„Die Giehse -
Ein Leben für das Theater 1898 - 1975“
Graphic Novel über die unvergessenen Schauspielerin
„Die Giehse - Ein Leben für das Theater 1898 - 1975“ ist eine Graphic Novel von Barbara Yelin über Leben und Werk der bis heute unvergessenen Schauspielerin und Kabarettistin Therese Giehse aus dem Berliner Verlag Reprodukt. Die Autorin beschreibt die 1975 verstorbene Giese quasi im Vorwort des Bandes als „nicht sehr groß, sondern eher klein. dazu ungehörig präsent, Raum einnehmend und widerständig.“ Geboren 1898 in München als Tochter des jüdischen Kaufmanns-Ehepaares Gertrude und Salomon Gift wußte sie schon früh, daß sie Schauspielerin werden wollte. Von 1918 bis 1920 nahm die dicke junge Frau Schauspielunterricht. Es folgten Engagements an meist kleinen Bühnen, dann aber auch in Breslau und an den Münchner Kammerspielen. Aus diesen und späteren Jahren hat die Zeichnerin auch Briefe und Notizen der Giehse für ihre Zeichnungen der Schauspielerin verwendet. Im Januar 1933 gründete diese zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Erika Mann und deren Bruder Klaus das linke Kabarett „Die Pfeffermühle“. Weil sie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als politisch links stehende Künstlerin und zugleich Jüdin Verfolgung fürchtete, emigrierte sie zunächst in die Schweiz. Wunderbar ist eine Zeichnung von Yelin, die Giehse - vielleicht in einem Bistro sitzend – zeigt, dazu der Giehse-Satz: „Mir sind ja dadurch, daß Deutschland verdooft ist, die großartigen Sachen ins Theater reingefallen.“ Die aktuelle Intendantin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel beklagt in der Graphic Novel, die Öffentlichkeit habe die Schauspielerin „nicht genug wahrgenommen und gewürdigt.“ Weitere Stationen der Flucht von Giese waren Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Österreich. Schon im April 1936 konnte ihre „Pfeffermühle“ die 1000. Vorstellung in Amsterdam feiern. Versuche, in Amerika Fuß zu fassen, scheiterten und Giehse kehrte 1937 ans Schauspielhaus Zürich zurück. Es dauerte, bis die Schauspielerin nach Ende des 2. Weltkriegs nach Deutschland, konkret nach München zurück kehrte. In die Kammerspiele. Die Jahre zwischen 1920 und 1949 hat die Zeichnerin in vielen kleinen, farbigen Bildern sichtbar gemacht, sie zeigen die Theaterbesessenheit der Giese, wie sie in der „Pfeffermühle“ Regie führt, spielt und singt. Der Schriftsteller Joseph Roth schrieb: „Sie machen zehnmal mehr gegen die Barbarei als wir alle Schriftsteller zusammen.“ In Amerika droht die Truppe der Kabarettisten mangels Auftrittsmöglichkeiten auseinanderzubrechen. Therese Giese sitzt inmitten einer Runde leerer Stühle und bekennt: „Ich bin eine Alleinige.“
1941 erlebt Zürichs Schauspielhaus die Weltpremiere von Bertold Brechts eigens für die Giehse geschriebenen Antikriegsstücks „Mutter Courage und ihre Kinder“. Giehse spielt die Hauptrolle während aller Kriegsjahre, die noch folgen. „Das Theater versammelt zahlreiche politische und jüdische Emigranten, man spielt das modernste Theater Europas“, heißt es in der Graphic Novel. Als der Krieg am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation der Deutschen endet, spielt die Schauspielerin weiter am Schauspielhaus Zürich. In den Theaterferien dreht sie Filme in England und Südfrankreich. Von 1949 bis 1952 wird die Giese festes Ensemble-Mitglied des Berliner Ensembles. Danach gehörte sie bis 1973 zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. In diesen Jahren spielte sie nach eigener Darstellung „immer wieder die Courage“, die auch heute noch immer mal wieder auf europäischen Bühnen zu sehen ist. Und Giese spielte „komische Alte, unsympathische Damen und Schreckensweiber“. Zu sehen war sie etwa in Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“, der man in der alten Heimat ihr Geld für vermeintlich sinnvolle Verwendung abluchsen möchte oder auch in „Die Physiker“, ebenfalls von Dürrenmatt, in dem drei Atomphysiker sich in eine Irrenanstalt geflüchtet haben, um ihre Kenntnisse zur Atombombe nicht preisgeben zu müssen. Giese als alte, schrullige Stationsärztin bekommt heraus, daß einer von ihnen die Formel zur Herstellung einer Atombombe hat und bringt sich in den Besitz dieser Formel, um selbst Macht ausüben zu können. Therese Giehse starb am 3. März 1975 im Alter von 76 Jahren. Sie spielte an zahlreichen kleinen und noch mehr großen Theatern insgesamt über 300 verschiedene Rollen. Zudem wirkte sie in 20 Filmen und in TV-Produktionen mit. Auf eigenen Wunsch wurde sie in Zürich begraben. Über ihr umfangreiches Schaffen als Schauspielerin sagte sie: „Es war nie Fleiß, es war alles Interesse.“ Die spannende und packend gezeichnete Graphic Novel von Barbara Yelin entstand im vergangenen Herbst als Auftragsarbeit der Münchener Kammerspiele zum 50. Todesjahr von Therese Giese. Barbara Yelin - „Die Giehse - Ein Leben für das Theater 1898 – 1975“
© 2025 Reprodukt, 56 Seiten, Hardcover, farbig, 21 × 29,7 cm - ISBN 978-3-95640-458-0
20,- € Weitere Informationen: https://reprodukt.com
|



