Durch die Linse von Kurt Keil – Schwebebahn
Zweite Ausstellung über die Arbeit des Wuppertaler Fotografen Kurt Keil
in der Universitätsbibliothek
Kurt Keil, ein Name, bei dem viele Wuppertaler aufhorchen, denn seine Fotos prägten jahrzehntelang die Seiten der Westdeutschen Zeitung. Nach seinem Tod gelangte der gesamte Nachlaß in das Archiv der Bergischen Universität. Die Fotohistorikerin Dr. Carmen Pérez González widmet sich seitdem diesem in vielen Aktenordnern und Kisten gesammelten Bildmaterialien und hat mit der leitenden Archivarin Dr. Friederike Jesse und einem Team von Studierenden nun die bereits zweite Ausstellung des Fotografen kuratiert. Thema diesmal: Die Schwebebahn.
Die gesamte Ausstellung wurde unter Pérez González Aufsicht durch ein Studierendenprojekt umgesetzt. Neben Barbara Brandau, Jan Emmerich, Berfin Özdemir, Jako Plaß, Christos Roudoniklis und Thea Schneider ist es vor allem Pia Stoffels, die den Part der Hauptkuratorin übernahm. „Sie ist seit Beginn des Wintersemesters 2023 dabei und hat alle meine Veranstaltungen der Kurt-Keil-Sammlung besucht“, sagt die Organisatorin, „sie hatte immer ein besonderes Interesse an der Schwebebahn und hat daher auch eigenständig recherchiert. In ihrer im letzten Jahr erfolgreich abgeschlossenen Bachelorarbeit beschäftigt sie sich mit dem Schwebebahnunglück 1999.“
Die Schwebebahn und die Stadt
Am 13. Januar wird die Ausstellung in der Unibibliothek eröffnet. Doch was erzählt die Schwebebahn denn fotografisch? Dazu Pia Stoffels: „Tatsächlich sind es verschiedene Geschichten, die man mit den Fotos zur Schwebebahn erzählen kann, denn sie zeigen die Stadt an sich, aber auch Ereignisse und Veränderungen in der Stadt. Vor allem zeigen sie Menschen, die in dieser Stadt leben.“ Die Schwebebahn verbinde nicht nur drei Stadtteile miteinander, erklärt Stoffels weiter, die Bilder von Kurt Keil zeigten darüber hinaus auch die Veränderungen im Stadtbild. „Als Kurt Keil Ende der 60er Jahre angefangen hat zu fotografieren, da sah die Stadt ganz anders aus als 2020, dem Jahr, in dem er gestorben ist.“ Die Ausstellung vereint Exponate, die Kurt Keil in seiner eigenen Ausstellung 1992 gezeigt hat mit anderen Archivalien aus seiner Sammlung. Auch Aufnahmen mit der Digitalkamera, die bisher unveröffentlicht waren, verlängern sozusagen den Blick auf die Stadtgeschichte bis in die 2000er Jahre.
„Das ist ja bereits die zweite Ausstellung, die wir mit dem gleichen Team vorbereiten“, erzählt Pérez González. „Das schöne ist, daß alle Beteiligten wissen, wie man da vorzugehen hat, jeder hat seine eigene Rolle. Bei Bildern, die bisher noch nie gezeigt wurden, wird es auch ein paar Überraschungen geben. Es wird eine interaktive Ausstellung und die Besucher können auch ein wenig mitmachen“, verspricht sie. Schwebebahn und Haltestellen verändern sich
Mit Beginn der 1970er Jahre veränderte sich Wuppertals berühmtestes Aushängeschild, und Kurt Keil war dabei. „Als er angefangen hat, wurde die Baureihe 1972 der Schwebebahn gerade eingeführt, und er hat mit seinen Fotos diesen Prozeß mitdokumentiert“, erklärt Stoffels. „Das ist ein Teil der Ausstellung. Gleichzeitig haben sich die Schwebebahnstationen auch verändert. Teilweise wurden sie ja im Krieg zerstört oder sie wurden ersetzt, und deswegen gibt es auch Fotos vom Umbau der Stationen oder von Neueröffnungen.“ Auch Drumherum gab es eine ganze Menge an Bauaktivität, ergänzt die Studentin, der Bau des Sonnborner Kreuzes war sicher eine der relevantesten, denn Sonnborn wurde damals durch die Autobahn getrennt und die Schwebebahn wurde sogar versetzt. „Von den Phasen dieses Baus hat Kurt Keil auch viele Fotos gemacht, und diese Veränderungen sind auf den Bildern sehr schön nachzuvollziehen.“
Bilder aus der verunglückten Schwebebahn 1970
Spektakulär sind auch seine Fotos der Höhenrettung an der Elberfelder Aue. Bei der Anfahrt zur Station Robert-Daum-Platz war die Bahn bei der Fahrt durch eine Baustelle am 8. Dezember 1970 entgleist. Da konnte Kurt Keil sogar Bilder aus der verunglückten Schwebebahn machen, weil die Feuerwehr ihn über Drehleitern nach innen steigen ließ. „Diese Fotos sind aus einem unüblichen Winkel aufgenommen worden. Daraus kann man dann schließen, daß Kurt Keil die Bilder vom Leiterwagen der Feuerwehr gemacht hat. Wir haben in vielen Zeitzeugengesprächen heraushören können, daß er offensichtlich ein sehr angenehmer Mensch war und es ihm daher oft gelang, die Erlaubnis zum Fotografieren zu erhalten, die anderen Fotografen verwehrt wurde. Daher war er sehr nah an der Rettungsaktion beteiligt und konnte diese Bilder machen“, sagt Stoffels.
