Der Zweck heiligt die Mittel
Iran: Steht das Regime am Abgrund?
Von Lothar Leuschen
Die Tage des islamistischen Regimes scheinen gezählt zu sein. Die Zeit und die gegenwärtige globale Entwicklung laufen gegen die Mullahs unter der Führung des 86 Jahre alten Ayatollahs Khamenei. Denn anders als in der Vergangenheit begehrt nicht eine junge Generation von Menschen mit der Sehnsucht nach Freiheit gegen die Beton-Moslems an der Spitze der Regierung auf. Diesmal sind die Proteste wesentlich unpolitischer motiviert. Es geht um das nackte Überleben. Khamenei hat abgewirtschaftet. Korruption, Inkompetenz und der fallende Ölpreis legen sich in diesen Wochen wie eine Schlinge um den Hals der Regierenden. Und Tausende von Bürgern sind bereit, die Schlinge zuzuziehen. Mehrere Hundert verloren dabei bereits ihr Leben. Das strauchelnde Imperium schlägt zurück, diesmal aber nicht mit Tränengas und Gummigeschossen, jetzt laden die staatlichen Sicherheitsbehörden scharfe Munition.
Deshalb mag es in den Ohren des unterdrückten Volkes wie Engelsgesang klingen, daß US-Präsident Trump den Demonstranten Hilfe in Aussicht gestellt hat. Wie die aussehen könnte, weiß der inzwischen inhaftierte venezolanische Autokrat Maduro authentisch zu berichten. Es ist deshalb kein allzu großes Wunder, daß die Mullahs nach Angaben des Weißen Hauses Gesprächsbereitschaft bekundet haben. Sie wissen, wie sehr der Iran US-Amerikaner wie Trump piesackt. Die islamistische Republik droht seit Jahren damit, eine Atommacht zu werden. Damit könnte sie den USA zwar kaum Angst einjagen, dafür aber Israel. Für den US-Präsidenten könnten die Proteste der Iraner eine Einladung dazu sein, dem Regime den Garaus zu machen, und damit auch dessen Bemühen um die Bombe. Gleichwohl steht Trump nicht im Verdacht, in Menschenrechtsdingen unterwegs zu sein. Er will seine Ruhe, auch im Nahen Osten. Außerdem weckt eine potentiell gemäßigte Regierung Aussichten auf einen „Deal“, einen Handel, in dem es nicht nur um die Sicherheit Israels gehen könnte, sondern auch um das Öl des Iran. Es sind mithin rein strategische Ziele, die Trump in Teheran verfolgt. Dem unterdrückten Volk wird es egal sein. Für die Drangsalierten, die Verfolgten und wirtschaftliche Not Leidenden heiligt der Zweck die Mittel.
Der Kommentar erschien am 13. Januar in der Westdeutschen Zeitung.
Übernahme des Textes mit freundlicher Erlaubnis des Autors.
Redaktion: Frank Becker
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