Die Schokoladentorte

von Erwin Grosche

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Die Schokoladentorte
 
Man sieht einer Schokoladentorte gleich an, was sie vorhat. Der Überraschungseffekt ist nicht auf ihrer Seite. „Nimm mich“ ist ihr zweiter Vorname. Wer sich einer Schokoladentorte nähert, ist nicht auf der Flucht. „Vielleicht sollte man zum Verzehr keinen großen Löffel nehmen.“ „Oh Grundgütiger, man geht nicht mit Brad Pitt essen und glaubt dann ungeküßt nach Hause zu kommen.“ Diese Torte tat nie so, als wäre sie unschuldig und müßte um Zehn wieder bei den Eltern sein. Sie ißt man, wenn man Ärger bewußt in Kauf nehmen will. Ich habe gehört, daß Eugen Drewermann sich nach dem Genuß einer Schokoladencremetorte von der katholischen Kirche losgesagt hat. Man muß an Gott zweifeln, wenn er uns solchen Versuchungen aussetzt. Die Todsünde ist dagegen ein Kavaliersdelikt.
„Meine Damen und Herren, diese Schokoladentorte weiß was sie tut. Das war kein Sattmachen im Affekt. Da stand ein Plan dahinter, ein Vorsatz. Unschuld sieht anders aus. Ihr Genuß sollte erst ab 18 Jahren erlaubt sein. Sie ist schuldig im Sinne der Anklage.“ Wer sich die Natur untertan macht, verdirbt sie. Darum meidet der Weise das Zusehr, das Zuviel, das Zugroß. (Laotse, Bäcker Mertens.) 
 

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