Abgr√ľnde

The Pembrokeshire Murders - von Marc Evans

von Frank Becker

Abgründe
 
The Pembrokeshire Murders -
ein wahrer Fall der britischen Kriminalgeschichte
 
Selten wurde ein Kriminalfall so akribisch und ohne jede Effekthascherei gleichzeitig sachlich und packend filmisch aufgearbeitet wie der der sogenannten „Pembrokeshire Murders“ im Südwesten von Wales, die in den 1980er Jahren in England für großes Aufsehen gesorgt hatten und in die britische Kriminalgeschichte eingingen. 21 Jahre lang blieben die Doppelmorde an zwei Paaren und der Überfall auf fünf Jugendliche, bei dem zwei Mädchen sexuell angegriffen und vergewaltigt wurden, trotz eines Verdachts gegen einen gewissen John William Cooper unaufgeklärt. Erst im Jahr 2006 machte es sich eine Sonderkommission unter Detective Chief Superintendent Steve Wilkins zur Aufgabe, die Fälle neu aufzurollen. Es galt Beweise zu finden, die früher trotz aller Sorgfalt vielleicht übersehen worden waren, neue wissenschaftliche Analyse-Methoden einzusetzen und Zeugenaussagen beizubringen, die bis dahin nicht gemacht worden waren. Und die Kommission stand unter erheblichem Zeitdruck, den der Verdächtige, der zwischenzeitlich wegen anderer Straftaten eine lange Haftstrafe zu verbüßen hatte, könnte in Kürze auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen werden. Das aber mußte verhindert werden, denn Steve Wilkins war fest überzeugt davon, daß John William Cooper ein skrupelloser Serienmörder war, der, kaum in Freiheit, wieder töten würde. Ein Wettlauf gegen die Zeit.
 
Regisseur Marc Evans hat den realen Kriminalfall sehr sensibel und unaufgeregt nach den Drehbüchern von Jonathan Hill, Nick Stevens und Steve Wilkins (dem tatsächlichen Chef-Ermittler) in Szene gesetzt. Luke Evans spielt in der dreiteiligen Verfilmung, die langsam aber stetig unerhörte Spannung aufbaut, und den Zuschauer hautnah mitnimmt, den Chefermittler, der mit seinem Team beim neuen Auswerten von mehr als 3.000 Spuren in die Abgründe des Verbrechens und in die von Grund auf gefühlskalte manipulative Seele des Täters (hervorragend: Keith Allen) eindringt. Es ist der spürbare unbedingte Willen der beteiligten  Polizeibeamten, die schrecklichen Verbrechen aufzuklären und weiteres Leid zu verhindern, der sich auf den Betrachter überträgt und ihn bis zur Anklageerhebung und zum schließlichen Schuldspruch vor Gericht unmittelbar mitfiebern läßt.
 
 
 Luke Evans (Mitte) als DCS Steve Wilkins, rechts Alexandria Riley als DI Ella Richards



Oliver Ryan als Andrew Cooper

Marc Evans zeichnet in ruhigen Bildern nicht nur den kaltblütigen Mörder und den hartnäckigen, korrekten Ermittler und seine Mitarbeiter – allen voran Alexandria Riley als Detective Inspector Ella Richards – mit markanten Strichen. Auch Coopers verhärmte, seelisch zerquälte Frau Pat (Caroline Berry) und besonders als zentrale dramatische Figur den an Körper und Seele gebrochenen Sohn Andrew (brillant: Oliver Ryan) bekommen unter Evans´ Regie wie die beiden fürs Leben gezeichneten Vergewaltigungsopfer beeindruckend Form und Charakter. Der Begriff „True Crime“, der für solche Filme meist reißerisch klingt und auch so wirken soll, bekommt hier eine ganz andere, erschütternde Bedeutung. Es ist zwar auch ein Kriminalfilm, doch mit hohem dokumentarischem Wert – und ein angemessenes Hohelied auf die Arbeit der Polizei.
 
 
John William Cooper (Keith Allen) vor Gericht

Die äußerst empfehlenswerte DVD mit allen drei Teilen und Bonus-Material ist ab heute im Handel zu haben.
 
The Pembrokeshire Murders
© 2020 World Productions Ltd. / itv Studios / © 2021 Edel Entertainment
(DVD) Sprachen: Deutsch/Englisch mit deutschen  Untertiteln
Regie: Marc Evans - Drehbuch: Jonathan Hill, Nick Stevens, Steve Wilkins
Besetzung: DCS Steve Wilkins: Luke Evans - John William Cooper: Keith Allen - Pat Cooper: Caroline Berry - Andrew Cooper: Oliver Ryan - DS Gareth Rees: Charles Dale - Jonathan Hill: David Fynn - DI Lynne Harries: Steve Meo - DS Glyn Johnson: Richard Corgan - DC Nigel Rowe: Kyle Lima - Jack Wilkins: Steffan Cennydd - DI Ella Richards: Alexandria Riley
Gesamtlaufzeit: 144 Minuten + 55 Minuten Bonusmaterial
 
→ → → Trailer       
 
Weitere Informationen: www.edel.com