Horst Wolf Müller †

Der Schriftsteller und Dramatiker sarb bereits am 17. Januar 2021

von Frank Becker und Karl Otto Mühl (†)

Foto © Frank Becker

Horst Wolf Müller †
 
Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Schriftsteller und Dramatiker Horst Wolf Müller am 17.  Januar 2021 nach langer Parkinsonerkrankung gestorben.
1935 in Langenbielau (Schlesien) geboren, kam er zum Ende des 2. Weltkriegs durch die Flucht aus dem Osten 1945 nach Bayern, wo er das Abitur in Weiden ablegte, dann erst in München, später in Münster und Kansas (USA) Germanistik und Anglistik studierte. Er wurde Teaching Assistant in Kansas, machte Volontariate beim Deutschlandfunk und beim Süddeutschen Rundfunk, wurde Redaktionsassistent bei Rolf Schroers, Mitarbeiter der Dramaturgie des Contrakreis Bonn und arbeitete von 1970 an im Bundespresseamt Bonn.
Horst Wolf Müller ist vorwiegend mit Theaterstücken und Kurzprosa hervorgetreten, letztere wurde in den 2000er Jahren mehrfach in den Musenblättern erstveröffentlicht. In den 80er Jahren sind fünf Stücke an verschiedenen Theatern aufgeführt worden (u. a. in Konstanz, Karlsruhe, Regensburg und Salzburg). Daneben entstanden eine große Anzahl von Kurzspielen und Satiren für den Rundfunk.

Bibliographie:
Moderne Dramaturgie, Diesterweg 1967
Helden zum Rapport, Schwann 1970
4 Szenen in „Ausgesuchte Einakter und Kurzspiele“, Grafenstein-Verlag, 1984
2 Szenen in „Monologe“, Grafenstein-Verlag
1 Szene in „Minidramen“, Verlag der Autoren 1987
Auszüge aus dem Stück „Bernhard“ in „Der Berhardiner ein wilder Hund“, Edition S, Wien 1990

Theaterstücke:
Komarek, Uraufführung Karlsruhe 1986
Und wie die Welt so weit, UA Konstanz 1985
Westwind - bisher nicht aufgeführt
(Diese Stücke haben den Titel Deutsche Tetralogie erhalten, weil sie deutsche Schicksale im Abstand von jeweils 7 Jahren behandeln: 1932 - 1939 - 1946-1953)
Doktor Potemkin, UA Konstanz 1988 (in Turku, Finnland 1989)
Bernhard (Zauberposse), Salzburg 1988
Stoapfalz (Mundartstück), UA Gymnasium Tirschenreuth, 1991) und Mod. Theater Tirschenreuth 2003
und noch nicht verlegt:
Zwei kurze Lebensläufe
Alfred und Patrizia (Traumspiel)
Jahrgang 1903 (Einakter)
Szenen eines Marathon (Einakter)

Im NordPark Verlag erschien 2008:
 
 
Karl Otto Mühl (1923 – 2020) über Horst Wolf Müller

Es scheint mir nicht der Zeitpunkt zu sein, wo ich seine einstmals aktuellen Stücke empfehlen sollte. Ich will lieber erst einmal an sie erinnern und an den Autor, der, schon über Fünfzig, plötzlich mit mehreren Stücken an mehreren Theatern aufgeführt wurde.
Das war in den Achtziger Jahren, als ein stiller Journalist vom Bundes-Presseamt, der nachts mit Kopfhörern vor dem Abhör- oder Auswerterpult saß, plötzlich seiner Heimat (es waren zwei, Schlesien und später die Oberpfalz) Stimme verlieh. Die Stücke hießen „Schedlhöfen“, „Und wie die Welt so weit“, „Komarek“, „Dr. Potemkin“ - der letzte Name verrät, was es bei Müller auch gab: Satire und Ironie. Die glitzerten auch in Müller Rundfunkbeiträgen, oder im häufig aufgeführten „Bernhard“, wo sich der große österreichische Dramatiker mit allem seinem Menschlichen seiner Amme anvertraut, während er vor dem Salzburger Dom auf einen Interviewer wartet.
Müller hat als Junge die Flucht aus Schlesien erlebt, nachdem er mit seiner alten Großmutter einige Zeit unter polnischer Besatzung ausgeharrt hatte. Er kam mit seiner Familie in einem winzigen Ort in der Oberpfalz an; sie lebten auf dem Öller eines Bauernhauses. Er erlebte also die Nazizeit, die Gewalt der Nazis, aber auch den Fremdenhaß, der dem Flüchtling entgegenschlägt. Das alles fühlt man in seinen Werken, aber auch die kindlich-innige Liebe zu Landschaft, Land und Leuten, die zum Heimweh nach Gestern wird.
Sein Spektrum ist breit. Die politische Wirklichkeit der Nazizeit im deutschen Alltag von 1939 - 1941 brachte er in „Wie die Welt so weit“ meisterlich auf die Bühne (was in den Feuilletons nicht unerwähnt blieb).
In diesen Werken, aber auch im Autor selbst, der fast verborgen lebt, wird ein Stück unserer Welt und seiner Heimat Bewußtsein, das schwerblütig und zugleich liebenswert ist. Ich möchte es nicht missen. Die Menschen seiner Heimat fühlen und erkennen das. Kürzlich schrieb er ein Stück im Oberpfälzer Dialekt, „Stoafalz“, das dort immer wieder vor übervollen Sälen in mehreren Städten gespielt wird.