geistigen Niederungen leuchtet, nur freuen. Und den Oasis-Leuten, die sie im Februar 2001 beim Casting aus 3.500 Bewerberinnen ausgewählt haben, muß man einen guten Blick und ein sicheres Urteil bescheinigen.
 
Nach dem Abitur am Gymnasium Bayreuther Straße in Wuppertal-Elberfeld hat sich die schon damals zielstrebige junge Dame, Tochter einer Chilenin und eines Deutschen, erst einmal solide Grundlagen verschafft. An einer Düsseldorfer Sprachenschule studierte sie Spanisch und Französisch und perfektionierte ihre Englisch-Kenntnisse – eine unverzichtbare Grundlage für das angestrebte Schauspiel-Studium in den USA. Viersprachig kommt man durch die Welt. Aber auch andere Wege benutzt Andrea Lamàr: oft auf Rollerblades, auch schon mal auf einer Harley-Davidson und auch unter Wasser mit Preßluft und Flossen bewegt sie sich in ihrer Freizeit, um fit zu bleiben und Spaß zu haben, wenn sie nicht grade Flamenco tanzt, als Sportschützin auf Scheiben oder Tontauben schießt, oder sich im Fitness-Studio austobt. Bei einem ihrer Tauchausflüge lernte sie auf den Malediven den Showmaster Jürgen von der Lippe kennen und wurde vom Fleck weg als seine Assistentin verpflichtet. Den Job behielt sie auch während ihrer New Yorker Zeit – für jede Sendung kam sie per Jet über den großen Teich.

Mit kleineren Filmrollen, Messe-Moderationen und Off-Broadway-Produktionen hat sie sich über Wasser gehalten: „Ich habe gekämpft – ich weiß, wie hart der Job im Show-Business ist“, sagt Andrea Lamàr und „Ich habe sehr viel gearbeitet und getan, um etwas zu erreichen, aber ich verkaufe weder mich noch meine Seele für den Erfolg.“ Über die Chance, die ihr der rasante Einstieg in die TV-Welt nun bietet, freut sie sich „wahnsinnig“, aber auch hier hat ihre Kompromißbereitschaft ihre Grenzen. Für den Job reibt sie sich auf, gönnt sich mit viel Disziplin ein paar Stunden Schlaf, wenn sie nach der Nachtschicht nach Hause kommt. Das Lesen - sie schwärmt für fundierte historische Romane und Psychologie – muß derzeit leider in der Warteschleife verharren, immerhin kann sie wenigstens bei Techno (!) und „Chill-Out“ ein wenig entspannen, bevor es wieder ins Studio geht.
 
Die Zukunft? Da kann sich Andrea Lamàr viel vorstellen: sie liebt es vor der Kamera zu stehen und setzt auch gerne ihre hörenswerte Stimme ein, ob in einer Rolle oder freier Moderation. „Ich bin nicht verbiestert“ kommentiert sie dazu, „ich könnte mir ebenso vorstellen, Film- oder Fernseh-Rollen zu übernehmen, wie wieder eine Moderation.“ Der polyglotten und welterfahrenen jungen Frau könnte zum Beispiel ein Reisemagazin sehr gut zu Gesicht stehen. Für „lanotte“ bei TM 3 ist sie zunächst einmal bis Januar 2002 unter Vertrag. Dann wird man weitersehen. Auf jeden Fall möchte sie auch danach weiter mit Alida Kurras zusammen arbeiten, die ihr eine liebe Freundin geworden ist. Und eine Familie – Ehe und Kinder? „Irgendwann schon – hat Zeit!“ sagt sie lächelnd, während sie – wir sind inzwischen wieder in ihrer Wohnung – mit geschickten Fingern Knöpfe an ein Oberhemd annäht. Ein Herrenhemd? Aber das geht uns nichts an und ist eine ganz andere Geschichte.

Fank Becker, 13.08.2001