Song Sung Blue
USA 2025 Drehbuch und Regie: Craig Brewer Mit: Hugh Jackson, Kate Hudson u.a. Die Folk- und Country-Szene der USA ist unendlich breit, und nicht jeder, der ein Talent dafür hat, diese Art von Musik zu interpretieren, wird auch ein weltweiter Star. Aber man kann es zu lokaler Berühmtheit bringen, auch wenn man nicht, wie die Großen, seine Songs selbst dichtet und komponiert. Es reicht, wenn man gut ist – so, wie es Mike und Claire Sardina waren, die sich als Paar „Lightning & Thunder“ nannten und in ihrer Welt als perfekte Interpreten der Werke von Neil Diamond galten.
Man könnte auf Anhieb gar nicht aufzählen, wie viele Biopics aus der populären amerikanischen Musikszene es in den letzten Jahren gab, aber „Song Sung Blue“ (das ist übrigens der Titel eines Neil Diamond-Songs) ist doch etwas Besonderes. Regisseur Craig Brewer erzählt hier nach eigenem Drehbuch keine Glitzerstory über Superstars, sondern die Geschichte zweier Menschen, die sich in der harten Branche der mittleren Musikszene behaupteten. Daneben waren beide von schweren gesundheitlichen Problemen geplagt, die ihnen das Leben erschwerten.
Zweieinviertel Stunden wirken diesmal keine Minute zu lang (und das ist eine Kunst), weil mit Hugh Jackman und Kate Hudson zwei Schauspieler auf der Leinwand erscheinen, denen man jede Minute ihrer Schicksale glaubt und an denen man Anteil nimmt. Als sie einander treffen, sind sie im mittleren Alter, in der Branche aber fast noch begabte Amateure, wenngleich vollgültige Musiker, er mit der Gitarre, sie am Klavier, beide als Sänger.
Hier spürt man sofort, daß zwei Menschen für einander bestimmt sind, und die Harmonie (an der auch die anfängliche Distanziertheit von Claires halb erwachsenen Kindern nichts ändern kann) ist wunderbar. Endlich ein Paar, das perfekt zusammen paßt, im Leben und auf den Bühnen, wo sie vom Publikum heftig akklamiert ihre Neil-Diamond-Shows bieten. Wir sind im doch noch einigermaßen ländlichen Milwaukee (Bundesstaat Wisconsin), Ende der 1980er Jahre, da war die Welt auch noch nicht so hektisch.
Dennoch, wie jeder weiß, der Teufel schläft nicht. Claire wird von einem rasenden Auto schwer verletzt und erholt sich die längste Zeit nicht, driftet sogar in eine schwere Nervenkrankheit ab, und Mike erleidet immer wieder Herzattacken, die er zu unterdrücken und zu leugnen versucht. Wenn das Geld ausbleibt, weil es keine Engagements mehr gibt, wird aus dem glücklichen Paar eines, das seelisch und sozial kaum noch über die Runden kommt.
Hugh Jackson und Kate Hudson, die beide ihre Parts auch wirklich bemerkenswert gut singen, spielen diese Kurve von glücklichem Beginn bis zum Absturz bemerkenswert, vor allem ihr hätte man das ehrlich gesagt nicht zugetraut. (Eine Golden Globe-Nominierung ist nicht ohne Siegeschance).
Daß am Ende ein strahlendes Comeback steht, das den finalen Herzschlag des Helden hervorruft, ist ein bißchen dick (man kennt die Sardinas nicht, findet sie auch nicht im Internet, weiß also nicht, wie real der Regisseur die Geschichte erzählt). Begräbnis (die Witwe singt heldenhaft), tapferes Weiterleben (eine Tochter ist schwanger), man kennt diese Wendungen am Kitschrand, die dem sensiblen Teil des Publikums die Tränen in die Augen treiben und solcherart etwas spekuliert wirken.
Dennoch – das ist nicht nur ein Musikfilm, obwohl man den Gesangs- und Showszenen sehr gerne zuhört und zusieht, das ist die Geschichte eines Paares, die zu erzählen sich lohnt. Zumal sie so hochkarätig gespielt wird.
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