Das Wasser wird knapp - ├╝berall

Der Edersee als Symbol

von Johannes Vesper und Frank Becker

Edersee, September 2022 - Foto © Johannes Vesper

Symbolträchtiger Edersee
 
Das Wasser wird knapp - überall
 
Etwa 200 Millionen Kubikmeter Wasser fehlen hier. Der Edersee, normalerweise aufgestaut mit einer 48 Meter hohen Staumauer, ist leer. Das Foto entstand am 03. September 2022 auf dem Boden des einst drittgrößten Stausees Deutschlands. Die Brücke Asel, über die hier Menschen anscheinend vergnügt spazieren, ist normalerweise im Wasser nicht zu erkennen. Die Boje mit der Warnung vor Untiefe weist normalerweise hoch schwimmend die Schiffahrt auf sie hin. Die weit auseinander liegenden Ufer des Stausees wurden hier mit einer Fähre verbunden. Sie ist weg. Der Wassermangel ist offensichtlich. Goethes berühmter Zauberlehrling bzw. sein Hexenmeister wird hier benötigt. Sie wissen schon: „Walle, walle …“.  Regional hofft man im Waldeck, daß „… zum Zwecke Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße“, daß der ausgebliebene Tourismus wieder belebt werden kann, und erhebt Vorwürfe, daß das Wasser des Stausees für den Schifffahrt von Weser und Mittellandkanal verbraucht wird. Aber das Problem wird grundsätzlich existentiell werden, wenn es mit der menschengemachten Trockenheit so weiter geht, weit über die Konkurrenz zwischen Schiffahrt und Tourismus hinaus.
 
Die Pegelstände der Tiefbrunnen fallen kontinuierlich, 3-4 Meter waren es in den letzten 10 Jahren. Es ist zu befürchten, daß der Verlust sich rasant potenziert. Dennoch verkaufen kurzsichtige Kreise und Gemeinden ihr Grundwasser, das der Allgemeinheit gehörende, lebensnotwendige Gut an Getränkekonzerne. Coca-Cola z.B. zahlt der Stadt Lüneburg lediglich einen sogenannten Wasserpfennig von 0,009 Cent. pro Liter, verkauft sein dadurch gewonnenes Produkt ViO Wasser anschließend für ca. 1,64 € pro Liter an die Konsumenten. Im niederbergischen Städtchen Haan sorgt sich eine wachsende Bürgerinitiative um den Grundwasserbestand, der durch Bohrungen des Unternehmens „Haaner Felsenquelle“ gefährdet ist. Zitat: „Die Wasserentnahme aus der Quelle wirkt wie ein Sog, wie ein Trichter, in den das Grundwasser immer mehr hineinlaufe und so für die Austrocknung der umliegenden Naturflächen sorge.“
In etlichen Kommunen müssen derzeit bereits Tankwagen die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgen! Vergessen wir nicht: Der freie Zugriff auf Trinkwasser Wasser ist ein Grundrecht, eine Privatisierung und die Kommerzialisierung der Wasserwirtschaft muß grundsätzlich ausgeschlossen werden.
 
Auf der wichtigen europäischen Wasserstraße, dem Rhein können Schiffe nur noch eingeschränkt fahren, weil der Klimawandel den Regen ausbleiben läßt, und tropische Krankheitserreger nebst ihren Überträgern, exotischen Insekten, schätzen unser Klima zunehmend. Bei stinkenden Cyanobakterien in den Pfützen vor der Eder-Sperrmauer wird es nicht bleiben. Aber auch die Industrie sorgt mit ihrem ungeheuren Bedarf an Wasser für eine Verknappung der Ressourcen. Hier gilt es ebenfalls einschneidende Maßnahmen zu ergreifen. Das idyllische Foto vom Boden des Edersees hat hohen Symbolwert. Daran freuen kann man sich nicht.
„Die große Dürre. Was tun, damit Deutschland nicht austrocknet?" So hieß kürzlich eine hilflos mahnende Sendung der ARD. Von der „öffentlich rechtlichen Sendeanstalt“ sind allerdings Lösungen nicht zu erwarten. Die ist gerade mit Anderem beschäftigt.
Gefordert ist die Politik. Jetzt.