Bilder des folgenschwersten Schwebebahnunglücks 1999
1999 hat das folgenschwerste Schwebebahnunglück stattgefunden. Die Ausstellungsmacher haben auch diese Bilder berücksichtigt. „Wir haben uns dazu entschieden, eine kleine Auswahl zu zeigen, weil es zur Geschichte der Schwebebahn dazugehört“, begründet Stoffels die Entscheidung. „Wir haben uns aber auch Gedanken darübergemacht, wie man das am besten darstellen kann und sind zu dem Schluß gekommen, dass wir das so aufbauen möchten, daß man auch daran vorbeigehen kann, wenn man das nicht sehen möchte. Es ist so, daß Kurt Keil als Pressefotograf keine Menschen vor Ort dokumentiert hat, also keine Verletzten, sondern er hat die Schwebebahn selber fotografiert.“ Später habe sich Keil aber auch damit beschäftigt, was aus den Menschen geworden sei, und davon habe er auch Fotos gemacht. „Er hat die Trauerfeier besucht und dort fotografiert, er war bei dem Gerichtsprozeß ein Jahr später und hat dort auch fotografiert. Der Umfang allein dieser Fotos zum Schwebebahnunglück ist enorm, wir zeigen nur einen kleinen Ausschnitt.“
Eröffnung am 13. Januar um 17.00 Uhr in der Universitätsbibliothek
Die Ausstellungsvorbereitungen laufen auf Hochtouren und Pérez González freut sich bereits auf einen weiteren Ausstellungsstandort. „Stephan Andrés Heuschen, ehemaliger Redakteur der Westdeutschen Zeitung, engagiert sich in diesem Projekt seit dem ersten Tag und hat uns auch wieder sehr bei der Identifizierung mancher Personen geholfen und wichtige Informationen übermittelt“ erklärt die Fotohistorikerin. „Er hat mich gefragt, ob wir Interesse an einer Wanderausstellung in der Stadt hätten, und zwar im Zentrum für gute Taten, der Freiwilligen Agentur in Wuppertal Barmen. Und das wird dann im April/Mai auch geschehen. Darüber sind wir sehr glücklich, weil die Arbeit unserer Studierender dann auch über die Uni hinaus wertgeschätzt wird.“
Die Besucher erhalten einen neuen Blick auf die Geschichte der Schwebebahn und dadurch natürlich auch auf Wuppertal, versprechen die Macherinnen und freuen sich auf viele Besucher. Der Eintritt ist frei.
Uwe Blass
Ausstellung
Durch die Linse von Kurt Keil – Revisiting Schwebebahn
Vernissage: 13.01.2026 um 17.00 Uhr
Universitätsbibliothek, Foyer BZ.07, Gaußstraße 20, 42119 Wuppertal
Öffnungszeiten:
13.01. – 05.02.26
Mo-Fr 08.00 – 22.00 Uhr
Sa-So 10.00 – 19.00 Uhr
Dr. Carmen Pérez González ist Astrophysikerin, Fotohistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Geschichte der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universität. Sie ist die Projektleiterin von „Gedächtnistraining mit der Kurt Keil Sammlung“ (gefördert von der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung) und die Gründerin des Projektes „Golden Memories“.
Die Ausstellung wurde kuratiert durch Pia Stoffels, unterstützt durch Barbara Brandau, Jan Emmerich, Berfin Özdemir, Jako Plaß, Christos Roudoniklis und Thea Schneider.
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