An Yssabeau

Ein Foto von Michael Lebed zu Versen

von Fran├žois Villon

Foto © Michael Lebed

Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt
 
Im Sommer war das Gras so tief,
daß jeder Wind daran vorüberlief.
Ich habe da dein Blut gespürt
und wie es heiß zu mir herüberrann.
Du hast nur meine Stirn berührt.
Da schmolz er auch schon hin, der harte Mann,
weils solche Liebe nicht tagtäglich gibt...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Im Feld den ganzen Sommer war
der Mohn so rot nicht wie dein Haar.
Jetzt wird es abgemäht, das Gras,
die bunten Blumen welken auch dahin.
Und wenn der rote Mohn so blaß
geworden ist, dann hat es keinen Sinn,
daß es noch weiße Wolken gibt...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Du sagst, daß es bald Kinder gibt,
Wenn man sich in dein rotes Haar verliebt,
so rot wie Mohn, so weiß wie Schnee.
Im Herbst, mein Lieb, da kehren viele Kinder ein,
warum solls auch bei uns nicht sein?
Du bleibst im Winter auch mein rotes Reh,
Und wenn es hundert schönere gibt...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.
 
 
Francois Villon
(Nachdichtung von Paul Zech)