Hilary Griffiths wird Chefdirigent der Wuppertaler B├╝hnen

GMD Toshiyuki Kamioka konzentriert sich ab 2009 auf Konzerte

von Oliver Tettenborn

Foto: Wuppertaler Bühnen
Hilary Griffiths wird Chefdirigent
der Wuppertaler Bühnen

GMD Toshiyuki Kamioka konzentriert sich ab 2009 auf Konzerte
 

Nach der Ankündigung von GMD Toshiyuki Kamioka, sich ab der Spielzeit 2009/2010 aus der Opernleitung der Wuppertaler Bühnen zurückzuziehen und sich - parallel zu seiner neuen Funktion als GMD des Staatstheaters Saarbrücken - in Wuppertal ganz auf den Konzertbetrieb zu konzentrieren, gingen die Wuppertaler Bühnen und das Sinfonieorchester Wuppertal auf die Suche nach einem neuen Chefdirigenten. Nach Vordirigaten diverser Kandidaten setzte sich nun der Brite Hilary Griffiths durch. Griffiths ist einem Teil des Wuppertaler Publikums schon durch die Dirigate einer „Peter Grimes“-Vorstellung im Frühjahr 2008 und des Open Air-Konzerts anläßlich der 200-Jahr-Feier Barmens auf dem Johannes-Rau-Platz am 17.8.08 bekannt. Er tritt das in dieser Form neu geschaffene Amt des Chefdirigenten offiziell mit Beginn der Spielzeit 2009/2010 (und somit unter der Opernintendanz Johannes Weigands) an, wird aber möglicherweise bereits in der laufenden Spielzeit 2008/2009 Dirigate übernehmen. Auf jeden Fall wird Griffiths den Festakt zur Wiedereröffnung des Opernhauses am 18.1.2009 dirigieren.
 
Hilary  Griffiths
Dirigent
 
Hilary Griffiths wurde in England geboren. Er studierte an der Universität von Oxford und in London an der Royal Academy of Musik und dem London Opera Centre, in Siena an der Accademia Chigiana und in Mailand am Conservatorio Giuseppe Verdi. Er wurde Preisträger bei den internationalen Dirigentenwettbewerben AIDEM, Florenz und Marinuzzi, San Remo. Sein erstes Engagement führte ihn als Kapellmeister nach Köln, wo er über 300 Opernaufführungen dirigierte und als Direktor des Opernstudios fungierte. Anschließend wurde er zwei Jahre Musikdirektor am Theater Oberhausen, und 1993-1997 Generalmusikdirektor der Stadt Regensburg. Bis August 1996 war er auch Chefdirigent an der Staatsoper, Prag, wo er weiterhin als ständiger Gastdirigent tätig ist. Er ist seit 1991 Musikdirektor der Eutiner Festspiele und seit 2004 Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim.
 
Mit Konzerten und Opernaufführungen gastierte Griffiths u.a. bereits in Berlin, Dresden, Hamburg, Hannover, Mannheim, Düsseldorf,  Wiesbaden, Dortmund, Bremen, Kassel, Nürnberg und Basel sowie in Barcelona, den Haag, Eindhoven,  Rotterdam, Oslo, Reykjavik, Bogotá, Leeds und Tokio, und bei den Festspielen von Edinburgh, Camden, Schwetzingen, Gmunden, Prag, Hong Kong, Perth und auf Teneriffa.
 
Sein Repertoire von neunzig verschiedenen Opern umfaßt den gesamten mittleren und späteren Verdi, sowie alle bekannte Opern von Mozart und Puccini. In letzter Zeit hat er sich mit den Werken von Strauss (Salome, Der Rosenkavalier, Ariadne, Intermezzo) und Wagner (Holländer, Tannhäuser, Tristan, Meistersinger) auseinandergesetzt, und setzte Akzente im tschechischem Repertoire (Smetana, Dvorák und Janácek) sowie bei zeitgenössischer Musik - er dirigierte die deutschen Erstaufführungen von drei Opern von Thea Musgrave, sowie die Uraufführungen von "Das Gauklermärchen" (Konzelmann/Ende) und des Balletts "Lulu" (Rota).
 
Darüber hinaus ist Hilary Griffiths ein gefragter Dirigent für Galakonzerte und arbeitete mit namhaften Solisten wie Grace Bumbry, Lucia Aliberti, Cecilia Bartoli, Nelly Miricioiu, Nicolai Gedda, Hermann Prey, Bernd Weikl, Thomas Hampson, Kurt Moll und Giacomo Aragall.
 
Sein sinfonisches Repertoire reicht vom Barock - er ist oft als Cembalist aufgetreten - bis zu den großen Werken des 19. und 20. Jahrhunderts.  Besondere Ereignisse in Prag waren das "War Requiem" (Britten) im Rudolfinum und "Das Lied von der Erde" zum 50-jährigen Jubiläum des Orchesters der Staatsoper. Zu seiner Regensburger Zeit dirigierte er Mahlers 1. Symphonie, "Die Planeten" (Holst) und die Turangalîla-Symphonie (Messiaen) im Audimax und Bruckners 9. Symphonie im Regensburger Dom. In Köln dirigierte er einen Zyklus aller Sinfonien und Solokonzerte  Beethovens; in Konzerten, die vom Rundfunk übertragen wurden, leitete er das Rotterdam Philharmonische Orchester, das BBC Welsh Symphony Orchestra, das WDR Rundfunkorchester,  das Orquesta Sinfonica de Colombia und die Virtuosi di Praga. 1999 leitete Griffiths eine Spanien-Tournee mit dem Kammerorchester der tschechischen Philharmoniker. Er hat viel zeitgenössische Musik dirigiert, darunter mehrere Uraufführungen und deutsche Erstaufführungen, aber auch Jugendkonzerte, Kinderkonzerte und Konzerte mit Musik aus Operetten und Musicals.
 
Er hat CD-Aufnahmen von Werken von Jommelli und Weber sowie Gesamtaufnahmen von "Tiefland" und "La Bohème" (Leoncavallo) eingespielt; eine Videoaufzeichnung von "Il Matrimonio segreto" (Regie: Michael Hampe) ist bei RM Arts erschienen und eine Fernsehaufzeichnung von "Der Freischütz" wurde 2005 von NDR gesendet.
 
Bei den Opernfestspielen auf Teneriffa hat er "Il matrimonio segreto", "Die Entführung aus dem Serail", "Un ballo in maschera", "Rigoletto" und "Madama Butterfly" dirigiert. Andere Produktionen der letzten Zeit waren "Erwartung" für das Festspiel „Prager Frühling“, "Porgy & Bess" an der Staatsoper Istanbul, und "La Bohème" von Leoncavallo an der Staatsoper Prag. Dort dirigierte er eine Neuproduktion von "Tiefland" im Herbst 2003 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der dortigen Uraufführung.  Bei den Eutiner Festspielen 2005 dirigierte er Neuproduktionen von "Cavalleria rusticana", "Pagliacci" und "Der Freischütz". 2006 dirigiert er u.a."Tosca", "Carmen", "La Bohème" und eine neue Produktion von "I vespri siciliani" an der Staatsoper Prag, "Il trovatore"  und "Der Vogelhändler"  bei den Eutiner Festspielen und "Das schlaue Füchslein" mit der Opernschule in Mannheim.

Homepage: www.hilarygriffiths.com

Redaktion: Frank Becker