Jeder Engel bekommt Asyl

13.000 Himmelswesen in K├╝rten-Engeldorf

von Andreas Rehnolt

© Kurt F. Domnik - pixelio
"Jeder Engel kriegt Asyl"
 
Johann Fischer beherbergt in seinem Haus
in Engeldorf gut 13.000 der geflügelten Himmelswesen und hat immer noch Platz
 
 

Kürten-Engeldorf - "Bei mir kriegt jeder Engel Asyl, Hauptsache, er hat Flügel". Johann Fischer aus der 350-Seelen-Gemeinde Kürten-Engeldorf im rheinisch-bergischen Kreis fliegt seit gut 23 Jahren auf beflügelte Himmelswesen und beherbergt derzeit rund 13.000 von ihnen in seinem Haus. "Und auch die mit gebrochenen Flügeln nehme ich auf. Wo sollen die auch hin?" Johann Fischer aus der 350-Seelen-Gemeinde Kürten-Engeldorf im rheinisch-bergischen Kreis fliegt seit rund einem Vierteljahrhundert auf beflügelte Himmelswesen und beherbergt derzeit mehr als 13.000 von ihnen in seinem Haus. Wieviele genau, weiß der 75-jährige gar nicht. In Deutschland gilt er als Sammler mit dem größten Bestand an himmlischen Heerscharen. Im Guiness-Buch der Rekorde ist er seit 2002 sogar als derjenige mit den weltweit meisten Engeln verzeichnet, noch vor einem US-Amerikaner.
 
Nach einem schweren Unfall war es, daß er erstmals hautnahen Kontakt zu einem Engel bekam. "Meine Tochter brachte mir damals einen kleinen Stoffengel ins Krankenhaus", erinnert sich Fischer. "Seitdem lassen mich die Gestalten mit den weißen Schwingen nicht mehr los." Nicht nur das Wohnhaus ist voll. Auch vom Garten, der Terrasse, der alten Fachwerkscheune und vom Keller haben die Flügelwesen inzwischen Besitz ergriffen. Der Rentner nennt Engel in allen Größenordnungen und Materialien sein eigen.
 
Es gibt Engel als Räuchermännchen, als Spieluhr, als Kerzenständer, als Lichterkette für den Weihnachtsbaum. Der mit 0,7 Millimetern kleinste Engel bringt nicht mehr als 0,2 Gramm auf die Waage, hat rote Haare und war früher Dekorationsengel in einer Kinder-Puppenstube. Der größte Engel des Sammlers ist knapp vier Meter hoch und sechs Zentner schwer. Er hat im Haus keinen Platz sondern steht an der Einfallstraße der Ortschaft, die übrigens schon lange vor Beginn der Sammelleidenschaft Fischers den Namen Engeldorf trug.
 
Fischers Engel sind aus Marmor oder Stein, Holz, Plastik, Gummi, Messing, Ton, Stahl, Bast, Papier, Knete, Weidengeflecht, Wachs und Pappmachee. Selbst aus Knochen oder Elfenbein sind einige der Exponate. Viel Simples ist darunter, auch einiges an Kitsch, wie der Experte einräumt. Doch er hat auch einige ausgesprochene Raritäten und Schätze in seiner Sammlung. Barockengel etwa oder einen "Nickengel", der früher mal in einer Kirche stand und sich für jede in seine Hand gelegte Münze mit einem Kopfnicken bedankte.
 
Über den Wert der Stücke schweigt sich der nach eigenen Worten "irdische Vater der himmlischen Wesen" aus. "Man kann Geld und Engel nicht in einem Atemzug nennen", meint er schmunzelnd. Die meisten seiner geflügelten Wesen findet Fischer immer noch auf Antik- oder Trödelmärkten.  Zugleich mahnt Fischer all diejenigen, die einen Engel besitzen, diesen auch gut zu behandeln. "Vielen sind Engel lästig. Die lassen sie dann in Kellern oder auf dem Dachboden verstauben, wo sie vereinsamen. Das haben Engel nicht verdient", meint der Sammler.
 
Er weiß, daß Engel früher als Träger von Weihwasserbecken, Opferstock oder Hinterglasbildern immer auch etwas mit Glauben zu tun hatten. Inzwischen hat natürlich auch die Werbung die Flügelwesen entdeckt, die gerade in der Vorweihnachtszeit für so ziemlich alles herhalten müssen. Sie zieren Ohrringe und Socken, Krawatten, Flaschenverschlüsse, Armbanduhren oder Kuchendosen. Von alldem hat der Engeldorfer Exemplare in seinem Haus. Darunter ist ein kleiner Engel mit blinkender roter Nase oder ein goldfarbener, der eine Kaminuhr umklammert und beim Ticken der Uhr ständig die Augen rollt.
 
Es gibt schlafende, tanzende, betende, musizierende, singende, nachdenkliche, lustige und fliegende Himmelswesen in Fischers Sammlung. Marionettenfiguren finden sich ebenso, wie Engel aus Spieluhr, Handpuppen, Kerzenhalter und Christbaumschmuck. Manchmal dienen die Figuren sogar einem Zweck. Die Seifenschale etwa, die Buchstützen und Serviettenringe, der Weihwasserspender aus Speckstein oder die beflügelte Vogeltränke aus Ton für die gefiederten Freunde auf der Terrasse. Allein in der "Krippe der 1000 Engel" tummeln sich auf rund vier Quadratmetern weit über 1000 Engel. Das ganze Jahr über herrscht hier weihnachtliche Stimmung. Aus wie vielen Ländern er Engel besitzt, kann Johann Fischer nicht genau sagen. "Die sind von überall zu mir geflogen", sagt er.


© Andreas Rehnolt